‘Kafholijcftc Zciftchviff für&rziehung und 3i(dung tüjjfen'cfiajf — Itunjf — ®oKfi& Laoptblatt dee ZmrigvreSzdr des KafS. feSeemeSandes des Bcatfcfiin Ael-Krs: Bagern Bw-«n|rfa»eig. Cajcl, ßifdesSeim, fippe, OsaaSeasfi. Da?,. «Selnland, Sadijen und o. IvMalen BevöAeniH-Lllngsötatt dev Heemana.Hn8eelns-5kstung. FL» lücffjoscn: Joede'mng der Pädagogischen Woche. zernag* w«fc Bücher lverden nur an den SchrtfllcUer, Lehrer J-ran- Sch uinacher m Bochum, Kanalstratze 53 (Fernruf 1393), erbeten Anzeigen und Beilagen sind zu lenden an die (Nejchaftdüelle, Schür mann LKlaggeS, Bochum, MühlLNÜrake >2, yernrui 8(0, 651 und 3836 — Postscheckkonto Nr. 6146 Dortmund — Postfach 26 Erschein« Mittwochs und Samstags. Anzeigen und Bcuräge müssen sür dte Mitt. wochSnummer brS Sonntag, für dte Sam-tagSnummer bt» Mittwoch vorliegen. — Bezugspreis: 6000 Mk. monatl. (durch dte Post zu bez.) Anzeigenpreis: 1.—Mk. dte 8gcsp. Mill.-Zeile x Schlüffelz. Bc'l.: 1000 v. 20.. Mk. an>« Schlüssel,, ohne Postgel'. Inhalt: Der Lehrberuf im Lichte der christlichen Betrachtung. - Randbemerkungen zur Lehrerbilbungsfrage. - Der Dolchfto» gegen Vas Lehrerseminar. — Wirtschaftliche Fragen. — Aus den Vereinen. — Vereinskalender. — Anzeigen 2. Jahrgang Snmsfiag, den IS. £lugu/f 1923 Olummar 53 Der Lehrberuf int Lichte der christlichen Betrachtung. *) Im deutschen Wortschatz sind die sprachlichen Gaben, welche wir dem Christentum verdanken, teils an der lateinischen Form erkennbar, teils haben sie sich so in unseren Sprachbau eingefügt, daß wir gewöhnt sind, sie als heimatliches Gut zu betrachten. Zu den Wörtern, welchen man den kirchlichen Ursprung nicht ansieht, gehört das Wort Beruf, von dem man ausgehen kann, wenn man auf der Grundlage des katholischen Berussgedankens die Berufsauffassung des christlichen Lehrers zeigen soll. Das Wort Beruf ist die Uebersetzung des lateinischen vocatio, das Einladung. Ruf bedeutet und mit dem Tätigkeitswort vocare — rufen, herbeirufen, berufen zusammenhängt. Vocalio ----- Beruf gehört zum Wortschatz des Apostels Paulus und der entsprechende ethische Begriff zu seinem Gedankenschatz. Im ersten Korintherbrief (7.20) bedient er sich dieses Aus drucks: „Unusquisque in qua vocatione vocatus esl, in ea permanet“, d. h. „Ein jeder bleibe in dem Berufe, in welchem er berufen ward". Was er da unter Beruf versteht, erfahren wir in den beiden nächsten Versen: „Bist du als Sklave berufen, so laß dich dies nicht bekümmern: denn wer im Herrn berufen ist als Knecht, ist ein Freigelassener des Herrn; gleicherweise wer als Freier berufen ist, ist ein Knecht Christi. Worin ein jeder berufen ist, Brüder, darin bleibe er bei Gott". Das will besagen: Alle Christen sind vor dem Herrn gleich, welches auch ihre Stellung fein mag. Jeder bleibe darum in der Lebens stellung, in welcher er zum Christentum berufen ward.. Welches Geschäft du auch immer hast und betreibst, in ihm bist du von Gott berufen mitzuwirken am und im Gottesstaate. Hier gebraucht Paulus das Wort vocatio — Beruf im Hin blick auf die vielartigen Sklavendienste ganz allgemein, also mit Anwendung auf die gewöhnlichen Beschäftigungen der Men schen in der Welt. Beim Gebrauch dieses Wortes schwebte ihm wohl der Gedanke vor der Seele: Jede Arbeit ist sittliche Pflicht im Dienste der Mitmenschen, der Kirche und Gottes. Er be zeichnet also mit Beruf die Aufgabe, die jeder einzelne in der christlichen Gemeinschaft und für diese Gemeinschaft zu leisten hat. Die religiösen Vorstellungen, der Wirklichkeitssinnn und Tiefblick des Paulus haben also das erzeugt, was wir heute den Verufsgedanken