I«A Deutsche Schulzeitung. Vom Niederrhein. sOberhauser Lehrerco nferenz.j Am 27. Dez. v. I. wurde in Oberhausen die sog. Weihnachtsconferenz in herkömmlicher Weise abgehalten. Der Besuch war diesmal etwas schwächer als im v. I., es waren 70—80 Lehrer versammelt. Die Conferenz wurde um halb 11 Uhr mit einer Andacht eröffnet. Hauptgegenstand der Tagesordnung war ein Vortrag des Leh rers Hollenberg in Müsheim a. d. Ruhr über Schul-Jnspektion. Referent kann den Gedankengang nicht vollständig und getreu wiedergeben; lieb würde es ihm sein, die Arbeit unter den Abhandlungen des Schulblattes zu finden. Die Hauptpunkte waren diese: Die Inspektion muß von Fachmännern aus geübt werden. Der Lehrerstand ist kein Stand im vollen Sinne des Worts, so lange diese Forderung nicht erfüllt ist. Die Inspektion durch Männer, welche nicht Fachmänner sind, ist wider die Ehre des Standes, kein anderer Stand würde sie sich gefallen lassen. Die Jnspection durch Fachmänner ist heute dringender erforderlich als je, denn sie ist nachweislich immer specieller geworden. Die neueste Anweisung zur Revision der Schulen durch die Lokal-Schulinspektoren geht so in's Einzelne, daß eine solche nur von tüchtigen Schulmännern ausgeführt wer den kann. Weiter: durch eine Reihe von Verfügungen der Regierung wird das Ver hältniß zwischen Schulgemeinde und Lehrer immer mehr« gelockert. Das Wahlrecht der Gemeinden ist verkürzt worden, ja es soll sogar die Absicht der Regierung darauf gerichtet sein, die Lehrer nach eigenem Ermessen zu verwenden. Damit würden die Lehrer den Rückhalt verlieren, den sie bisher au den Gemeinden besessen. Ihr Wohl und Wehe sei dann mehr in die Hände der Vorgesetzten gelegt, und doppelt mißlich würde es sein, wenn diese unzuverlässig wären oder von den Interessen eines anderen Standes geleitet würden. In der nachfolgenden Discussion wurde anfänglich von einer Seite die Meinung geäußert, daß Klarheit über die bessere Einrichtung der Inspektion erst dann erlangt würde, wenn man über die Organisation der Schulen von unten auf sich verständigt habe. Dem gegenüber wurde aber geltend gemacht, der Vor trag behandle eine Tagesfrage, die vielleicht schon in nächster Zeit zum Austrag kommen werde. Es gäbe leider selbst unter den Lehrern noch manche, welche eine Beaufsichtigung durch Standesgenossen bekämpfen. Schließlich einigte sich die Conferenz in der Annahme folgender Resolution: „Die spezielle technische Lokal-Schulinspektion ist als überflüssig zu erach ten; dagegen gehen die Befugnisse derselben auf die Kreis Schulinspektion über. (Der Lokal-Schulvorstand bleibt jedoch in seinem jetzigen Bestände.) Der Kreis- Schulinspektor muß ein solcher sein, der die nöthige technische Ausbildung, d. h. der im Dienste die nothwendige Erfahrung in Volksschulsachen sich erworben hat. Das Amt eines Kreis-Schulinspektors ist nicht als Nebenamt zu verwalten, sondern als einziger Beruf dem Betreffenden zu übertragen." Der Conferenz-Vorstand wurde dann beauftragt, im Laufe des Jahres eine allgemeine Conferenz zu berufen, die darüber beschließen solle, ob die angeführte Resolution in eine Petition verwandelt und mit näherer Motivirung dem Herrn Cultusminister übersandt werden solle. Für Fern erstehende mag zum richtigen Verständniß der Resolution — in so wenige Worte läßt sich die Sache kaum zusammenfassen, ohne daß Mißdeutungen möglich wären — wenigstens dies beigefügt werden: Aufhebung der technischen Lokalaufsicht heißt nicht Beseitigung der Lokalaufsicht überhaupt, wie das in