Anfang Mai 1880. I. Abteilung. Abhandlungen. Friedrich Güll. Beiträge zu einer Lebensskizze.*) Am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1879 ist, noch nicht ganz 68 Jahre alt, Friedrich Güll in München gestorben. Er war ein Lehrer im besten Sinne des Wortes, der durch seine Leistungen in der Schule wie als Jugenddichter durch seine „Kinderheimat" für die Schule sich in dem engen Kreise seiner Heimat wie über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus einen Namen erworben, der noch in dankbaren Geschlechtern nachleben wird. Und da Güll nicht nur ein Lehrer schlechthin war, sondern speziell ein evangelischer Lehrer, soll ihm auch in unserm „ev. Schulblatt" ein Denkmal gesetzt werden. Der Schrei ber dieser Zeilen ist dem sel. Güll nur einige male persönlich nahe gekommen, als er vor etwa 25 Jahren bei einem Besuche in München den Versuch wagte, *) Anmerk. d. Red. Dem Hrn. Verfasser sei für diese Mitteilungen aus dem Leben des sel. Güll herzlich Dank gesagt — zunächst in meinem eigenen Namen, aber, wie ich überzeugt bin, auch im Sinne der vielen Leser, die den Heimgegangenen aus seinen Liedern für junge und alte Kinder kennen und schätzen gelernt hatten. Güll war ein Edler unseres Standes im Vollsinne des Wortes — nach Gesinnung, Ausrüstung und Wirksamkeit. Das bekunden die sichersten Zeugen, die es geben kann, — die Achtung und Liebe, die er in seinem amtlichen Wirkungskreise, in der ev. Gemeinde zu München, in seltenem Maße genoß. Selbst Barmer Geschäftsreisende wußten mir davon zu erzählen. Aber auch seine Dichtungen ließen wohl merken, daß man es mit einem Manne zu thun hatte, dessen schöne poetische Begabung und echt kindlicher Sinn auf tiefem, gediegenem Untergründe ruhten. Er war seit vielen Jahren ein treuer Leser des Ev. Schulblattes, auch damals schon, als das Blatt in Bayern noch wenig Teilnahme finden konnte. Mir ist er diese lange Zeit hindurch ein lieber Freund gewesen, obwohl wir uns niemals von Angesicht zu Angesicht gesehen hatten; nach dem Geist kannten wir uns desto besser. Beiträge zum Ev. Schulblatte hat er zwar nicht geliefert — was im Wege stand, läßt sich hier im Vorbeigehen nicht ausreichend sagen, — dafür hat er aber desto häufiger mich durch private Zuschriften erfreut und gestärkt. Daß dieser Verkehr jetzt schon abbrechen sollte, darauf war ich nicht gefaßt; die Rüstigkeit des Geistes, die aus seinen Briefen sprach, hatte mich die Zahl seiner Jahre vergessen lassen. Nun ruht der treue, arbeitsame „Schulknecht" aus von den irdischen Mühen und Sorgen — in der „stolzen Ruhe" seines Herrn. Sein Andenken wird in seinem engern wie im wei teren Vaterlande und über dessen Grenzen hinaus bei vielen im Segen fortleben. F. W. D. 11