Beilage zum evangelischen Schulblatt. Anfang Oktober 1880. Bemerkungen über die Verhandlungen im preuß. Ä.bgeordnetenhause am 11. Febr. 3. Zweiter Artikel. (Vom Herausgeber.) Hilf, daß ich rede stets, Womit ich kann bestehen; Laß kein unnützlich Wort Aus meinem Munde gehen; Und wenn in meinem Stand Ich reden soll und muß. So gieb den Worten Kraft Und Nachdruck, ohn Verdruß. Betrachten wir jetzt die bkiden Einzelfragen aus der Schul-Verwaltung — Lokal- und Kreis-Inspektion — bei welchen die Rede des Hrn. Mi nisters ausmündet. Die hergebrachte Form dieser beiden Aufsichtsinstanzen stimmt bekanntlich in einigen wichtigen Punkten nicht mit den Ansichten und Wünschen des Lehrerstandes überein. Dieser behauptet, daß die Schule und das Schulamt dabei zu kurz kämen. Nun will es ein unglückliches Verhängnis, daß die betreffenden Wünsche der Lehrer teilweise gerade auf^ solche Punkte sich beziehen, wo sie mit Ansprüchen, welche die Geistlichen (im Interesse der Kirche oder aus andern Gründen) erheben zu müssen glauben, in direkte Kollision geraten. Dieser Umstand nötigt mich zu einer Vor bemerkung. Es giebt wohl keine öffentlichen Ämter, welche durch Pflicht und gesellschaft liche Stellung so sehr auf Einmütigkeit und gegenseitige Handreichung angewiesen sind, als das Pfarramt und das Schulamt. Jener Konflikt zwischen gewissen Ansprüchen der Lehrer und gewissen Ansprüchen der Geistlichen, den der historische Gang der Dinge heraufbeschworen hat, aber nicht lösen zu könne» scheint, ist daher ein recht trauriges Geschick, ja ein wahres Unglück für beide Teile. Für den, der sehen will, liegt es deutlich vor Augen, daß Schule und Kirche schwer darunter gelitten haben, — am meisten freilich die Kirche, äußerlich und innerlich. In äußerer Beziehung sei nur an das Umsichgreifen der Simultan schulen in ihren verschiedenen Formen erinnert. Dieselben sind zwar durch jenen Konflikt 24