Pädagogische Bemerkungen. «68 Pädagogische Bemerkungen. (Von G. CH. Lichtenberg). 6. Ich wünschte ein Kind zu haben, das ich mir ganz eigen machen könnte; ich wollte es zu Allem anhalten, wovon ich jetzt zu spät einsehe, daß ich es versäumt habe. Die Eltern halten ihre Kinder nicht genug zu dem an , was sie nun erkennen müssen, versäumt zu haben. Ueberhaupt glaube ich, daß es sehr wenige Lehrer giebt, die so unterrichten, daß sie das vermeiden zu lehren, was sie selbst, wenn sie bei jetzigem Verstände jung wären, vermeiden würden zu lernen. 7. Es war ein vortrefflicher Junge, als er kaum 6 Jahre alt war, konnte er schon das Vaterunser rückwärts herbeten. 8. Man sollte alle Menschen gewöhnen, von Kindheit an in große Bücher zu schreiben, alle ihre Exercitia, Aufsätze u. s. w. und die Bücher in Schweinsleder binden. Da sich kein Gesetz daraus machen läßt, so muß man die Eltern darum bitten, wenigstens bei Kindern, die zum Studiren bestimmt sind, dies zu beobachten. Wenn man jetzt Newtons Schreibbücher hätte! Wenn ich einen Sohn hätte, so müßte er gar kein Papier unter Händen bekommen, als eingebundenes. Zerrisse oder besudelte er es, so würde ich mit väterlicher Dinte dabei schreiben: Dies hat mein Sohn anno . . . den . . . besudelt. Man läßt den Körper und die Seele, das punctum saliens der Maschine fortwachsen und verschweigt und vergißt es. Die Schönheit wandelt auf den Straßen; warum sollten nicht in dem Familienarchiv die Products, oder viel mehr die Signaturen der Fortschritte des Geistes niedergelegt bleibm und der Wachs thum dort eben so sichtbar aufbewahrt liegen können? Der Rand müßte gebrochen, und auf einer Seite immer die Umstände und zwar sehr unparteiisch, geschrieben wer den. Was für ein Vergnügen würde es mir sein, jetzt meine Schreibbücher alle zu übersehen! Seine eigene Naturgeschichte! Man sieht jetzt immer, was man ist, und sehr schwach, was man war. Man müßte dem eigentlichen Gegenstände der Samm lung diese nicht zu oft sehen lassen; vielleicht nur erst spät; das Uebrige müßte er blos aus Relationen kennen. Man hebt die Kinderhäubchen auf Md ich habe öfters selbst dm Zusammenkünftm mit beigewohnt, da man einem großen, besoldeten und an sehnlichen Kopf sein Kinderhäubchen wies. Warum nicht eben so mit Werken des Geistes? Die Eltern könntm eine solche Sammlung von Bänden eben so aufbewahren, wie ihr Kind, denn es ist der Spiegel desselben. Wie sie seinen Leib zu bilden haben, lehrt sie ihr Auge, wie seinen Geist, der Anblick dieser Bände. Vom vierten Jahre, glaube ich, könnte man anfangen. Kein Band müßte verloren werden; denn das Papier muß doch bezahlt werden, und das Aufbewahren macht keine Schwierig keiten. Ich wüßte nicht, welches angmehmer und nützlicher wäre, die Bewegung aller Planeten zu kmnen, oder diese Annalen einiger vorzüglichen Menschen. Die Welt würde dadurch sehr gewinnen. Vakante Stellen. (Wir bitten unsere geehrten Leser, zr richten vakanter Schulstellen zur Hand geh Oberlehrerstelle cm der städt. höh. Töch terschule zu Barmen auf 1 October. Geh. 800 Thlr. kse. für Franz. u. Engl, erforder lich. Meld. u. Zeugn, an Rector^vr. Klein möglichsten Vollständigkeit Ms mit Nach- zu wollen.) Paul, Barmen. Lehrerstelle a. d. Bürgerschule zu Plauen. Gehalt 600 Thlr. Meldungen und Zeugnisse an den Rath Kuntze in Plauen.