/ 3Caffoo(t|c(i& IScifjcht’iff für &rztchung und ‘Bildung: ‘ID&ffcnfcfmff « Wunff — Soßfise Hau-rblatt der Zweigveröande des Rrrkk. Le8rersrs5andes des Deutfcfien Nsiekes: 'Bayern, Vraun/Mweig, LaAel, Hrtdeskeim, Lippe, OsnaörülÄ, Tfakz, Akrmiaml, Xackjen und a. 8., Weftfslen. VerMenÜiekrmgMatt der Hevmann-Hu5evtus Stiftung. 5*ir Wc(ffa(cn: 9oct)egung dev ®öclogogijoften 'Woche. detträge unt Bücher werden nur an den ©djctfiletter, Lehrer Fran; Schumacher in Bochum, Kanalstratze 53 (Fernruf 1393), erbeten. Anzeigen und Beilagen sind zu ienden an die Geschäftsstelle, Schürmann LiKlaggeS, Bochum, Mühlenftrasre 12, Fernruf 810, 661 und 8886 — Postscheckkonto Nr. 6146 Dortmund — Postfach 28 Ikrscheint Mittwoch» und Samstag». Anzeigen und Beitrage müssen für die Miu. wochSnummer bis Sonntag, sitr die SamSlagSnununcr bis Mi rmoch vorliegen. — Bezugspreis: 4000Mk. monatl.fdurch die Post zu bez.)Anzci genpreiS: sovMk. dtebgesp. Milllmeierzciie. Beilagen: DaS Tausend von 20000 Mk. an ohne Postgeb. Inhalt: Kulturpädagogik. — Brunnenöergiftung. — „Schnlfor Vereinskalender. — Anzeigen. — Beilage: Das Schulrecht. tschritte". — Ans der Pfalz und Bayern. — Wirtschaftliche Fragen.—- 58. 3aftf*gang Samstog, dien 7. 1923 fltiimmcs 44 Kulturpädagogik. (Gedanken Jit dem gleichnamigen Aufsatz in Nr. 42.') Gern, sehr gern möchte ich einmal die Frage stellen dürfen, wieviel Leser der P. P. den Aufsatz zur Klüturpädagogik in Sir. 42 gelesen haben. Ich bin immer Optimist und schätze — 10 vom Hundert. Die Zahl ist offenbar zu hoch gegriffen, wenn ich meine besonderen Erfahrungen verallgemeinere. Und doch rnügten es 100 Prozent sein, und diese 100 Prozent mutzten den Aussatz lesen, durchdenken, nochmals lesen und — handeln. Das wäre viel, viel frucl-tbarer für Volk und Stand als die Kämpfe um kollegiale Schulleitung und wertbeständige Löhne und andere Niedliche Sachen, an denen die Kraft und der Wille des einzelnen doch nichts, gar nichts bedeutet. An unrechter Stelle überschätzen N)ir unscrd Kraft; an unrechter Stelle sprechen wir, nach Spengler: Wir können es nidjt ändern. Ein wenig bedauere ich, daß der Aufsatz seinen Ausgangspunkt nimmt von einer — dem Außenstehenden wenigstens so erscheinen den — Gegenüberstellung zwischen Arbeitsschule, Werkunterricht einerseits uru) Kulturpädagogik anderseits. Ich bedauere das, weil ich meine Erfahrungen habe: Wenn es gilt, die „Arbeitsschule", iiber die viel geredet und geschrieben, aber sehr wenig grundsätzlich und gründlich nachgeprüft ist — das hat sie mit dem Schlagwort der kollegialen Schulleitung gemein — also wenn es gilt, ihr eins auszuwischen, dann akzeptiert man schon Dinge, die freilich in dem Ausbau und in der Gestaltrlng später gewiß sich noch schwieriger erweisen werden. Nein, Arbeitsschule — ich schalte den Werkunterricht aus, weil er mir von durchaus untergeordneter Bedeutung scheint! — und Kulturschüle sind nicht Gegensätze, sondern vernlögen sich sehr wohl zu ergangen. Noch mehr) Recht verstanden müssen sie sich ergänzen als F o r m und Idee. Die Arbeitsschule hat nur dann ein LebensrE, wenn sie Kulturpädagogik treibt; und jede Kulturschule wird Arbeitsschule iein. Daö zu beweisen wäre niärr schwer; dariiber nachzudenken würde noch viel fruchtbarer sein, weil es das Wesen der Arbeitsschule, von den: wir ja kaum eine Ahnung haben, ganz gewiß recht schön verdeutlichen könnte. Kultur-Pädagogik! Ein hohes, hohes Ziel! Wie hoch, das ermißt der am besten, der fühlt, ahnt, versteht, wie weit wir davon entfernt sind. Nirgendwo besteht Diltlieys geistvolles Wort mit größerem Recht als hier, daß man scheiden müsse zwischen der Erziehung, wie sie ist — und wie sie sein soll. Mit anderen Worten-: daß zu scheiden ist zwischen Wirklichkeit und Wert. Wer wäre sich iiber den Kulturbegriff der Gegenwart klar? Wir selbst? Unsere Lehrpläne? Schul- und Negierungsräte? Wir stehen in der Wert gestaltung des Btldungsprozesses ganz, aber ganz im 19. Jahr hundert. In der