400 II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc. als Schulkinder ist also der Lehrer. Nur durch die Anerkenntnis und Durchführung dieses Grundsatzes ist das Recht der Kirche an die Schule gewährleistet. 3. Pastor als Seelsorger der Erwachsenen und Lehrer als Seelsorger der Kleinen sind beide kirchliche Organe und stehen als solche koordiniert, beide dem Kirchenvorstande untergeordnet und beide in der Ausübung ihres seelsorgerischen Berufs von demselben abhängig. 4. Die obligatorische Schulbeaufsichtigung durch den Geistlichen ist nur da be rechtigt, wo der Lehrer nicht wirklich der berufene Seelsorger seiner Schulkinder ist und sein kann, sei es, daß er nicht selbständiger Lehrer, sondern nur Helfer des die schule leitenden Pfarrers ist, sei es, daß er nach Konfession oder Charakter nicht zum kirchlichen Organ geeignet ist. Aber in diesen Fällen ist entweder der Lehrer nicht wirklich Lehrer, oder die Schule nicht wirklich Schule, die für die Kinder in einem das ist und sein muß, was für die Erwachsenen in Staat und Kirche auseinanderfällt. 5. Unter normalen Verhältnissen, also grundsätzlich, ist die obligatorische Beaufsichtigung der Schule durch die Geistlichen falsch und dem Interesse der Kirche zuwider. (Wo im Interesse der Schule Ortsschulaufsicht notwendig ist — bei jüngeren, noch nicht erprobten und nicht fest angestellten Lehrern —, steht sie grundsätzlich Organen der Schule — dem Rektor, älteren Kollegen — zu und ist nur not- und aushilfsweise Pfarrern zu übertragen). 6. Als Seelsorger der der Kirche angehörigen Kindergemeinde sind die Lehrer kirchlich anzuerkennen und zu verpflichten, d. h. zu ordinieren, ebenso wie die Eltern zur häuslichen Seelsorge durch die Trauung ordiniert werden. 7. Die mit der Schulentlassung zeitlich und innerlich zusammenfallende Ent lassung aus der Seelsorge der Lehrer ist die Konfirmation, zu gestalten als kirch liche Entlassung der Kinder durch ihre Lehrer aus der Gemeinde der Unmündigen und Aufnahme in die Gemeinde der Erwachsenen durch den Pastor. Die sinnige Weise der Betrachtung seitens des Referenten trat auch diesmal wieder ins Licht; er gab mit dem Beisatze: „ohne Rücksicht auf die Praxis und derzeitige Durchführbarkeit" den Kritikern von vornherein einen deutlichen Wink. Idealismus und Realismus reichten sich, auf die gesamte Behandlung der Frage gesehen, in interessanter Weise die Hand. Wo Rechte, da Pflichten; aber auch wo Pflichten, da Rechte: das war der grundlegende Gedanke. Ohne Zweifel hat die Kirche ein Recht an die Schule; in den Lehrer freilassenden, ihn wiederum als „Seelsorger der Kleinen" verpflichtendem Sinne meinte es Dr. Zimmer; erst recht wollte er eine hohe und tiefernste Stellung und Aufgabe inmitten der Jugend dem Lehrer zugebilligt sehen; zu ihrer würdigen Erfüllung und Ausrichtung sollte die Ausbildung, Familie, Gemeinde und Kirche beitragen, wenn auch die Lokalschickaufsicht in technischen Fragen in Wegfall käme. — — War bei der Mehrzahl der Redner Einverständnis vorhanden mit These 5 des Referats, so bestand der rheinische Korreferent auf Festhaltung auch der geistlichen Kreisschulinspektion, wünschte aber mit Entschiedenheit kleinere, leicht über sehbare Jnspektionsbereiche und gab dann auch dem Wegfall der Lokalschulaufsicht nach. Wir brechen hier den Bericht ab. So sehr uns das Referat aus dem Kreise der Geistlichen ein Zeugnis für die Umwandlung der Ansichten über Ortsschulinspektion bietet, so wenig sind wir berechtigt davon eine Veränderung der Maßnahmen des Staates zu erwarten. Und daß vollends unsere Landboten