S0 | Literaturbericht laing bezeugi der Verfasser eine nicht gewöhnliche schriftstellerische Gabe -- wenn gleichwohl der bekannte ästhetisierende Ton der Jungmädchenbücher zuweilen vorklingt --- und eine feine Lrzieherweisheit und Erziebergesinnung. Mag auch dem, der Sgich wisgenschaftlich um die Pädagogik bemüht, die novellistische Behandlung der pädagogischen Fragen wenig genug ge- fallen, 80 haben doch Bücher golcher Art ihre Berechtigung, weil das erziehliche Tun, das sich 80 Schwer auf Formeln und Vorschriften bringen lassen will, Solehe Darstellung in gewissen Gebieten verträgt und weil viele Frauen, denen es um ihre „Mutterbildung“ ernst ist, darnach verlangen. -- Für die Augeinandergetzung über Anschauungen im einzelnen, die wir mit Faß- binder nicht teilen, ist hier nicht der Ort. LeiDzig, Otto Scheibner, Der vorbeugende Kinderschutz in Stadt und Land. Bericht über die Kinderschutz- tagung des Deutschen Kinderschutzverbandes am 21. und 22. Juni 1918 in Magdeburg. Berlin 1918. Heymanns Verlag. 116 S. 4 M. Große Tagungen, wie sie für die Geschichie pädagogischer Richtungen, Gebiete und Gedanken in den leizten Jahrzehnten kennzeichnend geworden sind, bringen Sich um ein gut Teil ihrer Wirkung, wenn sie nicht ausführliche Verhandlungsberichte in der Art des vorliegenden der Öffentlichkeit darreichen. Das gilt insbesondere für die Versammlungen, die inmitten der Kriegs- zeit nicht die Beteiligung erfahren Konnten, deren sie in günstigerer Zeit Sicher gewesen wären. Die Gegenstände, über die in Magdeburg verhandelt wurde und für die der Bericht neben den Vorträgen auch die teilweise ausgebreiteten Aussprachen voriegt, waren: Die Siellung des Kinder- Schuizes innerhalb der Jugendfürsorge (Polligkeit); Kinderschutz in städtischen und in ländlichen Bezirken (Bahnson, Kißling); die Kreisfürsorgerin im Dienste des Kinderschulzes (Nollau); Mög- lichkeiten vorbeugenden Kinderschutzes (Rupprecht); Kinderschutz und Schulpflegschaft (Achilles, Haselhuhn). -- Die neue Zeit wird die Frage des Kinderschutzes mit mehr Eifer noch, als es bislang geschah, durchdenken müssen und manchen Forderungen des Gebietes Schnellere Er- Wllung bringen, als man noeh vor kurzem zu hoffen wagte. Der Versamimlungsbericht Ger Magdeburger Tagung mit geiner Fülle der hingestellten Tatsachen und vorgebrachten YVorschläge ist für die Weilterentwicklung der wichtigen Sache ein Quellenwerk, Sch, Dr. Herbert Ranscheweyh, Die Entwicklung des Deutschen Jugendgerichts, 2, Heft d, Schritt, d. Ausschusses f. Jugendgerichte u. Jugendgerichtshilfen. Weimar 1918. 1908. 3M. Nach einer Kinleitung über Strafrechtsreform überschaut der Verfasser in geschichtlicher Darlegung den Rechtezustand vor Errichtung der Jugendgerichte, ferner die amerikanische Be- wegung und die Forderungen in Deutschland. Er behandelt dann die Verwaltungsvorschrifien in den verschiedenen Bundesstaaten, erörtert die reichsgegelzlichen Reformarbeiten und die weenselnden Formen der Jugendgerichtsbilfen. Ein ausführliches Schriftenverzeichnis schließt dies aus besfter Kennerschaft des Gebietes verfaßte Buch ab. Pr. Friedrich PauJsen, Geschichte des gelehrten Unterrichts auf den deutschen Schulen und Univergitäten yom Ausgang des Mittelalters bis zur Gegenwart, 3. erweiterte Aufl, Herausgegeben und in einem Anhang fortgesetzt von Dr. Rud. Lehmann. 1. Bd. Leipzig 1919. Veit & Co. 636 S. 24,75 N. Wir erfüllen die Verpflichtung, die neue Auflage von Paulsehs Hauptwerk anzuzeigen, mit den Hinweisen, daß in Rud. Lehmann ein pädagogischer Forscher, der dem Verſfagser persönlich nahestand, das bedeulsame Werk betreut und weiterführt, daß Paulsen selbst die Förderung des Buches durch zahlreiche Einlagen und Einträge in Sein Handexemplar eifrig beirieben hatte und daß es der Herausgeber aus wohlbegründeten Erwägungen für richtig fand, Sich aller Eingriffe in Sache und Darstellung zu enthalten. Paulsens „Geschichte des gelehrien Unterrichtes* hat -=- S0 die eigenen Worte -- „Stürme des Unwillens“ erregt. Nun ist an Einzelnem in der Tat nicht weniges unhaltbar geworden; in der leitenden Grundanschauung aber hat Paulsen die Genugtuung erleben dürfen, daß die geschichtliche Bewegung -- besonders durch die große Schulreform vom Jahre 1901 -- den Gang genommen hat, den er voraussah. Rudolf Lehmann aber blieb die Aufgabe, in dem noch nicht ausgegebenen II. Bd. nach Paulsens eigener Absicht die jüngsie Entwicklung jenseits der Schwelle des XX. Jahrhunderts darzustellen. Wir werden über diesen Abschnitt, wenn er vorliegt, ausführlicher berichten müsgen, weil er als wichtiges Stück ans dem besonderen Arbeitsgebiete dieser Zeitschrift auch die Fortschritte in der „Aka- demisierung“ der Pädagogik zu behandeln hat. Leipzig. Rich. Tränkmann, Druck von J. B,. Hirgehfeld (A. Pries) in Leipzig.