I. Abteilung. Abhandlungen. Hier sehen wir, wie der geistliche Dichter es für gut fand, den Ausdruck der Vulgata-Bibel noch zu übersetzen. Später bezeichnet Körper den Leib überhaupt, auch den lebendigen. Das Wort Körper findet sich hauptsächlich im Gegensatz zu Geist und zu Seele, und zwar hat sich Körper mehr zu Geist, Leib mehr zu Seele gestellt. Körper bezeichnet zunächst alles, was nicht geistig ist, also auch unsern Leib. Aber Kör per ist mit dem einheimischen Worte Leib noch bis heute nicht völlig eins ge worden, worauf im vorigen Artikel schon aufmerksam gemacht worden ist. Körper geht uns mehr auf äußere Form, ist darum in gewissen Ausdrücken minder an stößig. Man spricht ganz unbefangen wohl von dem schönen Körper einer Person, nicht von ihrem schönen Leibe; denn das Wort Leib ist sinnlicher und schließt uns meist auch noch Leben und Fühlen ein. Mit Körper schließt mau das Gei stige und Seelische aus und drückt das Leibliche an sich damit am schärfsten aus. Darum spricht man in der Kunst von Körpern, nicht von Leibern. Verallgemeinert ist das Wort Körper, insofern jedes Ding als ein in sich geschlossenes Ganzes erscheint, ohne daß dabei gerade an den Gegensatz von Geist gedacht wird. Zumal in wissenschaftlichem Sinn spricht man von Naturkörpern, Kuustkörperu, Himmelskörpern, geometrischen Körpern. Statt geometrischer Körper sagte man früher auch Leib, so noch 1583 in einem Rechenbuch: „Ein Leib ist eine selbständige Größe mit Flächen umgeben, Länge, Breite und Dicke habend." Und in der Physik haben die festen Körper auch zu dem Ausdruck „flüssige und luftförmige Körper" geführt. Man spricht in der Gegenwart auch von einem Bahnkörper. Endlich bezeichnet Körper eine Menge von Einzelwesen, die ein gegliedertes Ganzes vorstellen oder doch als solches aufgefaßt werden sollen. Hier herrscht meist auch wieder das sächliche Geschlecht. Man spricht von einem Truppenkörper und seinen Gliedern, von einem Armeecorps, dem diplomatischen Corps, von einer Korporation (Körperschaft), von Korporationsrechten. Auch Paulus braucht das Bild eines Körpers, eigentlich des Leibes, wo er vom Haupte Christus spricht und uns als seine Glieder bezeichnet (Eph. 4). Dieselbe Art der Betrachtung liegt noch zu Grunde, wenn man jemand als „Mitglied" einer Gesellschaft be zeichnet, wiewohl man sich des dazu gehörigen Bildes in der Regel nicht mehr bewußt ist. Natürlich kann auch in einem solchen Körper ein Geist wirken, und man spricht von einem „Geist, der in dem Corps thut leben" (Schiller), von einem Corpsgeist. Daß die Wörter Körper und Leib sich oft vertreten können, sieht man auch daran, daß man körperlich und leiblich als gleichstehend verwendet. Ein körperlicher Eid ist ein leiblicher Eid. Man spricht ebenso von körperlichen Vorzügen, Ge brechen, Leiden, körperlicher Ausbildung, Körperausbilduug. Man gebraucht auch Oberkörper und Oberleib, dagegen fast immer nur Unterleib. Auch trägt man