Bodenrefor Ausgabe 83 Frei Lans Deutſ<e2e Volksſtimme Gründer: Adolf Damaſchke Bodenreform Verlag Damaſchke KG, Berlin NW 87, Leſſingſtraße 11 / Fernſpreezer 39 14 51 ! 50. Jahrgang Nr. 39 Kreuzband 2 NM. Bezug dure jedes Poſtamt vierteljährliä& 1,80 RM, dei direkter Sendung unter /! BoſtſGeckkonts Berlin Nr. 79025 Bodenuceſorm Verlag Damaſchke KG. 24. Dezember 1939 Boſt-Berſandort: PBoksdam Die nächsfe Nummer der „Bodenreform“ ersheintf am 7. Januar Auf der Mittelevene Unter dem Titel „Die Schrumpfung des Pri= vaten“ veröffentliht IJoſek Winſ<uh in der „DAZ“ vom Totenſonntag einen intereſſanten Aufſatz, in dem er. darlegt, wie allmählic< auf allen Wirtſc<haft8gebieten das Private zurüctritt. Anknüpfend an das früher verbreitete „Privat-= fontor“ zeigt er, welhe Fülle von öffentlichen Einflüſſen dort hineinwirken, und kommt zu dem / ErgebniS: „Der Inſaſſe des Privatkontors iſt niht mehr „Herr im eigenen Hauſe“, ſondern Führer des Betriebes. Er iſt weitgehend zum Funktionär einer Gemeinſchaft geworden. Sie beläßt ihn in feinen Beſitzrechten, aber begrenzt ſie und belegt ſie mit Verpflichtungen, die der früheren Servitut gleihfommen. In wirtſchaftliher und jozialer Beziehung bildet ſi eine neue Welt von Be= lehnungen und LehnSherrſ<Hhaften heraus. Be=- trieb und Amt, Unternehmer und UAmtsträger nähern ſich einander. Auf einer großen Spirale fehren wir wieder zu einer gebundenen und ver= pflihteten Wirtſchaft zurüc.“ „Aber“, fragt er dann, „macht e5 nicht einen entſheidvenden Unterſhied aus, ob etwas Staat5- beſiß oder Privatbeſitz iſt? Nicht mehr in jedem Falle. Früher ſpielte der „Privatbeſik an den Produktion3mitteln“ in der wirtſchaftlihen und jozialen Diskuſſion eine große Rolle. Seine Be= Deutung iſt heute in den totalitären Ländern ziemlig belanglo8.“ Worauf es ankommt, iſt die Berfügungsmaht. Da ſtellt Winſ<uh feit: „Die wirtſ<haftlih und ſozial wichtige BWBer= fügung über den Betrieb iſt nicht mehr privat, wie auh der Beſitz an den ProduktionSmitteln keine private Macht mehr vorſtellt, die wirtſ<Haft- lihe und ſoziale Abhängigkeiten diktieren kann. Wir haben innerhalb der Revolution des Privat= eigentum8 eine Löſung geſunden, die Beſitz weit- gehend von MacdtausSübung getrennt hat, die dem Staat als Sachwalter der Gemeinſchaft alle notwendigen Eingriſſe in das Privateigentum . vorbehält, aber die wohltätigen wirtſchaftlichen und kulturellen Cigenſhaften des BPrivateigen= tums nah wie vor zur Geltung kommen läßt. Wir glauben, daß unſere auf der Mittelebene liegende Löſung auf dem Wege über das ErſolgS35- ſtreben, die Arbeit8freude und die Beſitßverant=- wortuno viel mehr Kräfte für die Gemeinſ<aft entbindet und einſetzt, als eine Sozialiſierung und Verbeamtung der Wirtſchaft, die noiwendig zu einer „Müdigkeit an der Gemeinſ<haft“ führen muß.“ Da3 iſt genau da232, was die deutſchen Boden-=- reformer ſtet3 gewollt und wa35 beſonder3 D a = maſ<ke bei ſeiner unbedingten Ablehnung des Staatfeigenlums am. geſamten Boden betonte: „5 Eigentum, Arbeit und Nutzen am Boden joll den Einzelnen bleiben. Aber die Art und das Maß der Nutzung wird von den Bedürſniſſen der Gemeinſ<Haft beſtimmt und notfalls durch Geſeßze vorgeſchrieben. Mißbrauec€< des Boden joll verhindert, jein Gebrau<4 als Werk- und Wohnſtätte joll tatkräftig gefördert werden. P. YXeändlicher bodenwucher in der Schweiz In der Schweiz kennt man no< kein Erbhof= geſeß und au<h kein Geſetz, das ſiH mii unjerer Grundſtü>s5verkehrSbefkanntmahung vergleichen ließe, dort blüht und gedeiht noh der freie, un= bej;hränkte Bodenhandel, nicht nur in den Städten, ſondern au<h auf dem Dorfe. Bon Bodenreform ſHeint man in der Schweiz noh nichts gehört zu haben. WaZ3 bei uns in Deutjſhland der Ber= gangenheit angehört, die freie, |Hrankenloje Ber- käufli<keit und Berſ<uldbarkfeit des landwirt= ſHaftlichen BodenZ3, iſt dort noFg lebendige Gegen-= wart. Man fängt aber doH ſchon an, die ſichäd-= lichen Wirkungen dieſer trügeriſchen Freihzit zu fühlen und -- ohne das Wort zu gebrauchen -- nah Bodenreſorm zu rufen. DieS zeigt folgender Wekruf eines ZürFHer Bauern in der Zeitung „Front“, Zürich, Ur. 252 vom 16. 11. 1939, den wir hier mit ſeinen ſ<weizeriſ<Men AusSdrücen unverändert wiedergeben: „Nirgend8 in Europa iſt das Kulturland durc<-= tHnittlich jo teuer wie in der Schweiz, und nir= gends5 iſt die Schuldenlaſt naß Flächeninhalt jo groß wie bei uns. Troßzdem |<Haut man im Sd4hweizerland faſt untätig zu, wie die Berteue= rung des Kulturlandes luſtig weitergeht. Freilich darf nicht vergeſjen werden, daß unſere teuren Bauten mitſchuldig ſind an der Verteuerung, Dda= neben aber am meiſten die Landſpekulation. ES gibt ſogar fleißige Bauern, die ihr ganzes Leben mit einem Auge auf fremde38 Land ſ<auen, im Beſtreben, bei der nächſten Gelegenheit das eigene Land gegen das fremde zu vertauſchen. Sol<hen Leuten fehlt ver Glaube und das Ber= trauen zum anvertrauten Boden. Der1 wahren Bauer iſt es Herzens8ſache und LebenSaufgadbe, ſein Land und alle8, was damit zuſammenhängt, fortlaufend zu verbeſſern und den Erfolg zu ſihern. Wo die Dorfbeſiedelung vorherrſchend iſt, da madht die Kleinheit der Landſtü>ke ſehr oſt eine rationelle Bewirtſhaft des an ſich frucht= baren Bodens unmögli<. Da38 Beſtreben der Bauern mit parzelliertem Beſitz, die Landſtüce2 zu vergrößern und die Grenzen zu vermindern, iſt lobenSwert; der Staat ſollte dafür ſorgen, daß e3 niemandem gelingen kann, vom werktätigen Bauern hieraus Brofit zu ziehen. Wo zu einem Bauerngewerbe 530 Stü>ke Land gehören, da gibt es oft au< 50 Bewerber, welche eines der Stücke zur Arrondierung eigener kleiner Parzellen brau= u Wenn nun dieſe Landſtü>e auf 306