Zeit zeitens der „Vereinigten deutschen Prüfungsausschüsgse für Jugendschriften“ erfahren hat, Sehen wir uns zu folgender Erklärung genötigt : Die Beurteilung unsrer Verlagswerke durch wiSsSengchaft- lich gebildete Leute, namentlich wenn gie auch literarische Befähigung und reiche Erfahrungen auf den von ihnen be- arbeiteten Gebieten begitzen, iSt uns Sehr wertvoll und will- kommen. Dagegen verwahren wir uns ausdrücklich gegen das einzeitige und viel zu radikale Vorgehen der erwähnten Prüfungs- ausSchüsse, bei denen durchaus nicht alle Vorbedingungen erfüllt zu Sein Scheinen, die mit Fug und Recht an ernste Kritiker gestellt werden mügsen. Von einer Preßfehde gegen die „Vereinigten Prüfungs- ausSchügse“ Sehen wir ab, da gie einesteils Schon von 8ach- kundigster Seite mit offenbarem Erfolg geführt wird (Siehe Börzenblatt Nr. 105 yom 8. Mai d. J.), andernteils uns gewiß Sofort -- und zwar mit nicht geringem Anschein von Berechti- gung „gesSchäftliche Befangenheit“ vorgeworfen werden würde. Nur gegen eine der von den Prüfungsausschüssen gestellten Forderungen erheben wir mit allem Nachdruck und aller Entschiedenheit Einspruch: nämlich gegen die Verbannung jeder -- auch vaterländischen und religiögen -- Tendenz aus Jugendschriften. Auch wenn ein tendenzloSges Buch überhaupt möglich wäre, würden wir doch nie den verlangten Weg einschlagen. Viel- mehr wird und muß es für uns als Mitglieder desdeutschen Buchhandels nach wie vor Ehrengache sein, daß durch die bei uns erscheinenden Bücher in jeder Beziehung Liebe und Treue für Thron und Altar erhalten und gefördert wird, mmm Werk wie bisher in erster Linieoaufseine vaterländische Gesinnung hin zu prüfen. Wir gind Sicher, daß dieses unger Bestrehen von allen sStaatStreuen Deutschen, auch von dem maßvollen Teil der deutschen Volksschullehrer nur gebilligt wird. 16. Juli 1903. Ferdinand Hirt & Sohn, Julius Leipzig, büttel. Schmidt & Spring, Laipzig. Sam. Lucas, Elbarfs'd. Eduard Tre wendt, Berlin, Schreiter'sche Verlagsbuch- Zwißler Wolfen- J. M. Gebhardts Verlag, handlung, Berlin. Leipzig. J. F. Lehmann's Verlag Stephan Geibel, Altenburg, München. Max Woywod, Bregslau. Schriftenverttiiebganstalt, F. C. Loewe's Verlag Stutt- Berlin. gart. Buchhandlung des Er- ziehungsvereins, Elber- feld. Gludius & Gaus, Berlin. F. A. Perthes A.-G., Gotha. Carl Flemming Verlag, Glogau. Absl & Müller. Leipzig. Herm. J. Meidinger, Berlin. KE. Bertelsmann, Gütersloh. Was Soll man zu dieger „Erklärung“ 8agen ? Was Soll man dazu 5agen, daß Verleger, deren Bücher wir aus streng päda- gogischen und literariSchen und künsztlerisSchen Gründen ab- gelehnt haben, nichts BessSeres zu Schreiben wissSen als unsere Gesinnung zu verdächtigen und unsgers kritische Befähigung anzuzweifeln ? Das eing reizt ja unwiderstehlich zum Lachen. daß gewisse der mitunterzeichneten Firmen „die Beurteilung Ihrer Verlagswerke durch wisSenschaftlich gebildete Leute mit literarischer Befähigung“ wünschen, während in ihrem Verlage » Werke“ Sich finden, denen gegenüber die Forderung eines wiSsSenschaftlichen und literariSchen und künstlerischen Maß- Stabes wie Hohn klingt. -- Und dann beachte man das brillante Jongleurstückchen, für „Tendenz“ Später einfach „Gesinnung“ 6inzugetzen, 30 daß der Leger glauben muß, wir verwürfen ein Buch, wenn es vaterländische „Gesinnung“ enthält, während wir -- was wir Seit Jahren immer wieder erklärt haben -- nur dann ein Werk für die Jugend verwerfen, wenn es in aufdring- licher, agitatorischer Weise irgend eine Tendenz verfolgt. Die Herren könnten Sehr wohl wissen -- ein Blick in unger Ver- zeichnis kann es Sie lehren -- daß wir eine große Zahl von Werken mit der edelsten patriotischen und religiöSgen „Ge- ainnung“ empfehlen, Aber das alles brauchen wir den Lesern der J.