Beilage zum Evangelischen Schulblatt. Deutsche Schulzeitung. 1. Juni 1870. Corrtspondenzen. Hannover. Neue Feststellung der Lehrergehälter. Vor zwei Jah ren berichtete ich Ihnen über den schlechten Erfolg einer Petition der Lehrer der Stadt Hannover um Gehaltserhöhung und über die Behandlung, die den Petenten von Seilen ihrer Behörde zu Theil geworden war. Ich erlaube mir, Ihnen jetzt über den Fort gang dieser Angelegenheit Mittheilung zu machen. Die Lehrer kamen gegen Ende des Jahres 1868 mit einer zweiten Petition ein. Diesmal wurden die Bürgervorsteher durch vielfache Besprechungen mit Lehrern von der Nothwendigkeit überzeugt, daß eine Befferstellung geschehen müsse. Bei Gelegenheit der Berathung des Schuletats traten sie deswegen mit dem Antrage hervor, die Gehälter der Volksschullehrer zu erhöhen. Der Herr Stadtdirector erklärte sich völlig überrascht und bewies dadurch, daß es seine Absicht gewesen war, die Petition gar nicht zur Be rathung zu bringen. Der Herr that denn, wie es schien, auch noch sein Möglichstes, die Sache zu vereiteln. Es stand gerade ein Antrag auf Erhöhung des Schulgeldes in den höhem Schulen auf der Tagesordnung, und die Bürgervorsteher motivirten den Antrag auf Erhöhung der Lehrergehalte mit dem Hinweis auf die mögliche und wünschensiverthe Erhöhung des sehr niedrigen Schulgeldes. Der Herr Stadtdirector, der gegen diese Erhöhung war, weil er selbst davon betroffen wurde, verwahrte sich entschieden gegen die Vermischung beider Fragen. Es kam denn auch richtig eine Stimmung gegen die Erhöhung des Schulgeldes zu Stande. Nichts desto weniger bestanden aber die Bür gervorsteher auf der Erhöhung der Lehrergehülter. In der nächsten Sitzung nun, man höre und staune! erklärte der Herr Stadtdirector, er müsse aber entschieden befürwor ten, daß die inzwischen gewählte Commission die Frage der Gehaltserhöhung nur in Rücksicht auf die Lösung der Schulgeldserhöhungsfrage behandele. Es war zu ver wundern, daß sich kein Bürgervorsteher bewogen fand, den Herrn auf diese rasche Wandlung aufmerksam zu machen. Er stellte dann der Commission die Aufgabe, zu überlegen, ob und in wieweit ein Bedürfniß zur Gehaltserhöhung der Volksschullehrer vorliege, und wie die etwa für nöthig gehaltene Erhöhung zu bewerkstelligen sei. Auch möge die Commission zu besierer Prüfung der ersten Fragen sich mit der Lage der Lehrer in anderen Städten sorgfältig bekannt machen. Ein Bürgervorsteher erklärte da rauf, daß er nicht hoffe, daß damit die Angelegenheit auf die lange Bank geschoben werden solle. So war denn die Sache wenigstens bis zur Commissionsbildung gediehen. Es wurde nun Material von allen Seiten herbeigeschafft. Die Lehrerschaft be sorgte daffelbe aus den Städten, in denen die Lehrer verhältnißmäßig günstig stehen, und der Herr Schulsenator ermangelte nicht, daneben Material aus den Städten herbei-