»io Deutsche Schulzeitung. zubringen, in welchen die Lehrer sehr ungünstig stehen z. B. aus den Städten des östlichen Preußens. Das Resultat war, daß sich die Lehrer in Hannover noch zu den bester gestellten rechnen dürften, und die Folgerung lag für die Gegner der Lehrer nahe, Hannover brauche noch nicht zu bessern. Nebenbei will ich noch bemerken, daß mir bei der Ver gleichung, die zu diesem erwünschten Resultate führte, ein wesentliches Moment übersehen zu sein scheint, das nämlich, daß in den altpreußischen Städten, wenn ich recht berichtet bin, neben dem eigentlichen Gehalte Miethsentschädigung gewährt zu werden pflegt, was in Hannover nicht der Fall ist. — Die Bürgervorsteher zogen übrigens obige Folge rung nicht; sie hielten daran fest, daß gebessert werden müsse. Es handelte sich nun also um das Wieweit. Plötzlich trat der Herr Stadtdirec- tor mit einem äußerst detaillirten Plane hervor, der nicht bloß die financielle Besser stellung der Lehrer zu erstreben vorgab, sondern auch organisatorisch umgestaltend in das Volksschulwesen eingreifen wollte. Allgemeines Erstaunen, sowohl über die Geschwin digkeit, mit der der Herr Stadtdirector jetzt vorging, als auch über die weitgreifenden Pläne desselben. Die Lehrer hatten natürlich nichts Eiligeres zu thun, als das Schrift stück einer gründlichen Prüfung zu unterwerfen, Das Resultat war: Scheinbar war eine Aufbesserung der Gehalte erstrebt, in Wirklichkeit eine Verschlechterung! Die Stadckasse sparte ein Erkleckliches! Man denke sich das Staunen und die Erbitterung der Lehrer. Alle Befürchtungen waren übertroffen. Dazu gab der Plan noch ein sehr schlimmes Geschenk mit in den Kauf: eine Aenderung des Princips der Gehaltsregulirung. Bis dahin rückten die Hannoverschen Lehrer nach dem Dienstalter in höhere Gehaltsstufen ein; künftighin sollten die Einzelnen warten, bis es der Behörde gefalle, sie in eine höhere Klasse zu befördern. Noch mehr als die allgemeine Nichtaufbesterung regte diese Heraufbeschwörung eines Princips auf, das seit zehn Jahren in Hannover beseitigt war und dessen Wiedereinführung der Demoralisation der Lehrer Thür und Thor öffnen mußte. Es durfte nichts unversucht gelassen werden, des Herrn Stadtdirectors Plan scheitern zu machen. Man reichte einzelnen Bürgervorstehern ener gische Kritiken, Gutachten, Nachweste rc. ein und hatte denn auch die Freude, daß der Herr Stadtdirector mit seinem Plane vollständig durchfiel. Die Bürgervorsteher machten nun ihrerseits Vorschläge. Einer von ihnen trat zum Entsetzen mancher Herren mit dem reellen Vorschlage auf, die Lehrer mit 300 Thlr. an stellen, und sie dann von 5 zu 5 Jahren mit jedesmal 100 Thlr. Zulage bis 7OO Thlr. steigen zu lassen. Ein zweiter Vorschlag beantragte 280 Thlr. Anfangsgehalt und alle 5 Jahr 80 Thlr. Zulage bis 700 Thlr. Ein dritter Vorschlag hielt es für genügend, jedem Lehrer 20 Thlr. Zulage zu gewähren, mit Ausnahme der auf der obersten Gehaltsstufe stehenden, die 100 Thlr. mehr bekommen sollten. Ein vierter endlich wünschte folgende Posten: 300 Thlr., 360 Thlr., 420 Thlr., 500 Thlr., 600 Thlr., 700 Thlr. Der Ausschuß vermochte nicht schlüssig zu werden. Das Jahr 69 ging zu Ende und mit ihm die Wirksamkeit der meisten Bürgervorsteher, die Ausschuß - Mitglieder waren. Bei den Neuwahlen herrschten durchaus politische Rücksichten. „Hie nationalliberal hie hannoversch" ! lauteten die Stichwörter. Die hannoversche Partei oder Volkspartei siegte in allen Wahlen. Den Lehrern war es im allgemeinen leid, daß die alten Bürgervorsteher wegen ihrer nationalliberalen Richtung unterlagen; denn dieselben hatten sich als entschiedene Freunde der Lehrer gezeigt. Mit Besorgniß sah man den Kundgebungen der neuen Persönlichkeiten entgegen. Die Wahl in die Schul commission fiel auf zwei Männer der Volkspartei und auf den aus Preußenhaß mit der Volkspartei coaliirten frühern Referenten fürs Volksschulwesen im hannoverschen Cul tusministerium, Brüel, den Lehrern vielleicht durch eine Broschüre über die Volksschule der Provinz Hannover und durch sein Auftreten in der hannoverschen Synode bekannt.