-W. ja nicht zu Sagen, Nicht deswegen haben wir die „Erklärung“ hier ver- öffentlicht. Die Veröffentlichung geschieht aus Notwehr, Sofort nachdem uns die „Erklärung“ yon befreundeter Seite zugeschickt 35 und wir Sind feat entschlossen, jedes uns zum Verlag eingereichte worden war, haben wir auf dieselbe entgegnet, Aber das „Börgenblatt“ hat bis jetzt weder die Entgegnung gabracht, noch überhaupt auf unger Schreiben geantwortet. Wir können die Redaktion preßgesetzlich nicht zwingen, eine Erwiderung aufzunehmen, da das Blatt unter AusSchluß der Öffentlichkeit erScheint. Es kann in Seinen Spalten verleumdet und ver- dächtigt werden, und der Verdächtigte ist demgegenüber wehr- los. Dabei hat die Redaktion des „Börsenblattes“ vor Jahren ungerm damaligen Vorsitzenden gegenüber erklärt, daß es aller- dings journalistiSche Anstandspflicht 8e1. dem im Solcher Weise Angegriffenen das Wort zu geben. Damals hat denn auch das „Börgenblatt“ eine eingehende Erwiderung auf einen Angriff gebracht. -- In letzter Zeit ist es bereits das zweite Mal. daß das „Börgenblatt“ eine Entgegnung von uns nicht bringt. In No. 105 vom 8. Mai 4a. 6 wurden ähnliches Verdächtigungen ausgesprochen wie in der obigen „Erklärung“. Eme eingesandte „Erwiderung“ ist bisher nicht aufgenommen worden. Das hier zu konstatieren, ist der Zweck diegser Zeilen. Zam Schluß bemerken wir noch, daß in No. 17/2 des „Börzenblattes“ auf die obige Erklärung eine Entgegnung von W. Franke, in Firma Fischer & Franke-Berhn, Sich findet, deren Abdruck der beschränkte Raum der J.-W. leider verbietet, Herm. L. Köster. emmnmreritähe Der deutsche Buchhandel und die WisSsenschaft. Unter diesem Titel hat im Auftrage des Akadem iSchen Schutzvyereins Dr. Karl Bücher, Professor der Nationalökono- mie an der Univergität Leipzig, eine äußerat interesSants und instruktive Denkschrift erscheinen lassen (251 S.., Pr. 1.60 Al, G. B. Teubner), die jedem, der mit dem Buchhandel als Produ- zent oder Konsument zu tun hat. von Nutzen Sein kann, Die Lehrerschaft, die als der bildungsdurstige Stand und als Ver- mittler der Schülerkäufe vielleicht die intimste Berührung mit dem Buchhaadel hat, dürfte alie LrSache baben, die hier an- geregten Fragen zu durchdenken und. falls das Yerhalten des Buchhandels es nötig macht, im Interesse der Kultur zu Ende zu denken Wer wie die Prüfungs- ausschüsge bei dem uneigennützigsten Streben von gewiSSen Stellen des Buchhandels statt Förderung und Unterstützung aur Hohn und Verdächtigung erfahren hat, empfinJet das Buch, obwohl es hauptsächlich nur auf den Verlag und Vertrieb wiSSen - Schaftlicher Werke RäcksSicht nimmt, als eins Befreiunzstat. H. W. Mitteilungen an die vereinigten Prüfungs-AusSschüsse. 1. BresSlau: Darchn GesundheitzrückSichten gezwungen. hat Herr Gigling leider den Vorzitz niederlegen müssen: er hat den Breglauer Ausschuß 6! , Jahre geleitet, zum Teil unter Sehr Schwierigen Verhältnissen. -- Sein Nachfolger ist Herr Rektor Anders (NI, Berlinerstr. 39). Lüneburg: Infolge der Ernennung de3 Harrn B reling zum Rektor in Celle hat Herr Heinmüller (Gartenstr.) den Vor- Sitz übernommen. . Oldenburg: Für Herrn Orth übernimmt Herr Liense- mann (Alexanderstr. 39) die Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten des AusSchusses. . ESSen: Im Auftrage des Essener Lohrerverbandes hat Sich ein neuer AusSchuß gebildet; Vorgitzender ist Herr Lehrer R. Kornmmann (Kastanienallees 33). Wir heißen die neuen Mitglieder berzlich willkommen. . Hamburg: Es wird die AuSsschüsse interesSieren zu er- fahren, daß die Hamburger Oberschulbehörde eine amtliche Kommission für Schülerbibliotheken eingesetzt hat, bestehend aus Lehrern und Lehrerinnen unter dem YVorsitz eines Schul- inspektors, und daß der Unterzeichnete dieser KommissSion angehört. Auch bisher hat die Übersgchulbehörde -- von wenigen Ausnahmen abgesehen -- die Bücher für die Schüler- bibliotheken nach ungerm Verzeichnis geliefert. -- Auch die Tatzgache ist vielleicht von Interesse, daß dem AusSschuß vom Präses der Oberschulbehörde Seit Jahren ein Raum für die Bibliothek gowie für die Sitzungen des Ausschusses zur Ver- fügung gestellt worden 1ist. Hamburg, d. 3. September 1903. Herm. L. Kögter .