nennen. Dieser Berufsgedanke lebt seitdem in der katholischen Kirche. Cie lehrt Gesetz und Pflicht der Arbeit und die Notwendigkeit der in verschiedenen Berufen sich vollziehenden Arbeit für den etnzelnen. seine Familie und die Gesellschaft. Sie lehrt die Wurde und Größe aller dieser Arbeiten und deren Zurückfüh- rung auf Gott als von ihm gegeben und auf ihn zielend, womit erne wesentliche Verbindung der zwei Begriffe weltlicher Be- *) Abdruck aus Volksschularbeit, Jahrgang 1922/23. Sekt 12, einer Monatsschrift zum Ausbau der kath. Bekenntnisschule, herausgegeben von Eg. Albrechtskirchlnser, beziehbar nur durch die Post. ruf und religiöses Leben gegeben ist in dem einen Begriffe Gottesdienst. Paulus gebraucht vocalio — Beruf auch noch in einem be sonderen Sinne. Im Hebräerbrief (5, 4) schreibt er in Bezug auf das Priesterium, niemand maße sich diese Würde an: „msi qui vocatur a deo iamquam Aaron“, d. h. „Niemand nimmt sich diese Ehre, wenn nicht Gott ihn beruft wie den Aaron". Dieser Satz kann noch beleuchtet werden durch Stellen aus dem Epheserbrief (4, 11—13): „Christus verordnete die einen zu Apostel, die an deren zu Propheten, die einen als Evangelisten, andere zu Hirten und Lehrern, damit die Heiligen die Einrichtung er halten zur Errichtung des Lehramtes und zum Aufbau des Leibes Christi". Da werden die besonderen Aufgaben des geistlichen Lehr amtes genannt, bestehend in der Ueberlieferung der katholischen Lehre und in der Einordnung der Getauften in den Leib Christi, in die Kirche. Auch im Hebräer- und Epheserbrief bezeichnet Beruf eine Lebensstellung von Gott gewollt und gegeben. Aber es liegt ein großartiger Gradunterschied vor in der Art, wie man in den Beruf hineinkommt. Während das Hineinkommen bei den übrigen Berufen ein rein weltlich Ding ist, wird zum geistlichen Lehramt die Einzelperson, besonders von Gott be stellt entweder — und das ist die Ausnahme — durch eine pri vate Offenbarung oder — und das ist die Regel — durch die gewöhnlichen W^e der Gnade. Diese religiöse Auserwählung einzelner Menschen für das geistliche Lehramt können wir innerhalb sämtlicher Berufs arten gleichsam als den Turm betrachten, der über den Bau hinausragt, jedoch darin wurzelt und organisch damit verwachsen ist. Das Ganze ist der Himmel und Erde umspannende katho lische Berufsgedanke. Auf Grund dieses Eedankenbaues soll nun in wesentlichen Strichen gezeichnet werden, wie die katholische Volksschullehrer schaft ihren Beruf auffaßt. Jeder Beruf hat Lebensunterhalt und Lebensinhalt zu geben. Der Lehrberuf wurde auch von uns zunächst ergriffen, damit wir unser Brot verdienen und das Dasein unserer Fami lie sichern, ihren Wohlstand begründen. Wir erkennen dabei unsere Abhängigkeit von anderen Berufen an, von der Arbeit und Liebe unserer Mitmenschen und letzten Endes unsere Ab hängigkeit von Gott. Darum beten wir immer demütigen Her zens: Gib uns heute unser tägliches Brot! Aber Gelderwerb und nur Gelderwerb ist uns fremd. Mit der goldenen Mitte zwischen arm und reich geben wir uns zufrieden. Dieser Ver sorgungsgedanke ist die individuelle Seite und die reale Ober schicht des katholischen Derufsgedankens und unserer Berufs auffassung. Desien Mittel- und Tiefenschicht erst bergen dir idealen Momente, die uns Lebensinhalt gewähren. Wir betrachten unseren Beruf als eine soziale Tätigkeit. Wir lehren um der Gemeinschaft wegen und aus der Gesinnung heraus, wie der Vater für die Sprößlinge feiner Familie sorgt. Zwar nehmen wir innerhalb des ganzen Lehrstandes eine de- fcheidene Stellung ein. AnfangMräLde haben wir Lu übulie- ••