Beilage zum evangelischen Schulblalt. Anfang August 1880. Bemerkungen über den Unterricht in der vaterländischen Geschichte. (Von Lehrer M. in F. in Pommern.) Über die Methode des Unterrichts in der vaterländischen Geschichte ist schon manches Wort geschrieben und geredet worden. Wie steht es nun? Ist die Pä dagogik mit den methodischen Grundsätzen auf dem Reineu, oder frage ich lieber: sind die Schulmänner darin einig? Es scheint nicht. Die Fragen: ob z. B-, wie es bisher zumeist geschah, vornehmlich Staats- und Kriegsbegebenheiten vor zuführen sind, oder ob auch die andern Zweige der Kulturentwickelung (und welche) berücksichtigt werden müssen? — ob eine möglichst zusammenhängende Kenntnis des Geschichtsverlaufs auzustreben ist, oder ob man sich auf einzelne biographische und zeitgeschichtliche Charakterbilder beschränken darf? — ob als Lehrbuch ein kurzer kompendienartiger Leitfaden genügt, oder ob das vom Lehrer Erzählte auch gelesen werden soll und darum ein Lehrbuch mit ausführlichen Dar stellungen nötig ist? — ob zum Einprägen und Reproduzieren ein Frageheft nützlich ist, oder ob ein solches Hülfsmittel entbehrt werden kann? — ob bei jeder geschichtlichen Lektion die darin enthaltenen kulturhistorischen und ethischen Gesichtspunkte eine besondere Besprechung erfordern, oder ob dieselbe unterbleiben darf? — ob der Geschichtsunterricht verlangt, daß die Geographie mit ihm Hand in Hand gehe, oder ob diese ihren gesonderten Weg einschlagen kann? — wie auf der Mittelstufe der Geschichtsunterricht vorbereitet und eingeleitet werden soll? u. s. w. — diese und ähnliche Fragen erfahren in den Lehrerkreisen, Schulblättern und Seminarien offenkundig noch eine sehr verschiedene Beantwor tung. Nun sind aber jene Fragen unzweifelhaft von hervorragender, einschnei dender Wichtigkeit. Im Interesse der Schule und ihrer Zwecke muß man daher angelegentlich wünschen, daß es der pädagogischen Wissenschaft gelinge, diese un erledigten Fragen ins Reine zu bringen, und es dann auch nicht zu lange dauere, bis die gefundenen methodischen Wahrheiten Gemeingut der Praxis werden. Denn so lange der Geschichtsunterricht an so wichtigen Punkten verkehrt angegriffen wird, so lange wird auch der Erfolg viel zu wünschen übrig lassen. Die nachstehenden Bemerkungen haben es jedoch nicht mit den vorbezeichneten Problemen der Didaktik zu thun. 19