430 Deutsche Schulzeitung. das Repetitorium gern gebrauchen möchten und nun auf das Handbuch warten, thut mir die Verzögerung recht leid; um meiner selbst und des Buches willen bedaure ich dieselbe nicht, da jeder neue Tag Gelegenheit gibt, Etwas hinzuzu lernen und demgemäß an der unternommenen Arbeit zu bessern. Uebrigens dür fen die Leser, welche sich für das Buch interessiren, versichert sein, daß ich mein Bestes thun werde, um die ersten Lieferungen möglichst bald unter die Presse zu bringen. Auf den Wunsch etlicher Freunde habe ich mich nach Ueberwindung einiger Bedenken auch entschlossen, bis dahin, wo das Handbuch im Drucke vorliegen wird, das eine und andere Kapitel im Sch ul blatte mitzutheilen. Zunächst soll eine methodische Abhandlung über „die unterrichtliche Verbindung der Wissensfächer" an die Reihe kommen — als Ergänzung der „Theorie des Lehrplans", — sodann ein Abschnitt aus dem sachlichen Theile: „Die 6 Klassen der menschlichen Arbeiten" (Repetit. II, § 3) — oder, falls die Leser dies vorziehen sollten, ein zweites Bruchstück aus dem methodischen Theile: „eine Excursion in das Gebiet der pädagogischen Psycho logie." Ueberhaupt stehen den Schulblatt-Lesern die bereits druckfertigen Stücke in beliebiger Auswahl zu Dienst. Die erstgenannte Abhandlung wird schon im nächsten Haupthefte (1875) erscheinen, wenn der nöthige Raum vorhanden ist. Von da an soll jedes Hauptheft ein Bruchstück bringen. Das ist das Aeußerste, was ich vor der Hand zu thun weiß, um den Wünschen der literarischen Freunde möglichst entgegen zu kommen. Noch Eins. Vielleicht ist in dem einen und andern Leser zuweilen auch der Gedanke aufgetaucht, meine Arbeit am Handbuche scheine überhaupt nicht recht „räumen" zu wollen — wie man hier zu Lande sich ausdrückt — d. h. nicht rasch vorwärts zu rücken. Ich muß ihnen fast Recht geben, — möchte aber daneben zu gemeinem Nutz und Frommen auch an Etwas erinnern, was bei der Beurtheilung literarischer Produktionen beachtet zu werden verdient, wenn es auch nur eine Kleinigkeit zu sein scheint. Es gibt zweierlei Federarbeit. Dr. Mager pflegte weiland zu sagen: „Man muß einen Unterschied machen zwischen Schreiben und — Abschreiben." Meines Wissens haben meine bisherigen Schriften keinerlei Anlaß gegeben, zu vermuthen, sie stammten aus einer jener Fabriken, wo man es versteht, im Handumdrehen eine buchhändlerische Novität zu liefern — d. h. aus neun älteren Büchern ein neues zehntes zusammen zu stellen. Und dann — weiß Jemand vielleicht zu sagen, woher ich sie wohl hätte abschreiben können? —Der geneigte Leser wird indeß— wie eine böse Ahnung mir zuflüstert — bereits im Voraus errathen haben, daß diese Bemerkungen da rauf hinsteuern, eine „alte, liebgewordene Gewohnheit" vorzuschützen, um da durch meine offenkundige Langsamkeit etwas weniger tadelnswürdig und fast als entschuldbar erscheinen zu lassen. Nun — wenn denn die List doch nichts hilft, so will ich ehrlich sein und offen bekennen, daß ich in der That an die Billig keit der lieben ungeduldigen Interessenten appeliren wollte. Und ich denke, sie werden nach ihrer Selbst- und Menschenkenntniß nun ebenfalls offen gestehen, daß Einer wider seine alte Gewohnheit, die fast zur andern Natur geworden ist, nicht viel vermag, — und auch mir demnach gestatten, bei der bisher geübten Weise zu bleiben, d. i. meine eigenen Gedanken zu denken und mir dazu die nöthige Zeit zu nehmen. Barmen. ' F. W. Dörpfeld.