Hiafhöfische Zeitschrift für Gpzichung und Sifdungi IDiMchaff - *3€un|f - Dslikik HauptBlatt der AweigvevBSnde der Kaffi. tekvevoerkander des Beuffefien Jlciefies: Aasern, LvaunseKweig, Gaffel, ßitdesfieim, Gippe, OsnaBriicfi, Tfalz, RKeinlaad, Sacfijen und a. S., lOeJifaied. ’DecöffenflicfiungsStaU der Hermann-HuBertur-8ttstung. Jür IOcfffalen: Qrovffc^ung der ®adagogijcficn lOocftc« Beiträge und Bücher werden nur an den Schriftleiter, Lehrer Franz Schumacher in Bochum, Kanalstraffe 5» (Fernruf 13»3), erbeten. Anzeigen und Beilagen sind zu senden an die Geschäftsstelle, Schllrmann & KlaggeS, Bochum, Mühlenstraffe 12, Fernruf 810, 651 und 3836 — Postscheckkonto Nr. 6146 Dortmund — Postfach 26 «»scheint Mittwoch, und Sa«,tag«. Anzeigen und Beiträge müssen sür die Mit,, wochsnummer dt» Sonntag, für die SamStagSnummer bis Mittwoch vorliegen. — Bezugspreis: 1200 Mk. monall. (durch die Post zu bez.) Anzeigenpreis: 400 Mk. die 8 gesp. Mtlltmeterzeile. Beilagen: DaS Tausend von 10000 Mk. an ohne Postgeb. Inhalt: Neue Hindernisse auf dem Wege zu den neuen Zielen des Le'ebuches. — Vom Büchrrtisch. — Vereinsanzeigen. — des Leseunterrichts. — Grundsätze über Einrichtung und Gebrauch Anzeigen. 2. 3 a ft r gang «mifluooch, den 27. 3uni 1923 «Hummer 41 Neue Hindernisse auf dem Wege zu den neuen Zielen des Leseunterrichts. Mittel zu ihrer Ueberwindung. Bon Joseph Antz, Kreisschulmt in Andernach, l. Allgemeine Bemerkungen. Ueber zwei Jahrzehnte lang kämpfte die deutsche Lehrerschaft um eine Neugestaltung des Leseunterrichts: sie wollte das dichte rische Kunstwerk in seinen: Eigenwerte, um seiner künstlerischen Wirkung willen zur Geltung bringen. Sie erstrebte größere Bewegungsfreiheit in der Auswahl des Lesegutes. Nicht irgend welche didaktischen Zwecke, sondern der Kunstwert einer Dichtung uno die Erfaßbarkeit ihres Gehaltes und ihrer Gestalt, vom Stand punkte der seelischen und geistigen Reife des Kindes aus, sollten in erster Linie bestimmend sein für die Auswahl der Lesestoffe. Die Jugend in ein persönliches Verhältnis zur guten Dichtung zu bringen, erschien wichtiger als Darbietung bestimmter, allgemein vorgeschriebener Werke. Man wollte die Schüler über die engen Grenzen der Lesebuchliteratur hinausführen. Der jugendliche Geist sollte durch sein Eintreten in die Welt größerer Dichtungen, durch Bewältigung und Ergreifung der ihnen gestalteten Werte seine Kraft entfalten und Freude gewinnen. Er sollte das gute Buch als eines der besten Mittel der Selbstbildung schätzen und ge brauchen lernen. Diesen idealen Bestrebungen ist ein voller Erfolg beschieden. Während noch vor wenigen Jahren manche Lehrer an der Ver wirklichung ihrer Ideen durch engherzige Vorgesetzte gehindert wurden, die jeden Schritt über die Grenzen des Hergebrachten als ungehörige Neuerungssucht ablehnten, finden wir jetzt in den Richt linien zur Ausstellung von Lehrplänen sür die oberen Jahrgang: der Volksschule eine glatte und klare Anerkennung der Reform- gedanken. In den einleitenden allgemeinen Grundsätzen wird die Erarbeitung von Unterrichtsergebnissen durch selbständiges Lesen als ein Mittel zur .Entwickelung der Eigentätigkeit der Schüler ckn- gegebeü. Darum sollen Bücher in weitgehendem Maße als Stoff- guellen von den Schülern benutzt werden. „Für diesen Zweck eignen sich aber nur solche, die ihren Gegenstand anschaulich und ins einzelne gehend lebensvoll behandeln. Solche Bücher sind vor allein in den Schulbüchereien bereitzustellen. Büchereien dieser Art sind darum für alle Schulen, besonders auch für wenig gegliederte, erforderlich." Buch und Bücherei werden aber nicht nur im Lichte des Arbeitsschulgedankens - gewertet, sondern den: Unterricht im Deutschen wird u. a. das Ziel gesteckt, „Freude an deutscl)er Art und Dichtung zu wecken". Neben dem Lesebuch oder auch statt seiner gelier, „geeignete