234 I. Abteilung. Abhandlungen. Interessenten an der Schulverwaltung wünsche; daß ich aber im Gegensatze zu ihm 1. die Schule als Staatssache betrachte und 2. seine Begründung der Schul gemeinde durch ein angebliches Erziehungsrecht der Familie bestreite. 11. Mein Herr Gegner tadelt, daß ich der aus Kap. 1 des „Fundament stückes" hervorgehenden unvollständigen Darstellung der Ideen Dörpfelds sofort einige Worte der Beurteilung folgen lasse. Und was thut er? Er führt diese Darstellung zunächst dem Leser vor, weist ihre Unvollständigkeit mit leichter Mühe nach, und kommt damit bequem zum Schluffe: R. habe in seiner Kritik eine teils unvollständige, teils ungenaue, teils unwahre Darstellung von den Ansichten Dörp felds gegeben, er müsse also das von ihm beurteilte Buch entweder gar nicht oder doch nur sehr ungenau gelesen haben. Erst zwei Seiten später teilt er dann dem Leser mit, daß aus dem Fortgange meiner Kritik doch wohl hervorgehe, daß ich die richtige Organisation der Schulgemeinde wenigstens im allgemeinen kenne; ich hätte das vorhin verschwiegen, um imstande zu sein, das Buch in Bausch und Bogen zu verurteilen. Ja, wenn das auch richtig wäre, so möchte ich jetzt wohl in der Lage sein, meinem Herrn Gegner den mir gemachten Vorwurf zurück zugeben. Auch er bemüht sich, den Leser mehrere Seiten lang in der Meinung zu lassen, daß ich wirklich die jetzt bestehende Schulgemeinde als volle Realisierung der Ideen Dörpfelds ansähe, natürlich zu dem Zwecke, jenes oben angeführte Urteil über mich aussprecheu zu können; denn daß dies nach den späteren An führungen nicht mehr möglich war, versteht sich ganz von selbst. Herr D. kann hieraus ersehen, daß es leichter ist, an andern eine Untugend zu rügen als sie selbst zu vermeiden. Übrigens will ich gern zugeben, daß die Worte, die ich mir erlaubte an die Darstellung der jetzt bestehenden Schulgemeindeverfassung anzuknüpfen, leicht miß verstanden werden konnten. Die Berechtigung, sie auszusprecheu, lag für mich teils in dem Umstande, daß die Schrift Dörpfelds laut ihrem Titel zunächst als Schutzschrift für die bestehenden Verhältnisse aufgefaßt werden will, wenn sie auch in ihren späteren Kapiteln bedeutend weiter geht; teils entnahm ich sie dem fol genden Abschnitte des „Fuudamentstückes", in dem die Vorzüge des rheinländischen Schulwesens auf das Vorhandensein der Schulgemeinde, also doch der thatsächlich bestehenden, nicht der idealen, zurückgeführt werden. 12. Auch betreffs dieser Darlegungen muß ich auf dem eingenommenen Standpunkte beharren. Ich finde darin nicht den zwingenden Nachweis davon, daß jene Vorzüge notwendig Resultate der den betreffenden Landesteilen eigen tümlichen Schulverfassung sein müßten. Wohl läßt sich aus einem Teile des Angeführten erkennen, wie vorteilhaft für die Entwicklung des Schulwesens es sei, wenn auch der Bevölkerung ein Anteil an seiner Verwaltung eingeräumt werde. Das ist doch aber auch ohne Einführung der rheinländischen Schul gemeindeverfassung möglich. Auch bei uns im Osten erstreckt sich die Selbst-