Heuriges und FeruigeS. «iS tär des Lokalschulvorstandes). Aber freilich, bei dem großen Fremden-Durchzug im Sommer verdient so mancher Knabe als Führer oder Gepäckträger ein schönes Geld, wie es sonst nie in seine Hände kommt, und da zahlen die Eltern lieber die Strafe, die, wenn ein Kind ohne Entschuldigung und über 1 j 6 im Monat fehlt, zum ersten Male 1.—3 fr. und zum zweiten Male im gleichen Halbjahr 4—6 fr. beträgt. An die Ermahnung des Pfarrers schloß sich noch ein Schlußwort des Schul inspektors an die Kinder und zwar, um so recht ad hominem zu sprechen, im „Berner Ditsch", wobei er zugleich in feiner andeutender Weise der Lehrerin manche Bemerkung machte. Einzelne Sätze seiner Rede sind mir geblieben, die ich hier aphoristisch wiedergebe: „Vieles is durchg'nomme un hoch g'nug 'gange, abber nich g'nug ing'drunge un durcharbeitet: da verschwimmt's." — Hoch die Fahne des Flißes un der Usduer un des Fortschritts! Disciplin gut, Ihr chönnt ruhig sin! Mehr Zitt verwende uf's Lese, flißig lese! Langsam lese, daß mer es glich verstache. Mit dem langsam lese lernt mer, daß mer's verstänne un lernt daun au schnell lese. Orthographisch schriwe (abber i will davon jetzt nich redde, sondern) Same spare uf's nächste Johr. Die Ufsätz sin zu glichartig g'si. Im Rechnen: Abth. 1 isch verhältnißmäßik wit vor, Abth. 2 steckt noach in d' Bruchrechnunk, nich fertig. Grammatik: s'isch geistiche Turnübung, do cha mer sich drin ergah un sich ergötze. In der Naturkund' isch viel nur so anstoage, noch nich Eigenthum g'worde; und doach, geht mer uße un schaut sich um un schaut nach d'n Himmel — überall Herrlichkeit!" Die Kinder einen Blick thun lassen, bis über diesen Himmel hinaus, bis zum Herzen Gottes, sie etwa zum Gebet und zum treuen Wandel vor ihm zu ermuntern, das fehlte ganz in der Rede. Daun wurde das „Schulrodel" vorgelegt nachgesehen und darin das Nöthige eingezeichnet (so heißt hier das Klassenbuch). Die Einrichtung desselben scheint mir musterhaft zu sein. Auch für den „Besuch der Prüfungen von Lehrern und Schulfreunden" ist eine Rubrik, in die auch der Fremdling aus Rheinprenßen seinen Namen einzutragen ersucht wurde. Ebenso lag das „Arbeitsschul-Rodel" vor, in welches auch das die weibl. Arbeitsstunden beaufsichtigende Frauenkomite seine Bemerkungen zu machen hat; und endlich ging's hinunter vor das Haus, um noch Freiübungen im Turnen vorzunehmen. Die Lehrerin schürzt vermittelst Bändern und Haften ihr Kleid etwas höher und steht nun da vor den fast 16jährigen Knaben und Mädchen wie ein strammer Korporal vor seinen Rekruten. Da gab es Ordnungsübungen, verschiedene Stellungen, Gangarten, Taktlaufen, Armbewegungen rc. Die eine Hälfte des Bogens bildeten die Knaben, die andere die Mädchen; das letzte Mädchen mußte bei manchen Uelluugen die Hand bis zur Schulter des ersten Buben strecken und umgekehrt — etwas Auffallendes oder Störendes lag darin nicht. Es trat mir auch hier wieder entgegen, wie durch die Gemeinschaft beider Geschlechter,*) versteht sich unter Zucht und Aufsicht, das *) Ju Frankreich hat man, wenn eine volle Trennung der Geschlechter nicht möglich war, wohl eine bretterne Scheidewand zwischen beiden errichtet, so daß vom Katheder aus der Lehrer in beide Abtheilungen blicken und kommen kann. Welches Kunststück! Bor mehr als 30 Jah ren kam der Präfekt des Niederrheins aus Straßburg auch einmal in die ev. Schule nach Schiltigheim und war sehr verwundert Knaben und Mädchen in einer Klasse vereinigt zu finden, weil das für die Sittlichkeit gefährlich sei. „Herr Präfekt", antwortete der sel. Pf. Hickel, „wir haben im Orte oben ein Wirthshaus und eines unten; da befehlen Sie doch, daß die jungen Burschen in das eine tanzen gehen und die Mädchen in das andere — das wird der Sitt lichkeit mehr aufhelfen".