1 Anfang Januar 1880. I. Abtheilung. Abhandlungen. Ueber den physikalischen Unterricht in der Volksschule. (Vortrag, gehalten in der Jahresconferenz des rhcin.-westfäl. ev. Lehrer-Vereins zn Mühl heim a. d. Ruhr am 4. Juni 1879. Von Rector Horn in Orsoy.) Die Physik ist ein Zweig der Naturkunde. Die besondern Eigenschaften und Veränderungen der Naturgegenstände als Individuen, Species, Familien, Ordnungen rc. zu erforschen und kennen zu lehren, ist Aufgabe der Naturgeschichte und zwar speciell der Mineralogie, der Botanik, der Zoologie und ihrer Hülfswissenschasten, der Anatomie, Physiologie u. s. w. Aufgabe der Naturlehre ist es, die Eigenschaften und Veränderungen der Naturgegenstände im Allgemeinen zn betrachten, und zwar beschäftigt sich die Chemie mit den Erscheinungen, die sich auf eine innere Stoffänderung der Körper be ziehen, wogegen die Physik die Erscheinungen zum Gegenstände hat, die nicht von einer solchen Veränderung begleitet sind. Pros. Mager rechnet auch die reine Mathematik zu den Naturwissenschaften. Was wir,'allerdings sehr unglücklich, Naturgeschichte nennen, ist bei ihm „die concrete Naturwissenschaft", die Naturlehre ist bei ihm „die abstracte", die Mathe matik die „formale", oder, wie er anderswo sagt, die „abstracteste" Naturwissen schaft. *) Schon diese. Andeutung des Ortes, an dem die Physik im Gebiete des menschlichen Wissens steht, muß eine gesonderte Betrachtung des physikalischen Unterrichts, und namentlich in der Volksschule, als ein gewagtes Unternehmen er scheinen lassen. Gilt es doch für eine der wesentlichsten Anforderungen an allen erziehenden Unterricht, daß er dafür sorge, daß der Schüler eine einheitliche Bildung erhalte, d. h. also, daß Stoffauswahl und -Behandlung so bemessen werden, daß die zu erwerbenden Vorstellungen sich nicht nur zu einem einheitlichen Gedankenkreise verbinden können, sondern daß diese Verbindung auch thatsächlich eingeleitet werden. Hieraus folgt erstens, daß verwandte Disciplinen niemals isolirt behandelt werden dürfen, sondern diese ihre verwandtschaftliche Beziehung sich auch im Unterrichte kundgeben muß, und zweitens, daß diese Beziehung na- *) Mager, Pädagogische Revue VIII. p. 205. Bergt, auch sein „Lesebuch zur Ency clopädie".