pädagogischen Form ist Herbart überwunden; rm Geist des Unterrichts wachsen wir bei unserm oft nur sporadischen pädagogischen Denken in die mechanische Auffassung des Weltgescl)eheus und Zeitwaltens hinein. Wer's sehen will, braucht nur die Augen aulzutun! Es gelwrt Mut und Arbeit zur Kulturpädagogik! Arbeit zuvorderst. Sie ist vielleicht das leichteste. Wo sind die Bildungs güter, die in den kulturgemäßen Formen gehoben werden sollen? Wo sind lie zu suchen? Sind wir selbst in; der Lage, auch nur uns einigermaßen Rechenschaft zu geben über den Stand des Heute und Gestern, um die Zielrichtung für das Morgen zu gewinnen? Und wie steht diese Richtung zu unserm Ziele? Ach, die Zeit hastet und nimmt uns tausendfach in Anspruch, sie führt uns genau so stark und so vielfach von unserm Berufsleben ab! Und Bücher sind teuer. Versuchen Sie es einmal, in Fachkreisen ein eminent pädagogisches und kulturelles Problem anzuschneiden, flugs heißt es zumeist: Bitte, nicht fachsimpeln! Wem es zufällig geschah, macht nachgerade gern die Probe aufs Exempel. Und doch täte uns daS viel bitterer not als der übliche Bierklatsch! Aber es gilt eine Betrachtungsweise, der man die Wirllichkeitsbörechtigung in gleichem Maße zusprechen muß wie ihr der innere Wert mangelt: Absoluter Altersaufstieg. Wenn man bitter sein wollte und hart, könnte man von der Prämiierung der Trägheit sprechen. Ich bin der unumstößlichen Ueberzeugung, daß eine spätere Zeit diese Politik, die durch und durch sozialistisch ist, nicht verstehen wird; cs sei denn, daß bewiesen oder gezeigt würde, daß es Norm sei, die Tugend der Tugend lvegen zu üben (statt Tugend lies Fleiß!) Wo zeigt sich die Arbeit anderswo? Wo sind die Führer zu solch hohen Zielen? Das ist der starke Vorwurf, den ich den Rektoren niache: Daß sie jenen Teil der Führerschaft, der noch vor Jahren in ihren Händen ruhte, abgaben und heute im Schmoll winkel sitzen, aus Verärgerung oder iveiß was für Motiven den Karren laufen lasserr, Tagebuch und Registratur tadellos in Ordnung halten, — aber keine Führer sind. Mau wende nicht naheliegende Gründe ein: Wer sich durch Mißerfolge äußerer Art so ausschalten läßt, wird niemals Führerpersönlichkeit sein können. Und gerade die sind das Kerrilstück dessen, was uns not tut! Denn letzten Endes kommt es darauf an, daß der Geist die chaotische Masse wieder lebendig macht. Oder deutlicher: Sticht Massen; es ist ein fundamentaler Irrtum, zu glauben, daß Masten gehoben werden könnten. Das werden immer nur einzelne in den Massen sein. Aber das ist der Sinn und das Ziel, diese einzelnen zu einer getvaltigen Heermacht zu gestalten. So gewaltig, daß nicht die Verhältnisse das Sein gepalten, sondern das Sein die Verhältnisse schafft. Wer nicht Anhänger der materialistischen Geschehensauffasiung ist, versündigt sich wider den Geist, wenn er die Sturmflut des Stiedcrgangs über sich hereinbrechen läßt. Ob's nützt oder nicht: das ist nicht deine Frage und deine Aufgabe; tu deine Pflicht so stark, daß du nützen kannst! Wir haben die von uns geforderte Arbeit nicht geleistet. Wie schön hob sich das vor Jahren an! Heute sind die Arbeits gemeinschaften zu Grabe getragen — es gibt Gott sei Dank rühm liche Ausnahmen! —; unsere Junglehrer haben sich tot organisiert; die pädagogischen Musterwochen wirken ein erstaunlich kurzes Matz an Zeit; wer studiert, strebt durchweg nach einein Papierchen, ohne das das „demokratische" (hört! hört!) Deutschland noch viel weniger auskommen kann als das alte, oder kämpft um den Doktorhut, den selbst Kant niemals getragen hat. Wer Pädagog ist aus Berus, das heißt aus innerster Berufung, der gilt den meisten als Tor in der tumbheit. Aber seien wir ganz aufrichtig gegen ung selbst! Haben wir die ideale Aufgabe unseres Berufes erfaßt und erfüllt? Sind wir wirklich Volkslehier, die wir doch sein wollten? Es liegen gewiß tvahrlich nicht alle Fehler auf unserer Seite; ich bin sogar der Ueberzeugung, daß cs die kleinere und niedere Hälfte