katholische Zeitschrift für Beziehung und SUdung: Wissenschaft - TCunJf - Politik Souprßfaff dev SwelgoerBände des Karst, kekrervrrkandes der Deuffeken Keidrer; Aasern. Araunsekwelg, kaffei. Hiderlteim. Hokenzoülecn. Lippe. Horden. Ornabrüdi. Pa!z. fiäein'and. Snüsen und a. §.. Weltlahn. VeröjfentlscftungsBlatt dev Sevmana-ßuBevtus-Sliltung' 5üt 10cfffa(cn: ffotfjc^ung der ^Pädagogischen IDooftc. ■atUiagc und Biicher werden nur an den Schriftleiter, Lehrer Kran, Schumacher >n Bochum, «analsrrake (gernruf l»93), erbeien. Anzeigen und Beilagen sind zu 'enden an die GefchäftSiteUe, Schurmaiin Li Klogge«, Bochum, Muhlcnstr. »r, rernrul »10. Ml und »836. — Postscheckkonto Nr. 0l4ß Dortmund. — Postfach *o. »eichet«» Mittwoch« «ad Samstag». Anzeigen uns Beurä>e müssen für die Mttirvoch«numrner dt» Sonntag, für dt« Sam»>agknummer dt« Miltwoch vorliegen. Bezug«prei»r 1 Goldmark monail. (durch die Post zu £>,,.) Anzeigenpreis: 6 Goldpf. die 8 geso. SttUl.'öeUe. Beilagen: looo von 1.20 Gold n. an (ohne Postgeb.) Inhalt' Der Geschichtsunterricht im Sinne Gaudigs. — Ein Llteratur-bericht Wer den modernen Geschichtsunterricht. — Der schwarze Tod in Buer. — Aus den Vereinen. — Aus der P/alz und Bauern. — WirtjchÄtliche Fragen. — Dies und das. — Vereins- kalender. — Anzeigen. Jahrgang JYItfiwoch, den 12. Dezember 1923 dlumtnct* 67 Der Geschichtsunterricht im Sinne Gaudigs. Dahl ho ff, Bad Homburg v. d. Höhe. „Arbeitsschule! Arbettsprinzip und Arbeitsmethode!" So schallt es durch den pädagogischen Blätterwald! Das ist das Echo jeder amtlichen und außeramtlichen Lehrerversammlung. Arme, fast zu Tode gehetzte Bezeichnungen . . . noch ehe ihr Begriff ein deutig festgelegt ist. Die Abwartenden — ich bekenne mich zu ihnen — sind der Ansicht, daß dieReformer bislang nichts Besseres — oder soll ich sagen nichts anderes — bieten wie Commenius mit der Idee der Anschauung, Rousseau mit dem Er lebnis, Fröbel mit seiner Auffassung von der schaffenden Hand Und Pestalozzi mit seinem feinen sozialen Verständnisse. Ich könnte Sur Ergänzung noch auf Rabelais, Montaigne, Francke, Fichte und Herbart verweisen. „ _ 4V<W . . <>n drei Enttvickelnngsrcihen lasten sich die Führer der neuen Idee" einordnen. Seidel, Götze, Dr. Pabst, Kerschensteiner und Rektor Scinig machten die Handarbeit zum Mittelpunkte des Unter, richtes und leiten von der .Hanbbetätigung — mehr oder weniger — alle Bildung ab. m M r . fcI Linde Weber, Scharrelmarn, Gansberg und Gaudig sind die führenden Männer vom Prinzipe der geistigen Selbsttätigkeit. Die Handbetätigung ist ihnen Nebensache, vielleicht wird sie hie und da mal ergänzend herangezogen. ^ .. lftl Dazwischen steht die vermittelnde Richtung, welche die gichtige Selbsttätigkeit der Schüler schärfer als bislang unterstreicht, die Betätigung der Hand als wertvolle Leistung aber nicht abweist. Kann denn ein Kind soviel Aktivität und Produktivität ent falten, um die Unterrichtsstoffe selbst zu entwickeln? Sind denn Kinder nicht häufiger passiv empfänglich und seltener produktiv tätig? Ist die Arbeitsschule im modernen Sinne nicht zu viel «Experiment und zwar gefährliches Experiment auf Kosten des Kindes? Man hat zu oft die Auffassung, daß für Gaudig alle diese Bedenken nicht bestehen. Er will, daß der Schüler „bestimmend" im Unterrichte ist nur so kann er zu einer Persönlichkeit werden, «war stellt Gaudig selbst das Arbeitsziel auf, dann aber sucht er mit den Seilern die Mittel, welche zur Erreichung des Zieles füllten, der Wen wird schrittweise gefunden, dann wird da» Er gebnis seftgestellt. Das gebt nur. wenn die Arbeit dem Lchnler Selbständigkeit des Schülers. , So wird der Schüler nach Gaudig zu einer „Persönlichkeit wohin der Lehrer seine Zöglinge nur bringen kann, wenn er selbst eine „Persönlichkeit" ist, d. h. wenn er ein gesteigertes bringen kann, wenn er selbst eme „Persönlichkeit ist, d- h. wen er selbst eine „Persönlichkeit" ist, d. h. wenn er ein „gesteigertes Berantmortuna'iaefülil" eine geläuterte Gesinnung und eine »gesteigerte Kraft" besitzt, wenn er sich selbst andauernd scharf unter Kontrolle nimmt, wenn er Bildung (nicht nur Wissen) hall .;st nicht „Firnis" (Salzmanns Symbolum in weitestem Smne) unter neuer Flagge, in neuer Fassung? Gehört in bieten R^-men nicht die Rücksicht auf die Schüler. »e Vorbereitung auf lebe Lehrstunde, die Schülersrage? Gaudig ist Psycholog,,q tief .undiert, er will das Schillerwort: „Dus ist's ja, was den Menschen zieret, ünd dazu ward ihm der Verstand, daß er im innern Herzen spur t. was er erschafft mit seiner Hand!" zur Wirklichkeit machen. Die Kinder sollen lernen, ihren Verstand zu gebrauchen. Sie sollen den Stoff „verständig" aufnehmen. Der Lehrer soll soweit zurück treten, wie das der jeweilige Stoff eben gestattet. Der Lehrer soll nicht im Vordergründe stehen. Daß.er eingreifen muß, versteht sich von selbst; denn woher sollen Lösung, Wetterführung und rechte Richtung an den Wendepunkteg kommen — wenn nicht von ihm? Wenn Gaudig nun verlangt, daß die Schüler mit dem Maße der ihnen zur Verfügung stehenden Erkenntniskraft das Leben einer Unterrichtsstunde miterleben sollen, indem sie Herz und Willen in der rechten Weise einstellen, auf daß die Kinder später handeln im Geiste ihrer Lehrer, so übersieht Gaudig doch keines- rvegs die Schwierigkeiten und Gefahren, denen eine solche Er- ziehung und ein solcher Unterricht ausgesetzt sind: einer gefähr lichen Doppelheit des Bewußtseins, einer Lebensauffassung, die einer „Utopia" gleicht, der Zustenerung aus ein Leben, das ander aussieht wie das wirkliche Lcben. Gaudig vertrttt — im Gegen satze zu Spengler — z. B. die Auffassung, daß es möglich ist, Sinn und Idee der Griechen und Römer zu erfassen. Deshalb stellt er seinen Schülern als erstrebenswertes Lebensideal den Lebensweg der Jugend des klassischen Altertums vor. Auf den Seiten 334 und 336 des I. Bandes Die Schule km Dienste der werdenden Persönlichkeit umreißt Gaudig voraus schauend — das Buch wurde 1917 gedruckt — den Stofs für de«: Geschichts-Unterricht der Volksschule: Das staatliche Leben ist das wichtigste Gebiet, es muß in seiner ganzen Breite gefaßt werden: Staatsgebiet, Staatsangehörige, Staatsform, Staatstätigkeit. Alle übrigen Fächer führen dem Geschichtsunterricht eine Fülle geschichtlichen Stoffes zu. Kriegs ganz ausschalten, hieße nach Gaudig, Verzicht leisten auf geschicht- liches Verständnis der Knlturentwickelung. Das Elend, das Kriege im Gefolge haben, will Gaudig weder verschleiern noch unzuläng lich darstellen. Aber die Jugend muß lernen, die Ursachen scharf zu erfassen und zu erkennen, daß Kriege oft das einzige Mittel waren, durch die ein Volk feine äußere und seine moralisch» Existenz sichern konnte. Gaudig will den Sinn der Jugend für die Größe edlen Heldentums auf allen Gebieten wecken — nicht um als Folge einen „säbclrassenden Patriotismus" zu erzielen, sondern Bereitschaft im Kampfe für die Ehre der Nation." Vor allem sollen die Schüler das Tragische im jetzigen Niedergänge deS deutschen Volkes erkennen, damit sie später al- Erwachsene das deutsche Volksleben mit geschichtlichem Sinne an sehen. Heute bringen so viele, viele Deutsche unserer trostlosen gegenwärtigen Lage gar kein Verständnis entgegen, weil sie im Geschichts-Unterricht nicht „sehen", gelernt haben, weil sie nicht gelernt haben, die Spuren der Vergangenheit in der Gegenwart zu erkennen, weil sie nicht in Erdkunde, Naturkunde, Deutsch «nd Rechnen „Elemente" für Geschichte gesammelt haben, weil der Lehrer nicht verstanden hat, auf lange „Sicht" zu arbeiten, weil die Kinder an „guellenfrischen Darbietungen" nicht „eingestimmt" sind, weil sie das deutsche Kulturleben nicht in Breite überschauen, weil bei der Stoffülle die Stoffauswahl nicht in wahrer, rechter Bo- fchränkung vorgenommen wurde, weil die Kinder das Wesen der deutschen Sprache, den Reichtum unserer Kunst, die Tiefe dt Geschichte des deutschen Volkes nicht erfaßt haben, weil sie nicht gelernt haben, mit dem Höchstmaße von Leit und Kraft in echte»