488 Deutsche Schulzeitung. „Fragen zur Wiederholung und Erweiterung. Für das Gedächtniß immer noch reichlich viel Namen und Zahlen; lieber wäre uns ein ganzer Bogen voll passender Wiederholungs fragen. Wollte aber unter etwas ungünstigen äußeren Verhältnissen ein Lehrer einer ein- klassigen Volksschule einmal versuchen, über haupt mit solchem Minimum von geogr. Lehr stoff auszukommen, so hätten wir wahrlich nichts dagegen. Möchten wir doch allen künf tigen Verfassern geogr. Leiffäden für die Ele mentarschule dringend empfehlen, sich Dörp- feld's „Repetitorium des naturkundlichen und humanistischen Realunterrichts" darauf anzu sehen, ob nicht den Kindern vieles bislang in der Volksschule Versäumte näher liegt und ihnen ein besseres Bildungsmittel werden könnte als etwa die Namen der Länder von Afrika, Mittelasien und Süd-Amerika. Zum Schluß sei es mir um der Pietät gegen einen jüngst verstorbenen großen Päda gogen auf dem Gebiete der Geographie willen gestattet, meine Genugthuung darüber auszu sprechen, das vor Jahr und Tag in d. Bl. von mir abgegebene Urtheil über das „Lehr buch der Geographie von Prof. H. Guthe" (Hannover, Hahn) in dem Büchlein von Wink ler (Nr. 1) völlig bestätigt zu finden. „Vor züglicher noch" — heißt es auf S. 26 — als dieses (Pütz) ist das Guthe'sche Werk, das ge radezu als klassisch bezeichnet werden muß. Auf 571 (in 3. Aufl. 631) S. bietet es den un geheuren Stoff der mathematischen, physikali schen, historischen und politischen Erdkunde und zwar in vorzüglicher Auswahl und Anord nung dar, dabei das Wichtige von dem elen den Gedächtnißplunder ausscheidend und alle Angaben zuspitzend zur Ausübung der höchsten Function des Geographen, nämlich zur Er kenntniß des Zusammenhangs zwischen der Ländernatur und der geschichtlichen wie bürger lichen Entwicklung der Bevölkerungen." B. Z. In den vergangenen Ferien wurde mir als Reiselectikde mitgegeben „Gesammeltes und Eigenes" aus dem Tage buche eines alten Schulmannes. Ausge wählt und herausgegeben von Friedrich Otto, Diakonus zu Langensalza. Eisenach. Bacmeister. Das Büchlein trägt die äußere Form jener Broschüren, mit denen wir jetzt über schwemmt werden, von denen einige einen oder zwei Gedanken enthalten, manche auch gar keinen. Es unterscheidet sich aber dem Inhalte nach von solchen Erzeugnissen ungefähr wie ein Extract von einem sehr verdünnten Ge tränk. Wie jener kann es nur in sehr ge theilten Portionen genossen werden, man kann es nicht auf einmal durchlesen. Es enthält nämlich nicht ausführliche pädagogische Abhand lungen, sondern in gedrängtester Folge kurze oft aphoristische, aber lebhaft anregende kernige Gedanken, von denen die meisten selbst The mata zu größeren Abhandlungen abgeben könn ten. Vieles würde sich zu Besprechungen auf Lehrerconferenzen eignen, alles zum stillen Durchdenken für jeden Schulmann. Wir er fahren in der Vorrede, daß der Mann, wel cher diese Gedanken zusammen trug, ursprüng lich dabei nicht an die Oeffentlichkeit, sondern an sich selbst gedacht hat. Der Vater de« Her ausgebers Rector vr. Otto in Mühlhausen schrieb auf den Deckel seines Tagebuches: „Oft zu lesen" und zeichnete auf den Blättern des selben nicht etwa Präparate für die Presse, sondern alles das auf, was ihm selbst wichtig und des eigenen wiederholten Nachdenkens werth schien. In diese Gedanken, in denen der Vater lebte, hat der Sohn sich eingelebt und dieselben aus eigener Erfahrung und Lec- türe bereichert. Man fühlt der kleinen Samm lung an, daß uns ein Stück Leben in dersel ben dargeboten wird, ja man kann sagen, hierin besteht die Einheit des Ganzen, daß eine sitt lich eben so lautere wie strebsame Persönlich keit aus allen Gebieten des geistigen Lebens die Stoffe aufnimmt, durch welche sie sich für den Beruf des Schulmannes angeregt fühlt oder befruchtet zu werden hofft zu ersprießli cherer Thätigkeit. Der Gesichtskreis ist gewiß nicht zu eng abgegrenzt. Neben den speciell pädagogischen Autoritäten kommen Männer zum Wort wie Quintilian, Hamann, Shakespeare, Göthe, Rückert, Geibel, Martensen, Bogumil Golz rc. Von überall her fallen Streiflichter auf un sere Fragen, Niemand wird verschmäht, der einen Protest gegen die Phrase und Unwahr haftigkeit erhebt, der einen Antrieb zu willens kräftigen Arbeiten geben kann. Wuttke redet von den Grundgedanken des christlichen Lebens, Vilmar vom Gebet, A. Schopenhauer von der Bedeutung des Willens, Freytag von der der Arbeit. Wenn der Herausgeber, wie er ver spricht, dieser Sammlung noch eine zweite fol gen lassen will, so möchten wir ihn bitten, die einzelnen mitgetheilten Stücke nicht gar zu knapp zu begrenzen. B.