68 Verhandlungen des Berliner Lokalvereins bearbeitet, den Pröbsten von St. Nikolai, St. Petri und St. Hedwig, den Superintendenten und einer Anzahl Bürger gebildet wird, und die ihrerseits wiederum dem Königlichen Provinzial-Schulkollegium untersteht, von welcher letzteren Behörde übrigens die in der Stadt befindlichen Königlichen Schul - Anstalten in gerader Linie ressortieren. In diesen Verhältnissen tritt jedoch dadurch eine Art Verschiebung ein, daß das gesamte höhere Schulwesen in allen seinen internen Angelegenheiten vom Königlichen Provinzial-Schulkollegium direkt geleitet wird, so daß selbst bei den städtischen höheren Lehranstalten der betreffende Stadtschulrat nur die Externa, d. h. die äußere Verwaltung zu besorgen hat. Über die niederen Schulen der Stadt, also über die sogenannten Gemeinde schulen scheint sich das Königliche Provinzial-Schulkollegium z. Z. leider jeder Kontrolle begeben zu haben. Die Seele dieser Elementarschulen bildet der mit der Leitung derselben betraute jederzeitige Stadtschulrat, dem als nächste Organe acht Schulinspektoren unterstellt sind. Die letzteren inspizieren und revidieren die Schulen, nehmen die Jahres prüfungen ab, bilden die Instanz zwischen Lehrern und Rektoren einer seits und der städtischen Schuldeputation anderseits und redigieren, in Gemeinschaft mit den Rektoren, die Jahresberichte über die einzelnen ihrer Inspektion unterstellten Schulanstalten. Der Charakter des gesamten Berliner städtischen Schul wesens, des höheren sowohl wie des niederen, ist äs facto ein konfessionsloser. Ob dabei die eine oder die andere Schule, wenn auch nicht nominell, so doch in Wirklichkeit bereits vollständig religionslos ist, hängt von der Persönlichkeit des Leiters der betreffenden Anstalt wie von den an derselben wirkenden Religionslehrern ab. Wunder bare Dinge kommen unter diesen Umständen namentlich an solchen Schulen vor, deren Leiter ausgesprochene Protestantenvereinler sind. Da passiert es denn z. B., daß ein Lehrer, wie dies wirklich in den letzten Tagen geschehen ist, den Kindern sagt, für uns könne der Herr Jesus doch nicht gestorben sein, denn wir hätten ja zu seiner Zeit noch gar nicht gelebt. (!!!) Muß sich da aber nicht ein jeder mit Recht fragen: was kann doch so ein leichtsinniges Zweifelswort für einen Schaden an den jungen Seelen anrichten?! Und wie mag wohl der Religionsunter richt beschaffen sein, welchen die Obersekunda eines hiesigen Gymnasiums erhält, und über den sich einer der Schüler kürzlich wie folgt äußerte: „In unserer Klasse üben wir nur Kritik, und da treiben wir unseren Herrn Religionslehrer oft recht hübsch in die Enge." Gewiß sollen die