846 Deutsche Schulzeitung. evangelischen Schüler, die evang. Schulen besuchen, dann der evang. Schüler, die über die gesetzlichen Jahre hinaus dasselbe thun. Es kommen demnach auf einen Lehrer durchschnittlich 55 Schüler, und da die gesammte Landeskirche 208109 Seelen zählte, so kam auf 6 Seelen ein schulbesuchendes Kind." Die Fortbildungsschule hat die Aufgabe, die in der Volksschule erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten zu befestigen und zu erweitern. Die Zahl ihrer Klassen richtet sich nach den Verhältniffen der Gemeinden, in denen sie bestehen; gewöhnlich sind sie einklassig, seltener zwei- und dreiklassig. Der Unterricht be schränkt sich meist auf Rechnen, Lesen und Schreiben, in manchen dieser Schulen kommen noch Geschichte, Geographie, Naturlehre mit besonderer Berücksichtigung der Landwirthschaft und Gesang hinzu. Am Schlüsse des Schuljahres, zuOstern, haben die Zöglinge vor dem Schul-Commissär eine Prüfung zu bestehen, über de ren Ergebniß derselbe an das Bezirks - Consistorium Bericht zu erstatten hat. Aus verschiedenen Berichten, Conferenzvorträgen, Protocollen rc. geht hervor, daß den Fortbildungsschulen nicht aller Orten die verdiente Aufmerksamkeit ge widmet wird. Die Schuld hiervon sucht man theils in der Volksschule, theils bei den Kindern, den Eltern und der Ortsobrigkeit. Die Volksschule wird angeklagt, daß ihr Unterricht nicht tief genug gehe und in den Kindern den Fort- bildungstrieb nicht genug wecke und fördere, woher es komme, daß die Schüler einen schlecht verhehlten Widerwillen gegen die Fortbildungsschulen mitbrächten. Die Kinder seien ohnehin zu kurzsichtig, um die Forderungen zu erkennen, wel che das spätere Leben an ihre Geschicklichkeit und ihr Wissen stellen kann. Bei den Eltern und ihren Stellvertretern findet man Gleichgültigkeit gegen die Fortbildungsschulen, weil sie nach dem augenblicklich zu erwerbenden Lohne streben und daher die Anstalten verachten, die erst in der Zukunft Segen ver heißen. Dazu vermißt man die nöthige Unterstützung der Ortsobrigkeit, welche die Ausgaben für diese Schulen scheut und wähnt, die Aussicht auf Fort bildung hemme den Fleiß der Kinder in den Jugendjahren. Wenn diese Erfahrungen die alte Wahrheit bestätigen helfen, daß Wohl thaten sich nicht octroyiren lassen, so wäre es doch gewiß verkehrt, darum die Er richtung und den Besuch der Fortbildungsschulen freizugeben; denn was manche im Jünglingsalter als einen lästigen, unbequemen Zwang empfinden, werden sie als Männer mit Dank als eine Wohlthat erkennen. Was es mit der Freiwilligkeit sowohl der Errichtung als des Besuchs der Fortbildungsschule auf sich hat, beweisen die Erfahrungen hier zu Lande, z. B. in der Rheinprovinz. Nur in großen Städten gibt es eigentliche Fortbildungs schulen, die von einzelnen Vereinen eingerichtet worden sind und unterhalten wer den, um den Jünglingen, die sich dem Handwerkerstände oder dem Klein-Gewerbe widmen wollen, eine Gelegenheit zur Fortbildung in den technischen Fächern zu bieten. In kleineren Städten und größeren Dörfern dagegen existiren, soweit Schreiber dieses orientirt ist, im besten Fall nur Jünglingsvereine, in denen aber gewöhnlich nur ein geringer Bruchtheil der Jünglinge ihre in der Schule er worbenen Kenntnisse und Fertigkeiten zu befestigen und zu erweitern sucht. Die Erfolge dieser Vereine für die Bildung unsers Volkes wollen wir damit nicht in Frage stellen, wir können im Gegentheil nur eine immer weitere Verbreitung wünschen; denn in wie vielen Gemeinden, namentlich auf dem Lande, geschieht gar nichts für die Fortbildung der aus der Schule entlassenen Knaben, deren doch alle so sehr bedürftig sind, mögen sie nun dem Mittelstände oder dem Stande der Arbeiter angehören. Das ausführlich zu beweisen, gestatten die Grenzen die ses Aufsatzes nicht, und wird für die Leser des Ev. Schulblattes auch wohl nicht