66 Verhandlungen des Berliner Lokalvereins auf den Unglauben und Materialismus der Zeit wie auf die Zuchtlosig keit eines großen Teils unserer heutigen Kinder wohl kaum eines Beweises. Man blicke nur einmal offenen Auges um sich. Wie viel Haß und Feindschaft gegen Christum und seine Lehre, wie gegen diejenigen, welche sich offen zu dem Evangelium von dem gekreuzigten und auferstandenen Gottes- und Menschensohne bekennen, tritt uns nicht überall entgegen; angefangen von den Kreisen der sogenannten Gebildeten, die den Kultus der von ihnen über Gottes heilige Offenbarung gestellten menschlichen Vernunft nur treiben, um den Stachel in ihren Herzen, welcher wieder und immer wieder mahnt, „und ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt", zu übertäuben, bis herab zu der breiten Masse des Proletariats, welche, die nicht oder die nur halb verstandenen Lehren einer wahnwitzigen, verblendeten Philosophie nachleiernd, den frevlen Ruf erhebt, „es giebt keinen Gott!" Und wie viel Zuchtlosigkeit und Auflehnung gegen alle göttliche und menschliche Ordnung ringsumher! Wie oft vernimmt nicht der Schulmann die Klage aus Elternmunde, daß die Jugend nicht mehr zu bändigen und zu ziehen sei. Wahrlich, da thue eine Wirksamkeit, wie sie unser Verein sich zum Ziele gesetzt habe, dringend not, und deshalb gelte es, nicht zu ermüden und zu verzagen, sondern auch im neuen Jahre unter Beten und Seufzen redlich weiter zu streben und zu arbeiten; der Segen Gottes des HErrn werde alsdann nicht fehlen. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen, unter denen namentlich die Anzeige Aufsehen erregte, daß ein bisheriges Mitglied, dem es jedenfalls vor dem vermessenen Unterfangen, die Berliner Schulverhält nisse einer Besprechung unterziehen zu wollen, graue, seinen Austritt aus dem Verein angemeldet habe, nahm Lehrer Siel aff das Wort zu seinem einleitenden, allgemeinen Referat. Der heutige Abend soll uns, so führte der Redner aus, in die Schulverhältniffe unserer Residenz einführen. Da tritt uns denn nun zunächst die Frage entgegen, ob wir überhaupt ein Recht haben, die Schulverhältnisse unserer Stadt einer eingehenderen Erörterung zu unter ziehen. Die Berliner Schulverhältniffe sind bereits wiederholt in Ver sammlungen der verschiedensten Art, in der Presse und im Parlament zum Gegenstände der Besprechungen gemacht worden; ja es ist sogar vorgekommen, daß dieselben in gewissem Sinne Veranlassung zu Aussehen erregenden Pro zessen geboten haben. Zur Illustration des gesagten erinnert Redner an die Angriffe, welche Redakteur Dietz seiner Zeit auf einer Augustkonferenz gegen die Berliner Gemeindeschulen gerichtet hatte, und die den bekannten Prozeß