Anlage zum evangelischen Schulölatt. Bemerkungen über die Verhandlungen im preuß. Ä.bgeordnetenhanse am 11. Febr. d. 3. Zweiter Artikel. (Fortsetzung.) Vom Herausgeber. 4. Durch die hergebrachte Aufsichtsordnung erleidet das Schulamt eine schwere Erniedrigung*). Das Volksschul-Amt erfordert heutzutage eine lange Vorbereitung: nach dem 2 bis 3jährigen Präparandenkursus noch einen 3jährigen Seminarkursus, — und die Absolvierung mehrerer professioneller Prüfungen. Die Rektoren haben sogar 4 Prüfungen zu bestehen: außer den beiden allgemeinen Lehrerprüfungen noch die Mittelschul- und die Rektorprüfung, während bei allen übrigen Beamten klassen nur 2, höchstens 3 Berufsprüfungen verlangt werden. Diese Vorbedingung zur Erlangung eines Schulamtes — das mehrjährige theoretisch-praktische Berufsstudium und die mehrfachen Berufsprüfungen — wolle man fest im Auge behalten. Was verlangt nun die Behörde von denjenigen Personen, welche die Auf seher der Lehrer in der ersten und zweiten Instanz sein sollen? Hier wird an genommen, daß diejenigen, welche ihr Universitätstriennium (in Theologie oder Philologie oder Naturkunde u. s. w.) absolviert und die betreffenden Fachprüfungen *) Die Amtsbrüder, welche an die Lektüre des nachstehenden Abschnittes gehen wollen, möchte ich bitten, einen guten Rat mit ans den Weg zu nehmen — für den Fall, daß sie seiner bedürfen sollten. Wenn sich ihnen im Verlauf des Lesens ein Druck auf der Brust fühlbar macht — schwerer und immer schwerer: so wollen sie dieses Gefühl nicht abzuschütteln versuchen, aber auch nicht kleinmütig werden. Der Volksschullehrerstand ist im Vergleich zu allen andern Ständen noch jung. Von dem einzelnen Manne wird gesagt (Klaglieder 3, 27), es sei ein köstlich Ding, wenn er das Joch in seiner Jugend trage. Sollte das nicht auch von einem Stande gelten? Ohne Zweifel. Ist nun unserm Stande beschieden, ein recht schweres Joch in seiner Jugend zu tragen, so ist ihm damit auch eine eben so große Verheißung vorgehalten. Es kommt somit nur darauf an, daß er sein Demütigungsjoch recht trage — mit Ehren und zur Förderung des inwendigen Menschen: die Verheißung wird dann nicht ausbleiben 29