Beilage zum Evangelischen Schulblatt. Deutsche Schulzeitung. Mitte 3ult 1871 . Correspondenzen. Aus dem Bergischen. In einem neuerdings an die Schulpfleger ergangenen Rundschreiben theilt die Düsseldorfer! Regierung mit, daß sich für die diesmalige, im Juli stattfindende Aufnahme-Prüfung in Moers nur eine unzureichende Zahl von Schul- amts-Aspiranden gemeldet habe, sie ordnet zugleich an, daß deshalb zu der gedachten Prüfung auch 17jährige junge Leute sollen zugelassen werden.* **) ) Das ist eine sehr merkenswerthe, für Mors bisher unerhörte Thatsache. Der Andrang zum Mörser Se minar war seit Jahren sehr stark, so daß in den meisten Fällen nur 1 / 3 der Exami nanden aufgenommen werden konnte. Allerdings sind im vorigen Jahre 2 mal 25 Seminaristen eingetreten, auch das Jahr vorher 8 Aspiranten nach Trarbach über wiesen worden; allein nach Analogie der früheren Jahre durfte man immerhin auf 40 —50 junge Leute rechnen, die aufgenommen zu sein wünschen. Daß nun in diesem Jahre die Zihl auf weniger, als die Hälfte herabsinken werde, hat wohl Niemand er wartet. Der unmittelbare Eindruck dieser Thatsache ist keineswegs erfreulicher Art, Wenn auch, wie Einige wißen, unter den obwaltenden Umständen aus dem diesseitigen Bezirk sich mehr Aspiranten andern Seminarien zuwenden, als dies seither der Fall war, so fällt dies, wenn es auch wahr sein sollte, doch weniger in's Gewicht und man muß annehmen, daß die Zahl der hiesigen Aspiranten überhaupt bedeutend abgenommen hat. Dies bedauerliche Faktum aber stellt es uns als ganz gewiß in Aussicht, daß die Lehrer-Ealamität in hiesiger Gegend statt gehoben, in der nächsten Folgezeit nur noch größer werden wird.*) Es ist leider längst schon so, daß in den ländlichen Di strikten Seminaristen an den Mittel-und Unterklasien zu den Seltenheiten gehören. Die jüngeren Kinder sind dort und auch vielfach in den Städten zum Theil jungen Leuten anvertraut, die selbst kaum der Elementarschule entwachsen sind. Doch darüber noch ein Weiteres zu sagen, hieße Wasser in den Rhein tragen: der Mangel ist offen kundig. Dieser Zustand, wie er jetzt besteht, weist zurück auf eine, in der Vergangen heit liegende Versäumniß. Es ist nicht rechtzeitig genug für eine hinreichende Zahl von Lehrerbildungsanstalten gesorgt worden. Zur Erhärtung dieser Behauptung diene ein kleines Rechen-Exempel. Das Mörser Seminar ist bis jetzt das einzige für den gan zen Regierungsbezirk Düsseldorf. In Barmen allein sind 70 evangelische Klassenleh- *) Bisher erhielten die Präparanden des Regbz. Düsseldorf mit 17 Jahren erst das sogen. Gehülfenzeugniß, arbeiteten darnach einige Jahre in der Schule unter Aufsicht eines Haupt lehrers und traten dann — in der Regel mit dem vollendeten 19. bis 20. Jahre — in's Seminar ein. **) Daß im letzten Jahre 50 Seminaristen aufgenommen worden sind, bringt keine Ab hülfe. Es geschah dies in Rücksicht auf die Einführung des 3jährigen Eursus. Die Anzahl theilt sich in 2 Classen, von denen eine nach 2jährigem, die andere nach 3jährigen Cursus ent lassen werden wird. Die Zahl der Abgehenden bleibt in jedem Jahr dieselbe: 25.