Kleine Chronik. 477 Sprache ist dem Kinde unverständlich und der Schüler lernt sich viel unverstandenes Zeug ein. Nach dieser Gedankenfolge kommt Redner zu folgenden Leitsätzen: 1. Die meisten der jetzigen Realienbücher sind hervorgerufen durch die Ein führung der Realien als selbständige Unterrichtsgegenstände. 2. Etliche sind so beschaffen, daß sie dem Lehrer die Präparation, den Kin dern die Repetition zu erleichtern und beiden helfen können, bei einer Revision bestens zu bestehen. 3. Da bei dem Gebrauche solcher Bücher dem Lehrer leicht eine Fessel an gelegt wird und er Gefahr läuft, sich zu verflachen, und die Kinder zu über bürden und geistig zu schädigen, so ist von der Verwertung eines Realienbuches in der Volksschule abzusehen. In der Debatte wurden die zahlreichen Irrtümer und methodisch längst überlebten Ansichten des Redners eingehend berichtigt und zurückgewiesen und schließlich festgestellt: „Daß vor dem Mißbrauch der guten Realienbücher und dem Gebrauch schlechter Leitfäden zu warnen, die Verwertung eines Reallesebuches nach Dörp- feld'schen Grundsätzen aber dringend zu empfehlen sei!" Im Seitensaal war eine Ausstellung der bedeutendsten Realienwerke ver anstaltet worden; Kahnmeyer und Schulze, Polack, Lettau, Hübner, Krüger, vor allem auch die Hirt'schen Realienbücher in ihrer reichen Auswahl, ferner Clajus, ein Werk der Karlsruher Lehrer und das für Schwarzburg-Rudolstadt besonders bearbeitete Realienbuch seien aus der reichhaltigen Sammlung, die sehr viel be sichtigt wurde, erwähnt. — Um l 1 ^ Uhr fanden sich nahezu alle Mitglieder an der Festtafel wieder zusammen. Trinksprüche und Festgesänge unterbrachen wechselweise die fröhlichen Gespräche, in denen Freunde und Bekannte ihre Erlebnisse austauschten. Die überaus große Zahl der während des Festessens zur Verlesung ge langenden Begrüßungsielegramme abwesender Mitglieder — auch solcher im Waffenrock — sind ein schönes Zeugnis für das innige Band, das alle Vereins mitglieder umschlingt und für das rege Interesse auch der Abwesenden an den Arbeiten des Vereins; man bemerkt, welch warmes Leben im ostfriesischen Lehrer verein pulsiert. — Hoffen wir, daß das Andenken an das schöne Wilhelmshaven den Gästen angenehm bleibt und sie später zur freudigen Wiederkehr gern veranlaßt. W. G—t. Kleine Chronik. 1. Jur Zchulinspcktion der Geistlicheu. Die „Allgemeine Konservative Monatsschrift", herausgegeben von D. von Oertzen und Prof. M. von Nathusius — ein sehr gediegenes wissenschaftliches Blatt, das alle Fragen in Kunst, Wissenschaft und Politik in christlich-konservativem, aber echt weitherzigem Geiste behandelt und keineswegs mit dem parteioffiziellen Konservatismus durch dick und dünn läuft, sondern eine mehr christlich-sociale Richtung vertritt — veröffentlichte imMärzhefte d. I. eine Zuschrift über die Schulinspektion. Der Verfasser, ein gewisser Dr. R., Pfarrer und früherer Seminarlehrer, wendet sich darin in einem eines Geistlichen