Bodenreform Ausgabe B Frei Land Deutſ<he Volksſtimme Gründer: Adolf Damaſchke Bodenreform Verlag Damaſchke KG, 50. Jahrgang Nr. i0 Kreuzband 2 RM. Berlin NW 87, Leſſingſtraße 11 / Fernſprecher 39 14 51 Bezug dur< jedes Poſtamt vierteljährli< 1,80 RM, bei direkter Sendung unter / Poſtſchekkonto Berlin Nr. 79025 Bodenreform Verlag Damaſchke KG. 12. März 1939 Boſt-Bervſandorkt: Potgsdam Steuererieichterungen für Kinder! Da8 ſozialpolitiſM wichtigſte Stü des Änd2= rungsgeſeßes zur Einkommenſteuer iſt die Ünde= rung der Steuererleichterungen für Chepaare. Die Beſteuerung der kinderloſen Chepaare nach dem 5. Ehejahre und vor dem 65. LebenSjahre2 wird weſentli< erhöht, damit die Erleichterunge2n für die Aufzucht von Kindern erweitert werden können. Warum wird nicht die gleihe Rüſicht auh in der Grundbeſteuerung geübt? CS iſt doh bekannt, daß die Mietkaſerne der Tod des Bolkes iſt und daß in ECigenheimen faſt doppelt joviele Kinder geboren werden als in Sto>werks8häuſern. Troßdem bedeutet die neue Reichsgrundſteuer eine ſ<were Beeinträchtigung der Heimſtätten. Die Belaſtung hat ſim auf das Doppelte und Dreifache erhöht; ſie iſt ſehr viel höher als die Grundſteuer auf eine entſprechende Mietwohnung. Alle Mieter ſind kraft Geſetzes gegen jede Steige- rung der Wohnkoſten dur<g die Grundſteuer ge= ſhHüßt; die Heimſtätter aber ſollen Erhöhungen tragen, die ſtellenweiſe die Wohnung im Heime um die Hälfte teurer machen als die WMiet= wohnung. Die im Grundſteuergeſet vorgeſehene einzige Steuerfreiheit iſt die für „Urbeiterwohnſtätten“. Dieſer Begriff iſt ſo eng beſtimmt, daß er keine für eine kinderreiche Familie ausSreichende Heim- ſtätte umfaßt. WaS3S nütßen alle Predigten von der Luſt und der Pfliht zum Kinde, wenn die Behauſung ſo erſchwert wird? Was nüßt die Kinderermäßigung in der Cinfommenſteuer, wenn die Heimſtätte in der Grundſteuer jo belaſtet wird, daß wahrſcheinlich tauſende von Familien das 'liebgewordene, mit vielen Opfern errichtete Heim aufgeben müſſen? Was nütßen all2? Be= mühungen der Reichsregierung, das Eigenheim zur Wohnung für MWillionen von Familien zu maden, wenn die Steuerpolitik entgegenſteht? Maß und Wirkung der Mehrbelaſtung durc< die Grundſteuer ſind im „Jahrbuch der Boden= reform“, 1939, Heft 1, eingehend dargeſtellt. Hier muß eine Änderung erfolgen. Und nach der erfreulichen Geſtaltung der Einkommenſteuz2r darf erwartet werden, daß au<g die Grundſteuer in die gleiſe Richtung einer Förderung d2s5 Kinderreihtum3 gebracht wird. P. "“/Enteignungswert und Steuerwert Ze häufiger es vorkommt, daß Grundſtücke ent= eignet werden, um ſo ſtärker drängt die Frage, wie die angemeſſene Entſchädigung bei der Ent=- eignung zu bemeſſen ſei, nah ihrer Löſung. Da= bei erheben jich jezt immer mehr Stimmen für die alte bodenreformeriſ<e Forderung, daß der Enteignungs5wert gleich dem Steuerwert ſein ſoll. Al3 erſtrebenSwertes Ziel erſcheint dieſe Gleich-= ſezung in den jüngſten Geſezen und Erlaſſen, in Denen von Enteignung die Rede iſt: im Gejeß über die Neugeſtaltung deutſ<er Städte vom 4. Oktober 1937, im Erlaß des ReichSarbeitS-= miniſter8 vom 31. Oktober 1936 und im Rund=- erlaß des Reihskommiſſar3 für die PreiSbildung vom 6. Oktober 1937. Da aber als Steuerwert noh nicht für alle Grundſtüe der gemein? Wert gilt, fehlt auf der einen Seite der Gleichung eine allgemein brau<hbare Größe, und deSshalb konnte au< biSher nicht die Gleichheit von CEnteignungs- wert und Steuerwert vorgej<rieben, ſondern nur eine Annäherung des einen an den andern ange= ſtrebt werden. Neuerdings nimmt ſi? auch die wi Nenjcaſt- lihe Forſhung unſerer Forderung an. In der Materialienſammlung der Forſ<hungsſjtelle ſür Siedlung3=- und Wohnungsweſen an der Univer= ſität Münſter, herausSgegeben von Proſ. Dr. Dr. Berkenkopf, iſt kürzlich als Band 30 eine Arbeit „Enteignungösöwert und Steuer=- wert“ von Aſſeſſor Dr. Ioje?f Shürk er- ſhienen (Berlag von Guſtav Fiſcher in Jena), die als ein wertvoller Beitrag zur Klärung der Frage zu begrüßen iſt. Oft begegnet man dem Einwand, es geb2 im Wirtſchaftsleben keine abſoluten, allgemeingülti- gen Werte; ein und dasſelbe wirtſchaftlihe Gut habe zum Beiſpiel im Kleinhandel einen andern Wert als im Großhandel; der Weri richte jich alfo und ändere ſich je nah Der Gliedſtellung des Wirtſchaft8guts im wirtſ<Haftlihen Zujams= menhang. Das iſt an ſich richtig, berührt aber die Frage „Steuerwert und Enteignungswert“ überhaupt nicht, denn erſtens iſt ein Grund= ſtüF feine Handel35ware, bei der man einen Groß>= handelSpreis und einen KleinhandelS5preis unter= ſcheiden könnte, und zweitens ſteht das Grund= ſtü, wie Scürk richtig ausführt, ſoweit es jich um Beſteuerung, Enteignung und Beleihung handelt, immer in ein und derſelben Gliedſtel= lung, nämliHh in der Beziehung des einzelnen zur Gemeinſchaft. Darum kann das Grundſtüs Der Brieffrä äger kommt zwischen dem 15. und 24. März zur Ernenerung der Besiellung . unserer „Bodenreform“. Sorgt, daß die Bestellung rc htzeitig erfolgt, auch wenn ihr nicht anwesend Seid: ! Wir bitfen unsere Freunde, die ic „Bodenreform“ SOfort wieder -- am 73 „ZB erden kann - zu bestellen!