Nothstände im ostpreußischen Schulwesen. 3«ft Doch es wird zumal in neuester Zeit das Vielerlei auf dem Webstuhle der Me thode zu mancherlei Nnstlichen, nicht selten sehr abgeschmackten Mustern verarbeitet, sagt der Verfaffer und polemisirt mit nicht zu billigendem Spotte gegen die in neuster Zeit allerdings mehr betretene Forderung, daß der Lehrstoff den Kindern zum Verständnisse gebracht werden soll, spricht da von equilibristischen Denk- und Sprechturnereien, die der Revisor verlange und wie die Methode denkfaul und dumm mache, während es gerade darauf hinausgeht, die Kinder zum Denken und demnach sinngemäßen Sprechen anzuregen und anzuleiten. Hat der Herr Verfasser als Schulrevisor es nicht erlebt, wie denkfaul und dumm z. B. die Schüler oft die bibl. Geschichte hergeleiert und uao tenore, durch ähnlichen Klang der Worte verleitet, sich in eine andre Geschichte hinein geleiert haben, ohne es zu merken? Ist es ihm denn recht, wenn die Kinder einen Liedervers, ein Katechismusstück u. a. her plappern, ohne im Entferntesten zu wissen, was sie sagen? — oder wenn sie theilnahmlos und stumm dasitzen, höchstens eine Antwort zu geben vermögen, welche sie gedächtniß- mäßig inne haben? — Der Lehrstoff wird aus solchen Kreisen entnommen, welche die Befähigung der Kinder nicht übersteigen und da ist die Forderung eine berechtigte, ja unabweisbare, daß er ihnen zum Verständniß gebracht wird. Alle Lebensthätigkeiten erfordern jetzt Nach denken und selbst der ländliche Arbeiter darf bei der immer mehr rationellen Weise der Bewirthschaftung und dem Gebrauche von Maschinen nicht ohne Fähigkeit nach zudenken bleiben. Die Schule soll, so weit möglich, ihn dazu wecken und fähig machen. Der Verfaffer kommt auf die Revisionen zu sprechen. Wenn er dabei den Leh rern den Vorwurf macht, daß sie dem Revisor Sand in die Augen streuen wollen, so muß ich es ihnen überlasten, ob sie sich dafür bei ihm bedanken wollen. Wenn etliche von ihnen sich mit großem Eifer und geringem Verständnisse in die Methode, in die Form und nicht in die Sache versenkt haben, so kommt dies jetzt gewiß ebenso vor, wie es seiner Zeit Lehrer gab, welche echt dinterisch unterrichten wollten und reine Karri- katuren wurden. Uebrigens weiß ich aus eigener Erfahrung, daß bei den vorgekommenen Extra-Revisionen des Schulrathes und des Seminardirektors nicht die Methode des Unterrichts, sondern seine Resultate gefordert wurden*) und kann Beispiele anführen, in denen alte Lehrer, trotz ihrer alten Methode, sich des günstigsten Zeugniffes erfreut haben. Der Verfaffer kommt ferner auf die Disciplin in der Schule und tadelt die an die Kinder gestellte Forderung äußerer straffer Haltung und die Anwendung von bestimm ten Kommandowörtern seitens des Lehrers. Nun, er weiß es ja auch, daß äußere Ordnung nur der Abglanz innerlich geordneten Wesens ist. Warum will er nicht schon die Kinder des Volkes daran gewöhnen? Wahrlich, es kostet, wie er aus seiner ländli chen Häuslichkeit recht wohl wissen wird, viel Mühe, das Gesinde an Zucht und Ord nung zu gewöhnen. Wohl dem Hause, in welches das Gesinde den Sinn und die Gewöhnung an Zucht und Ordnung schon aus der Schule mit sich bringt. Nur diese Gewöhnung bezweckt auch der im Volksschulfreund einmal gebrachte Vorschlag pünktlichen Erscheinens zu den Schulstunden u. s. w., und wenn dabei der Re daction der Rathschlag ertheilt wird, sie sollte „solches gedankenlose Zeug nicht zum Ab drucke gestatten," so vergißt der Verfasser, daß in einem solchen Sprachsaale, wie der Volksschulfreund ist, immerhin auch Stimmen werden geduldet werden müssen, welche nicht auf allgemeinen Beifall rechnen dürfen. Wenn aber gar erzählt wird, daß die Leh- Am 19. Mai 1869 hielt Regierungs- und Schulrath Bock in Medenau vor sehr zahl reicher Versammlung von Lehrern und Schulinspektoren den Kreislehrerverein ab und erklärte ve: der Debatte über seine zweistündige praktische Arbeit mit den Schülern u. A. auch, daß es chm gar nicht auf die Methode ankomme; die Lehrer möchten arbeiten, wie sie vermögten, nur dre Erfolge ihrer Arbeit in den Resultaten bei der Revision zeigen.