April 1893. I. Abteilung. Abhandlungen. Ein Kompendium und eine Monographie. Besprochen von O. Foltz.9 II. Uber Apperzeption. Eine psychologisch pädagogische Monographie von Dr. Karl Lange. Vierte verbesserte Auflage. Plauen, F. E. Neupert. 1891. Vielen Lesern des Evang. Schulblattes wird gleich uns die Wirkung unver geßlich sein, welche die hier angezeigte Monographie gleich bei ihrem ersten Er scheinen hervorrief. Schon die schöne, gewählte und doch einfache Sprache machte den angenehmsten Eindruck. Dazu gesellte sich ein Hauch warmen Gemütslebens, der das ganze durchwehte: man fühlte sich durch das Buch zu dem Verfasser persönlich hingezogen. Durch sein methodisches Verfahren regte er die Selbst thätigkeit des Lesers an; man erschuf sich unter seiner Anleitung den Be griff der Apperzeption und erfreute sich des Lichts, das dieser Begriff über viele und verschiedene Thatsachen des geistigen Lebens ausstrahlte, oder doch auszustrahlen schien. Mochte man auch in Einzelheiten nicht mit dem Verf. über einstimmen, so legte man doch das Merkchen mit dem Bewußtsein aus der Hand, in seinem psychologischen Denken und seiner pädagogischen Einsicht entschieden ge fördert worden zu sein. Kein Wunder daher, daß die Monographie sich rasch einbürgerte; innerhalb 12 Jahren (1879—1891) sind vier Auflagen erschienen. Jede folgende Auflage konnte sich dem Leser als eine verbesserte vorstellen; besonders umfassende und durchgreifende Änderungen wies die dritte Auflage auf. Lange sagte darüber im Vorwort: „die fortgesetzten Studien des Ver fassers haben zu einer völligen Umarbeitung des Buches geführt, so daß es zum guten Teil als ein neues erscheint. Neu ist zunächst die geschichtliche Skizze, welche die Entwicklung des Apperzeptionsbegriffes von Leibniz bis auf Wundt behandelt. Die gewonnene historische Einsicht hat weiter zu einer teilweis anderen und, wie wir hoffen, richtigeren Darstellung des Wesens und der Arten der Apperzeption Veranlassung gegeben. Neu ist ferner der Abschnitt, welcher den Anteil der Apperzeption an der geistigen Entwicklung des Menschen, die wich tigsten Apperzeptionsstufen desselben nachzuweisen sucht. Und auch die Frage nach 9 Vgl. Heft l. S. 35 ff. Die Abh. ist dort irrtümlich in die II. Abt. gesetzt. H. 9