3€affioCi|efte Zciffchriff für Grzichung und Sifdung; ODl||cn|chaff - Kunjf - Politik Kauptblatt dev?weigverkSllde des Haiti. kekvevvevbandes des Deu»/eken Aerekes: Tvaunfekweig, LaAel, Hddeskeim, Osnabrück, Tsalz, Rkemkand, Xackjen und a. 8.» Westfalen. Devöstendickungsbtatt dev Hermann Hukevtus-Äiftung. Für IDcfffaCen: 7ov((c$ung der (Pädagogischen Woeste« Beitrüge und Bücher werden nur an den Schrif'letrer, Lehrer Franz Schumacher t« Bochum, ttanalstratze 53 (Fernruf 1393), erbeten Anzeigen und Beilagen sind zu, senden an die Geschäftsstelle, Schür mann & Klagges, Bochum, Mühlenstratze l2, Fernruf 810, 651 und 3833 — Postscheckkonto Nr. 6146 Dortmund — Postfach 26 «rrjcheiut Mittwoch» und Samstag». Anzeigen und Beitrüge müssen für die Milk- mochLnummer bis Sonntag, für die SamSragSnuinmer bis Mittwoch vorliegen. — Bezugspreis: 609 Mk. monatl. (durch die Post zu bez.) Anzeigenpreis: 50 Mk. die Sgefp. Millimeterzeile. Bei tagen; Das Tausend von Ivoo Mk. an ohne Postgeb. Inhalt: Zur Lehrerbildungsfrage. — Probleme und Aufgaben in der Kunst. — Pädagogischer Fortbildungskursus für Lehrer und Lehrerinnen im Institut für wissenschaftliche Pädagogik in Münster. — Aus den Vereinen. — Vereinskalender. — Anzeia-». 2. Jahrgang den 2| . Jehewae 1923 Stummer 15 Zur Lehrerblldun gsfrage. Kritisches zur Kritik des Herrn Giesen in Nr. 10 1923 der P. P. Fritz Schmitz, Köln. Die auf das Wesentliche hinausgehende Fragestellung des Herrn Giesen ist einwandfrei: „Was macht den zukünftigen Lehrer fähig, seinem Berufe als Bildner der Jugend und des deutschen Volkes am sichersten und vollkommensten zu dienen?" Darauf antworte ich, um der Doppelstellung als Lehrer und Erzieher gerecht zu werden, zweierlei: 1. „Der Volksschullehrer mutz der entwickeltste und gebil detste Mann im Volke sein" (Schleiermacher); 2. „Zum Unterrichten braucht man nur etwas zu wissen, zum Erziehen aber mutz man etwas sein" (Stifter). Anders gesagt: Im Volksschullehrer mutz in Personalunion verbunden sein 1. die Autorität des Berufs Wissenschaftlers. 2. die Autorität der Berufs Persönlichkeit. Soweit sind Herr Giesen und ich einig. Wir stimmen also in den Hauptzielen überein — das ist viel. Meinungsverschie denheit herrscht nur hinsichtlich der Mittel zum Zweck — das ist schließlich keine chinesische Mauer. I. Der Weg zur Berufswisscnschast. Da von den öffen-tlichen Schulen nur die Hochschule Pflanz stätte der Wissenschaft ist, so mutz der Weg zur Wissenschaft naturgemäß der Weg zur Hochschule sein. Ferner: Da das Ziel der Allgemeinbildungsanstali selbstverständlich von der Hoch schule, worauf jene vorbereitet, gestellt wird, so mutz die höhere Schule für die Allgemeinbildung der Lehrer volle Hochschulreife vermitteln. Folglich müssen Aufbauschule und deutsche Ober schule (deutsches Gymnasium). falls sie den Lehrern genügen wollen, den andern nach Hochschulreife zielenden Anstalten, wenn nicht gleichartig, so doch unbedingt gleichwertig sein. Sollte dies der Fall sein, so bleiben nur zwei Möglichkeiten:» Entweder führen Aufbau- und Oberschule nicht zur Hochschule, oder das sich an jene Schule anschließende Institut für Fach bildung (einerlei welcher Art) ist keine Hochschule. Was an diesen Folgerungen ohne weiteres evident ist, soll nunmehr auf seine bestimmten sachlichen Gründe zurückgeführt Werden. Eine unmittelbare Vorschule der Hochschule mutz einen Twerfachea Zweck erfüllen: a ) Sie mutz zu ausgesprochen wissenschaftlicher Bildung, d. h. M abstraktem, auf die Einheit der Erkenntnis gerichtetem Denken befähigen: ' "rutz die Grundlage zu einer wissenschaftlich fundierten ^o ^° uun ö legen, indem sie lehrt, die großen Werke und Leistungen der Kultur mit lebendiger Seele zu er- greifen und mit kritischem Blick zu durchmustern. Velde Erfüllungen zusammen machen die formale und materiale Seite der menschlichen Allgemeinbildung aus. Es ist einleuchtend, daß nur ein solcher Unterbau das tragfähige, breite N eines besonderen Oberbaues wissenschafllichen, hoch, tchulmatzigen Fachstudiums abgeben |amv • . Die einseitig auf deuts.