Eiuzelsthriften und gegebenenfalls eine Gedichtsammlung als Hilfsmittel für die Einführung in das Schrift tum. Die Pflege des häuslichen Lesens wird besonders empfohlen. Sehr erfreulich ist der Gedanke, die Schüler zum freiwilligen Lernen von Gedichten anzuregen. Mit vollem Recht wird es für wertvoller angesehen, daß die Schüler auf diese Weise mit einer größeren Anzahl von Gedichten bekannt werden und Freude an ihnen gewinnen, als daß sie einige mehr auf Anordnung des Lehrers sich gedächtnismäßig aneignen. Die Wahl der Dichtungen nach der besonderen Neigung der Schüler wird mir besonderem Nachdrucke in dem „Bildnngs- mrd Arbeitsplanftir die achtklassigeu Schulen des Saargebietes" empfohlen. Hier wird ausgeführt: „Um die Freude am Lesen guter Dichtungen zu wecken, empfiehlt eS sich vom 3. Schuljahre ab etwa zweiwöchentlich oder monatlich eim Lesestunde als freie Lesestunde in der Weise zu gestalten, daß darin die Dichtung durch den beseelten Klang der menschlichen Stimme zur unmittelbaren Wirkung auf Ohr und Gemüt der Kinder gelangt. Vom Lehrer und den Schülern werden Märchen und Sagen erzählt. Gedichte vorgetragen, Erzählungen vorgelesen. Das Vorlesen übernimmt in der Regel der Lehrer selbst. Die Stoffe für dies« Stunden sollen soroeit wie möglich von den Kindern selbst gewählt werden." So ist also nunmehr für den Lehrer, der seine Schüler nach Herzenslust in die Welt der Dichtung einführen und sie darin heimisch machen will, endlich nach jeder Richtung hin die Bahn frei gemacht. Nun aber kommt eine neue Schwierigkeit: die ungeheuerliche, noch immer fortschreitende Geldentwertung. Sie bewirkt, daß die von den Gemeinden für Anlegung und Ergänzung der Schüler- büchereien auch nicht im entfernten den vorhandenen Bedürfnisien gerecht werden, daß manche Eltern kaum oder nicht mehr imstande sind, die allernotwendigsten Lernmittel für ihre Kinder zu beschaffen. Die Schwierigkeit ist allerdings nicht so groß, war wenigstens bis her nicht so groß, als sie in der Oeffentlichkeit meist dargestellt wurde. Nüchtern urteilende Beobachter des In- und Auslandes kommen nicht über die Auffassung hinweg, daß ein Volk, das jährlich mehrere Goldmilliarden für Alkohol und Nikotin ausgibt, das dem internationalen Kinokapital Riesengewinne zuführt, in der Klei dung vielfach mehr Luxus entfaltet als vor dem Kriege, auck) noch die Schulbücher seiner Kinder bezahlen und andere Kulturaufgaben in weit besserem Maße wirtschaftlich sicherstellen kann, als man unS glauben machen will. Vielfach gelingt es denn auch geschickten Lehrern ohne Schwierigkeit, die Eltern für die Anschaffung der notwendigen und wertvollen Bücher zu gewinnen. Gleichwohl müssen wir mit der Tatsache rechnen, daß es nir manche Eltern eine glatte Unmöglichkeit ist, auch nur die notwendigsten Schul bücher anzuschaffen, daß viele Gemeinden gar keine oder doch nur sehr unzureichende Mittel für die Schülerbüchereien bewilligen Was nun da tun? Zunächst kommt ?s darauf an. möglichst sparsam mit den ver fügbaren Mitteln zu wirtschaften, möglichst nohlwile Ausgaben geeigneter Schriften für die Klassenlektüre zn benutzen. In größeren Orten mit parallelen Systemen oder mit parallelen Klassen können die für eine Klasse angeschafften Bücher mehrfach benutzt werden. In Trier z. B. besitzen die „Vereinigten Bibliotheken", eine groß« katholische Volks- und Jugendbücherei, geeignete Werke für die Klassenlektüre in gut gebundenen Ausgaben, die an sämtliche Schul systeme der Stadt verliehen werden. Kleinere Gemeinde»! können, wie ein Erlaß des preußischen Ministers für Wissenschrft, Kunst und Volksbildung anregte, zu einer Lehrmittelgemeinschaft zu sammentreten und ihre Bestände austauschen. Wir wollen auch den Gedanken erwägen, daß die Kinder beim Leseunterricht, wie ein Kollege sich ausdrückt, „mit dem Ohre lernen" können. Es ist