Aus Schleswig-Holstein. 393 des Gnadenmonats u. s. tu., wie er wohl schon in den alten Provinzen besteht, durch die Errichtung von Vicariatsdistrikten, so daß Lehrer verpflichtet sind, bei eintretenden Vacanzen sich der verwaisten Schulen anzunehmen rc. Zu weit dürfte die Regierung darin gegangen sein, daß sie überall den Mitttvochnachmittag als Schultag abgeschafft und dafür den Sonnabendvormittag eingeführt hat. Die Lehrer dürsten lieber zwei halbe Tage in der Woche Ruhe haben, als einen ganzen Tag. In weitläufigen Schul distrikten, wo die Kinder einen Schulweg von 1 Stunde und darüber haben, also des Mittags nicht zu Hause gehen können, ist es doch paffender, einen ganzen, als zwei halbe Tage wöchentlich ftei zu haben. Für solche Schuldiftrikte, die 1 Meile im Durchmesser haben, ist es freilich gestattet, den ganzen steien Tag beizubehalten. Zur Einführung des neuen Maaß- und Gewichtssystems hat die Regierung ange ordnet, daß die Schüler schon jetzt in geeigneter Weise damit bekannt gemacht werden; Modelle und andre Veranschaulichungsmittel sind empfohlen worden. Auch haben die Verfasser der bisherigen Rechenbücher, Saß und Grünfeldt, Anhänge zu ihren Büchern bearbeitet, die in das neue System hinüberführen sollen. Daneben ist ein neues Rechen buch in Heften von dem Lehrer Löhmann in Flensburg herausgegeben, dem das neue System zum Grunde gelegt lvorden ist. Es ist bereits von dem Königlichen Ministe rium zur Einführung genehmigt. Das Seminar in Eckernförde hat seinen Director Niese durch den Tod verloren; ein neuer Director, Herr Eismann aus Pyritz, tvirkt bereits seit einem Jahre. An dem Seminar in Segeberg sind 2 jüngere Lehrer, Karotv und Förster aus den alten Provinzen, angestellt worden; der alte Seminarlehrer Kardel, der bereits seit 1844 in großem Segen wirkt, wird wahrscheinlich zum Herbst abgehen. Ein 4. Seminar (2 sind in Schlestvig und eins in Holstein) soll in Holstein errichtet werden. Man hat bereits verschiedene Städte besehen, auch sind von mehreren Städten Schenkungen von Grundstücken angeboten worden; bis dahin scheint man sich noch für keine Stadt ent schieden zu haben. Die hiesige Regierung soll für ein Externat, als unseren Verhältniffen angemeffen, sein, der Herr Geheimrath Stiehl ist für ein Internat. Die öffentliche Stimme sowie die Wünsche der Lehrer sind für ein Externat. — Der Oberschulrath Stiehl hat voriges Jahr die 3 Seminarien inspicirt und soll sich zuftieden geäußert haben. — Die Seminarlehrer erhalten Reisestipendien, um die Seminarien anderer Provinzen zu besuchen. Jemand, der die hiesigen und die Seminarien anderer Provin zen kennt, soll gesagt haben, in wiffenschaftlicher Hinsicht leisteten die hiesigen Seminarien mehr, für die Befähigung der Seminaristen zum Unterrichten in den Elementarklassen tvürde dort mehr gethan. — Die allgemeinen schleswig-holst. Lehrerversammlimgen haben ihren ungestörten Fort gang gehabt, nur sind sie dieses Jahr der Kriegsereigniffe wegen ausgesetzt worden. Man hat sich mit der Präparandenbildung beschäftigt und ist zu dem Resultat gekommen, daß vorläufig nichts Besseres geschehen könne, als daß die einzelnen Lehrer sich zum Unter richt der Präparanden vereinigten. Sollte aber dieser Liebesdienst für die Dauer aus reichen? Thatsache ist es, daß durchweg die Vorbildung der Präparanden fürs Semi nar eine ungenügende ist. Sie wird es auch bleiben, so lange durchweg die Besoldung der Lehrer ungenügend ist. Es muß die Axt an die Wurzel und nicht an die Spitzen gelegt tverden, wenn ein tüchtiger Lehrerstand herangebildet werden soll. Gute Stellen — tüchtige Lehrer, das steht mit einander in Wechselwirkung! Aufsehen erregte in diesem Jahr ein Conflict der Heider Lehrer mit dem dortigen Landrath Vörster (aus Westfalen nach Heide und jetzt nach Pinneberg gekommen). Die Lehrer gehörten dem dortigen Volksvereine an, sie sollen aber weder die Leiter deffelben, noch Agitatoren gewesen sein, sie haben vielmehr ihre Thätigkeit auf wiffcnschaftliche Vor träge beschränkt. Die Heider Bürger nahmen lebhaft Partei für ihre Lehrer, die in