360 Deutsche Schulzeitung. bildung als völlig unzureichend erachtet werden. 3. schilderte er die Nachtheile der jetzigen mangelhaften Vorbildung für die Seminare, 4. für die Vottsschulen und deutete schließlich die wesentlichsten Vortheile der Präparandenschulen kurz an. — Die Versammlung stimmte den Referenten vollkommen zu und erllärte sich bereit, bei der Gründung von Präparanden - Anstalten behülflich zu sein. Der Präses der Rheinischen Provinzial-Synode, Herr Pfarrer Rieden in Coblenz, versprach, an sämmtliche Syodendes Rheinlandes das Gesuch zu richten, in dieser wichtigen Sache mit Hand anlegen zu wollen. Zu unserer großen Freude können wir hier mittheilen, daß die betreffende Mittheilung bereits unter dem 5. d. M. von Coblenz an die Synoden ergangen fft. Hoffenllich wird sie guten Erfolg haben. Für die wettere Entwickelung dieser Angele genheit wird der Provinzial-Ausschuß, der sich ihrer bis hierher mit großer Freundlichkeit angenommen, demnächst ein Comite bilden, um so den Bestrebungen einen festen Mit telpunkt zu geben. Gott gebe der für unsern Stand und die Schule so wichttgen Sache ein ftöhliches Gedeihen. H. Winghausen bei Mülheim a. d. Ruhr. Lehrerwahl. Zu welchen Ab sonderlichkeiten die Zusammensetzung des Wahlcollegiums bei den Lehrerwahlen führen kann, davon haben wir bei der am 28 April c. in Winghausm abgehaltenen Lehrer wahl ein intereffantes Beispiel. Es waren daselbst wahlberechtigt 5 Mitglieder aus der Schul-Gemeinde (ehema lige Presbyter) und 5 Herren aus Mülheim, nämlich die 4 reformirten Pfarrer und der Landbürgermeister. Gegm die Betheiligung eines 6. Presbyters an der Wahl wurde ftüh genug Protest eingelegt, weil derselbe fett dem vorigen Jahre nicht mehr in der Schulgemeinde, sondern in Mülheim wohnt und nur dadurch noch mit der Schulgemeinde zusammenhängt, daß er jährlich 120 Thlr. Revenüen daher zieht. Trotz des Protestes wurde dieser Wähler jedoch von der Majorttät zugelassen. Da 2 aus den oben genannten 5 Presbytern vom Präses zu Schulvorstehern vorgeschlagen und von der Behörde genehmigt warm, so erwuchs den Wählern aus der Schulgemeinde durch den Schulvorstand keine Verstärkung und sie befanden sich den auswärtigen Wäh lern gegenüber in der Minorität. Man hätte erwarten sollen, daß die auswärtigen Glieder des Wahlcollegiums dem Wunsche der Gemeinde, vertretm durch 4 von dm 5 berechtigten Wählern, Ausdruck geben würdm. Aber nein, in allen 3 Mahlgängen anders. Der von der Majorität der Schulgemeinde-Wähler gewünschte Lehrer kam gar nicht einmal in die Dreizahl und der, welcher aus der Gemeinde nur 1 Sttmme erhalten, wurde als Erwählter der Schulgemeinde angenommen. Eine solche Wahl, in der die Gemeinde so wenig durchsetzen kann, ist schlimmer, wie gar keine, und ist die Auftegung in Winghausen sehr groß. Es ist unserer Mei- nung nach nur die abnorme Zusammensetzung des Wahlcollegiums daran schuld und immer dringender wttd die Frage: Wann kommen wir dahin, daß die Gemeinde, welche die Schule zu unterhalten hat und für deren Kinder der Lehrer gewählt wird, so vertreten ist, daß man sagen kann, sie habm das Wahlrecht? Nachdem, der Red. Man kann es der Gemeinde Winghausen nicht übel nehmen, wenn sie mit dem Ausfall der Wahl ebenso unzuftiedm ist, wie mit der Zusammen setzung des Wahlcollegiums, die ein solches Ergebniß möglich machte. Damit jedoch die Wahlcollegien, wie sie im rechtsrheinischen Theile unseres Regierungsbezttks noch be- stehen, nicht in unverdienten Mißcredtt kommen, besonders bei solchen, die wenig mit unseren Verhältniffen bekannt sind, wollen wir zur Erklärung des vorhin berichteten Vorganges einige Bemerkungen hinzufügen.