368 Zur Mitarbeit der deutschen Lehrer u. Erzieher an einer guten Volksliteratur. Vertreter der geistigen Interessen desselben ernstlich bittet, ihn in „seinen schwie rigen, mühevollen und enorm kostspieligen Bestrebungen unterstützen zu wollen." Es liegen uns die 20 ersten Nummern der Saatkörner vor und wir müssen durchaus lobend anerkennen, daß die äußere Ausstattung recht zweckentsprechend, das Papier und der Druck demjenigen der Gartenlaube und des Daheim an Stärke und Klarheit nicht nachsteht, die Illustrationen meist recht hübsch, und der Preis für jede Nummer, 12 große Folioseiten umfassend, nur 10 Pf. beträgt, wovon obendrein noch 3 Pf. Rabatt zur Anschaffung einer Volksbibliothek, ferner auf je 5 Abonnenten 2 Bände von den oben genannten Schriften des deutschen Hausfreundes als Geschenk geliefert werden. Was den Inhalt des Blattes anbetrifft, so haben wir wohl den Maßstab bezüglich des Bedürfnisses desjenigen Teiles des deutschen Volkes anzulegen, soweit dasselbe nur durch Volks- und Mittelschule (günstigen Falls auch durch eine sich daran anschließende Fortbildungsschule) die Grundlage seiner Bildung gelegt hat. Für diese Bildungsstufe ist das Blatt ganz verständlich und doch auch nicht langweilig, sondern durchweg interessant, ja anregend auch für eine höhere Bil dungsstufe. Dennoch stimmen wir dem Streben des Herrn E. Kempe bei, das Blatt nach und nach mit Zunahme der Freunde und Mittel vollkommener dem Zweck entsprechend zu gestalten, müssen aber auch jetzt schon bekennen, daß aus den hübschen, in den Io Nummern gelieferten Sachen hinlänglich hervorgeht, daß man das Volkstümliche recht geschickt zu Nutz und Frommen des Volkes gewählt und geordnet hat. Sicher wird das Volk, soweit in demselben die Phantasie noch nicht verbildet ist, dem einfachen, klaren Gedankengange folgen, welcher sich in der ersten Erzählung — „Ein Schatz des Arbeiters" von Paul Schumann — entwickelt, und wird nachdenkend manche ökonomische und soziale Wahrheit deutlich und begreiflich darin vorgeführt finden. „Geschichten, Schnurren und Schnaken ans Licht gestellt von Fr. Seidel" sind rein und ohne Anstoß gehalten, erheitern das Gemüt und enthalten in der Fassung schnurriger Anekdoten meist eine leicht zu entdeckende tiefere Wahrheit; z. B. Nr. 7. Untersuche, und — dann strafe, wenn wirklich ein Vergehen vorliegt. „Johann Heinrich Jung's (genannt Stilling) Lebensgeschichte" ist gewiß förderlich und lehrreich, und die Darstellungsweise ganz passend. Die interessanten Darstellmigen ans der Natur- und der Völkerkunde sind anschaulich illustriert und dienen nicht allein zur Unterhaltung, sondern auch zur Belehrung. Sentenzen aus Schiller, Goethe, Lessing, Logau u. a., Volks-, Vaterlandslieder und -Gedichte (z. B. „Warum mein Kaiser die Kornblumen liebt. Von A. Zink) wechseln mit den Erzählungen in recht anziehender Mannig faltigkeit, recht angenehm für das gern Allerlei lesende Volk, ab. Die Auswahl bietet eine gesunde geistige Nahrung, ist vielseitig und doch einheitlich, die Idee festhaltend: das Interesse des deutschen Volkes für das Gute, Schöne und Wahre zu wecken und zu stärken, kurz: das Volk auch dadurch hinzuführen zu dem „Einen, was notwendig ist." — Wer sein Volk lieb hat, trete in Mitarbeit, um auch durch diesen Faktor an der Veredlung seiner Mitmenschen und Brüder zu arbeiten. Sprockhövel in Westfalen. W. Schmitz, Rektor.