Ernst Meumann u. die Organisationen zur Pflege der wissenschaftl. Pädagogik. 3227 Verknüpfung mit Grundgätzen zu einem einheitlichen System, für eine technische Pädagogik, d. h. die konkrete Anleitung zum richtigen (im Sinne eines als gültig vorausgegetzten Systems richtigen) Lehren, Erziehen, pädagogischen Tun, für eine historische Betrachtungsweise der päda- gogischen Tatgachen, d. b. der Tatgachen und Theorien des Erziehungs- wegens vergangener Zeiten. Mit Meumanns Namen wird in der (eschichte der Pädagogik für alle Zeiten das Verdienst verknüpft bleiben, daß er die Reiie der Zeit für Seine, die pSychologische Betrachtungsweise der Erziehung erkannt und alle Arbeit, allen Kinfluß aufgeboten hat, ihr zu wisgenschaftlicher Klar- heit zu verhelfen. Vieles Einzelne von Seinen Ansichten und Lehr- Meinungen, namentlich aus der letzten Zeit, mag Sich als nur pergönlich, als nicht endgültig haltbar erweigen, Seine Idee der pädagogischen Psycho- logie igt unsgterblich, und gie reiht ihn ein in die Folge der großen Theore- tiker des Erziehungswegens. Er hat keinen neuen Weg mehr beschreiten brauchen, und er hätte, wie die Arbeiten der letzten Jahre beweisen, Keinen mehr begehritten, weil er Seiner Natur nach gelbst zu den großen, gelehrten Analytikern des pädagogischen Tuns gehört hat, zu den Männern wie Herbart, Waitz, Willmann, nicht zu den g8Schöpferischen pädagogischen Genien, wie Rousgeau, Pegtalozzi, Fichte. Viele Gebiete des pädago- giSchen Lebens, wie die feinsten Züge der PerSönlichkeitsbildung, der Per- Sönlichkeitsideale und der Wertschöpfung erschließen gich nur der tätigen Liebe des inspirierten Erziehers, nicht dem zergliedernden Verstande des einen erreichten Effekt nachprüfenden Forschers. Für ungere Zeit aber war der nüchterne WisgensSchaftler notwendig, damit pädagogische Schwarm- geiSterei an ihm ebenso ihr Maß finde wie die beruhigte Zuvergicht, daß durch die Tradition Schon alle Aufgaben gelöst geien. Ernst Meumann und die Organisationen zur Pflege der wisSenschaſtlichen Pädagogik. Von Max Brahn. Die Pädagogik, Soweit sie der Erforschung der tatgächlichen Ver- hältnisse von Schule und Kind dient, bedarf der Organigabion im höchsten Maße. Es ist heute gar nicht mehr möglich, daß der Kinzelne zugleich die Grundlagen für ein großes SyStem Schaffe und das System gelbst ausgarbeite. Tausgend Hände müsgen gich regen und tausgend Köüpſe arbeiten, ehe einiger- maßen das Material für ein wirklich wisgenschaftliches SyStem herbei- gegcChaſfft iSt. Da reichen die einfachen Vereinigungen nicht mehr aus, wie Sie vor- bildlicherweige von den Herbartianern vor Jahrzehnten gegchaſfen wurden: Verbindungen ſorschender Pädagogen, die Sich über bestimmte Punkte in Vergammlungen und Jahrbüchern augeinandergetzen und 80 dankenswerte gemeinsame Arbeit leisten. Auch heute haben Solche Vereini- 15*