S«S Deutsche Schulzeitung. rerstellen, in welche der Regel nach jüngere unverheirathete Lehrer eintreten, in Etber- feld ist die Zahl derselben mindestens eben so groß. Nehmen wir an, daß die jungen Lehrer durchgängig 4 Jahre bleiben — die meisten bleiben nicht so lange, so ergibt sich, daß die Zahl der jährlich zu entbehrenden Zöglinge für das lokale Bedürfniß von E. und B. nicht einmal ausreichend ist. Und nun denke man an den ganzen Regie rungsbezirk! In richtiger Erkenntniß der Sachlage haben deshalb schon lange Prediger Lehrer und Schulfreunde in unserm Bergischen sich nach der Gründung eines zweiten Seminars gesehnt und sich in jüngster Zeit herzlich darüber gefreut, daß nach authen tischen Mittheilungen, wenn nicht in diesem, so doch im nächsten Jahre mit der Er öffnung einer solchen Anstalt in Opladen vorgegangen werden sollte. Wir fingen an zu hoffen, aber wie schnell hat das Eingangs erwähnte Rundschreiben unsern Geigen einen Dämpfer aufgesetzt! Ein zweiter folgenschwerer Mangel tritt uns unter Augen. Diejenigen, welche da meinten, mit dem 2ten Seminar aller weiteren Sorge enthoben zu sein, müsien einsehen, daß sie geirrt haben. Es sind, ohne auf die jüngeren Jahr gänge zurückzugreif.n, nicht genug Zöglinge für das bestehende Seminar vorhanden; woher sie für das 2. nehmen? — Wie schon gesagt, die Thatsache ist zu beklagen; aber, daß durch die Thatsache des vorliegende Uebel recht grell in's Licht tritt, ist überaus erfreulich. Hierdurch wird deutlicher, als der allerdeutlichste Vortrag es ver möchte, darauf hingewiesen, daß es nicht allein an Bildungsanstalten für Lehrer, son dern auch au Vorbildungsanstalten für Zöglinge des Lehrfachs mangelt. Während für die verschiedensten Berufsarten Bildungsanstalten vorhanden sind, besitzt der Lehrerstand noch kein Institut, das, speciell auf seine Bedürfnisie berechnet, für seinen Stand vor bildet und dem Jünglinge die allgemeine Bildung vermittelt, welche für den nachfol genden Seminar- (Fach-) Cursus vorausgesetzt werden muß. Was einzelne Lehrer in Blick auf die Heranbildung junger Leute für den Lehrerstand geleistet haben, ist sehr anerkennenswerth; aber diejenigen, die sich damit befaßt haben, werden am ersten zu gestehen, daß diese Art Hülfe unzureichend ist. Unzureichend, weil, wie die Erfahrung zeigt, auf diesem Wege nicht die nöthige Anzahl von Aspiranten gewonnen wird, unzu reichend zumeist aber aus dem innerlichen Grunde, weil e in Mann auch nur über eine Kraft verfügt und ein Einzelner neben seiner täglichen Berufsarbeit nicht noch eine Arbeit übernehmen kann, die für eine Anzahl von Lehrkräften eine würdige Aufgabe ist. Wir bedürfen durchaus besonderer Präparandenschulen, wie dies in diesem Blatte zum öftern hervorgehoben worden ist. Haben wir solche, die rechter Art sind, so kann für die Vorbildung ungleich mehr geschehen, als bisher beim besten Willen möglich war, und es ist dann mehr Garantie geboten, daß die Vorbildung für's Seminar im All gemeinen besser werden wird. Bekommen wir sie nicht und bleibt es hinsichtlich des Bildungsganges für angehende Lehrer beim Alten, so wird der ganze Stand deß Scha den haben, und es steht zu befürchten, daß es schlimmer, statt besser werden wird. Bei diesem Gedanken drängt sich uns noch eine andere Erwägung auf. Durch die bisherige Ueberzahl von Aspiranten hatte das Seminar in Mörs immer noch eine Auswahl; es konnte unter den vielen die besten nehmen. Der Aspirant hatte das Bewußtsein, daß er sich anstrengen müsse, wenn er bei der bevorstehenden Prüfung mit Ehren bestehen und überhaupt rechtzeitig in das Seminar hinein wollte. Was wird's für eine Rückwirkung auf die Strebsamkeit vieler jungen Leute haben, wenn man nach Zöglingen für's Seminar suchen muß? wenn der junge Mann weiß, daß man schon froh ist, wenn er nur kommt? Es steht sehr zu befürchten, daß bei Manchem der Lerneifer nachlassen und die besten Lernjahre noch mehr, als bisher „verbummelt" werden. — Wem Lehrer und Schule am Herzen liegen, der hat die bestimmte Pflicht, immer und immer wieder auf den vorhandenen Mangel an Vorbildungs-Anstalten für den Lehrerstand hinzuweisen