880 Deutsche Schulzeitung. Literarischer Wegweiser. Das Interesse des Staates an der Erhaltung der evang. Volks schule. Vortrag von H. Dietz, Redakteur der Neuen Wests. Volkszeitung zu Bielefeld, gehalten auf der Jahresversammlung des Vereins für Erhaltung der evang. Volksschule im ev. Vereinshause zu Barmen. Langenberg, 1878. Druck und Verlag von Julius Joost. Fast möchte man fragen: Kann Jemand diesen gründlichen, alle dabei in Betracht kommenden Thatsachen beleuchtenden und auf wohl erwogene Gründe sich stützenden Vortrag gehört haben oder lesen und doch der Beseitigung der evang. Volksschule das Wort reden? Der Vers, hat fast auf allen Seiten den Beweis geliefert, daß ihm das Wohl des Volkes, die Erhaltung des preuß. Staates und die gedeihliche Entwickelung des deutschen Reichs am Herzen liegt, und daß er gerade im Interesse derselben das Wort ergriffen hat, die Erhaltung der evange lischen Volksschule, als ein Rettungsmittel gegen die destructiven und staatsfeindlichen Mächte der Zeit zu vertheidigen. Wir bedauern es, daß wir nicht genauer auf den Inhalt eingehen können und begnügen uns darum, einige charakteristische Stellen anzuführen. S. 6 heißt es, nachdem vorher gezeigt worden ist, daß die volle Kraft der reliösen Erziehung an der Jugend nur dann entfaltet werden könne, wenn das Evangelium im Centrum der Schule stehe, um das herum sich der ganze Unterricht, wie in concentrischen Kreisen gruppire, und daß dies nur in der confessionellen Volksschule geschehen könne: „In der paritätischen Schule dagegen, welche auch die Simultan-, Communal-und confessionslose Schule genannt wird, wird die Religion, das Evangelium aus dem Centrum in die Peripherie geschoben, wird aus dem Lebenselement des ganzen Unterrichts selber ein bloßer Unterrichts gegenstand gemacht, am Anfang vielleicht noch voranzustellender, dann den andern gleichgestellter und zuletzt allen übrigen hintangestellter Unterrichtsgegenstand. Interessant ist S. 19 der Nachweis, daß es entschieden gegen alle und jede Geschichte sei, wenn behauptet werde, gerade die geistbegabtesten, durchgebildetsten Männer der christlichen Weltzeit hätten dem Christenthume gegenüber von jeher eine sehr problematische, wenn nicht ganz feindliche Stellung eingenommen. Es wird dabei auf Kopernikus, Kepler, Newton, Leibnitz, Hiller, Boerhave, William Pitt u. A., selbst auf Napolon I. in den letzten Zeiten seines Lebens verwiesen. Beherzigenswert^ ist es auch, wie nach S. 22 die preuß. Könige, namentlich Friedrich Wilhelm III. alle Versuche, der Volksschule den confessionellen Charakter zu nehmen, mit Entschiedenheit abgewiesen haben, sowie bei dem Voranschlag desOber- Consistoriums 1797: Es möge der Religionsunterricht in den Schulen auf eine allen kirchlichen Parteien gemeinsame Sittenlehre eingeschränkt und der specielle Confessions- unterricht dem Confirmandenunterricht durch den Geistlichen überlassen werden. Ebenso bei einem gleichen Vorschlag durch zwei Minister 1805. Die königliche Antwort lautete: „als Belege der vorgeschlagenen Einrichtung sei Jndifferentismus, Irre ligiosität und Intoleranz zu fürchten. Noch entschiedener antwortete der König 1821, als Altenstein gleichfalls die Beseitigung der confessionellen Volksschule beantragte. Wir unterschreiben von Herzen die Schlußworte: „Die Familie, die Kirche, der Staat, das Reich, alle, alle, die wir Volk und Vater land lieben, haben das größte Interesse an der Erhaltung der evang. Volksschule. Gott erhalte sie uns!" Wir fügen hinzu: Möchte das Schriftchen in Vieler Hände kom men und Vielen die Augen öffnen!