^es Kulkurstudium eingestellten Auf bau- und Oberschulen können jenen Forderungen nicht genügen. Die Gründe hierfür sind unzählige Male ausgesprochen worden. Da sie m. E. von niemand anderem so trefflich formuliert wor den sind wie von dem ebenso angesehenen wie erfahrenen, um sichtigen und vorurteilsfreien ehemaligen Würzburger Hoch schulprofessor Remigius Stölzle, so mögen dessen Argu mente hier angeführt werden. Er schreibt: „Diese höhere deut sche Schule (Oberschule) ist keine Anstalt für allgemein-mensch liche Bildung. Zur allgemein-menschlichen Bildung gehört nicht bloß Kenntnis deutsch-völkischen Wesens, was die höhere deutsche Schule ausschließlich auf ihre Fahne schreibt, sondern auch Kenntnis dessen, was in fremden Völkern und Kulturen über national der Menschheit angehört. Dabei wird eine deutsche Schule, wenn sie allgemein-menschliche Bildung vermitteln will, das von fremden Kulturen in erster Linie zur Kenntnis nehmen, was unsere Geschichte, unsere materielle und geistige Kultur bestimmt hat. Und das ist neben dem antiken Griechentum, das besonders in Neuhumanismus unsere zweite Vlüteperiode deut scher Literatur aufs stärkste beeinflußt hat, das Römertum. Dieses beherrschte in Wissenschaft und Recht, Kirche und Schule das ganze Mittelalter und noch weit herauf auch die Neuzeit. Ohne Kenntnis dieser Kulturen bleibt uns die Geschichte unserer deutschen Kultur ein verschlossenes Buch. Dasselbe gilt, wenn wir von französischen und englischen Kultureinflüssen absehen wollten. Wir leben doch nicht auf dem Monde, sonder» mitten in Europa und sind trotz aller Abneigung gegen unsere grau samen Feinde durch tausenderlei Beziehungen mit französischer, englischer und italienischer Kultur verknüpft. Schon das In teresse nationaler Selbstörhaltung fordert von uns Kenntnis nahme der Sprachen der Ausländer, mit denen uns materielle und ideelle Belange verbinden. Eine Schule, die auf Kenntnis antiker und moderner fremder Sprachen verzichtet und damit den Zugang zu diesen Kulturen verschließt, gibt nur eine ein seitig-völkische, aber keine allgemein-menschliche Bildung. Diese höhere deutsche Schule ist daher auch in keiner Weise gleichbe rechtigt mit den bisherigen höheren Lehranstalten, die wirklich die Elemente einer allgemein-menschlichen Bildung und dazu noch ein beträchtliches Matz von mathematisch-naturwissenschaft lichen Kenntnissen vermitteln." Diese Ausführungen sind so überzeugend, und die dahinter | stehende Persönlichkeit ist so autoritativ, daß m. E. die Ober schulangelegenheit zu deren Ungunsten ausreichend geklärt ist, soweit natürlich die Geeignetheit dieser Schule als Vorberei- tungsanstalt für das Hochschulstudium in Betracht kommt. Stölzles Urteil über die deutsche Oberschule ist mit noch größerer Beweiskraft auf die Aufbauschule übertragbar, was aus deren Organisation und aus dem Verhältnis von 9 zu 6 Jahren kur zerhand zu folgern ist. Wenn Herr Giesen dennoch für beide Schularten eintritt, so ist es das vom Standpunkte des Hochschulstudiums aus wohl jedem nüchternen Denker unverständlich. Sachlichkeit in der Beweisführung heißt in der Politik vor allem: Nicht mit dem Herzen, sondern mit dem Verstände politisieren. Bei Herrn