138 mütterlichen Berufe hat das Recht an das innerste Reich des Menschen. Ihre Mütterlichkeit in höherem Sinne ist ihr Leitstern. Fräulein Schmitz, unsere erste Vorsitzende, dankt für die vielen lieben Worte der Begrüßung. Sie kennzeichnet unsere hauptver- sammlungen als Familienfeste, an denen wir unsere treukatholische Gesinnung zum Ausdruck bringen. Die Begrüßungsversammlung wurde verschönt durch Darbietungen der Ronzertsängerin Fräulein Ulara Rortz aus Gberhausen. Ihr „halleluja" von Hummel erweckte in allen Suhörern sieghaftes pfingst, vertrauen. Abends 7 Uhr fanden zu gleicher Zeit Sitzungen der Abteilung für höhere Mädchenbildung und des Bundes -er Lehramts- bewerberinnen statt. Die Berichte darüber erscheinen in der Müdchenbildung und in der Jungen Lehrerin. Pfingstmontag. vormittags io Uhr: Erste öffentliche Versammlung. Leitung: Fräulein Hauptlehrerin Sturm, München; Schriftführerin: Fräulein Rrand, Düsseldorf. Die erste Vorsitzende des v. k. d. L., Fräulein Schmitz, eröffnet die erste öffentliche Versammlung mit dem christlichen Gruße und begrüßt dann mit warmen Worten die Vertreter der geistlichen und weltlichen Behörden, vor allem den hochwürdigsten Herrn weih. bischof Dr. Sproll, Herrn Gberregierungsrat Dr. Kottmann, Fräulein RegierungsrätN Dr. Vollmer und die Mitglieder der Parlamente des Reichs und der Länder unter den Gästen und Vereinsmitgliedern. Ihr Gruß gilt sodann allen von nah und fern erschienenen Vereins, fchwestern, besonders denen, die infolge der Ungunst der politischen Lage nur mit großen Beschwerden den Besuch der Hauptversammlung ermöglicht hatten, und gedenkt auch aller, die infolge der gerade kürzlich eingetretenen hinderniffe nicht erscheinen Konnten. Sodann entwickelt Fräulein Schmitz Ziel und Rufgaben unseres Vereins. Sie schließt mit dem Wunsche, daß die Tagung in solch schwerer Seit es als ihre Hauptaufgabe betrachten möge, beizutragen zur seelischen Erneuerung des Volkes. Ruf Vorschlag der vereinsleitung übernehmen folgende Damen die Leitung der einzelnen Versammlungen: Fräulein Sturm, München; Fräulein Stoffels. M. d. pr. L.; Frälüein heinen, Barmen; Fräulein Bochnig, Laurahütte; Fräulein Fritz, Schwäb.. Gmünd; Fräulein Badenberg, Steele und Fräulein Reitling, Elberfeld; folgende Damen die Protokollführung: Fräulein Vogt, Thale a. h.; Fräulein Rrand, Düsseldorf; Fräulein May, Rrefeld; Fräulein Sander, Thale a. h.; Fräulein wiederholt, Hannover; Fräulein Reitling, Elberfeld; Fräu. lein wilkens, z. 3. Berlin und Fräulein Rnoffalla, Berlin. Die weitere Leitung der ersten Versammlung übernimmt nun Fräulein Simm, München. Sie bittet zunächst den hochwürdigsten Herrn Weihbischof, einige Worte an die Versammlung zu richten. Dieser überbringt Grüße des hochwürdigsten Herrn Bischofs Dr. v. Reppler und spricht warme Worte über den wert und die starke Macht einer sittlich-religiösen Persönlichkeit im Erzieherberuf, die ihr voll endetes Vorbild in der Person Christi findet, und schließt mit dem Wunsch, daß die Tagung segensreich für alle werden möge. Sodann übermittelt Frau Regierungsrätin Dr. Vollmer die Grüße und wünsche des württembergischen Rultusministeriums und des Staats Präsidenten, der durch eine auswärtige Verpflichtung am per sönlichen Erscheinen verhindert ist. Frau Gemeinderätin Rrmbruster begrüßt die Versammlung im Namen der Stadtverwaltung von Stuttgart, die das größte Interesse für die Berufs- und Standesfragen der Lehrerinnen habe. Fräulein Sturm spricht allen Rednern herzlichen Dank für die lieben Worte der Begrüßung aus. hierauf erstattet Fräulein Mleinek, Berlin, einen Bericht über die Vereinsarbeit des letzten Jahres? Dann gibt Fräulein Sturm die inzwischen eingelaufenen Be grüßungsschreiben bekannt. (Rn den übrigen verhandlungstagen liefen noch weitere Schreiben ein, u. a. vom Reichsministerium des Innern und von den Rultusministerien von Preußen, Bayern, Baden, heffen und Oldenburg. Sehr erfreulich ist auch das Interesse für * BU kurzen Ausführungen werden hier übergangen, da di« Wochen- fchrist den ausführlichen Jahresbericht bringt. den v. k. d. L., das der deutsche Episkopat in den Begrüßungs schreiben an den Tag legt.) Sodann werden mit Genehmigung der Versammlung Begrüßungs- telegramme abgesandt an den hl. Vater durch den päpstlichen Nuntius, sowie die Rardinäle Schulte und Bertram und an Bischof v. Reppler von Rottenburg. Es folgt der Vortrag von Fräulein Fritz, Gmünd: «Die katho. lische Lehrerin und die Schule? Nachdem Fräulein Sturm Fräulein Fritz den Dank der ver- sammlung für ihren inhaltreichen Vortrag ausgesprochen hat, schließt sie die erste öffentliche Versammlung. Nachmittags S Uhr: Erste Mitgliederversammlung. Leitung: Fräulein E. Stoffels, M. d. pr. L.; Schriftführerin: Fräulein May, Rrefeld. Ver Delegiertenaufruf ergibt die Rnwefenheit von 140 Delegierten. Es stehen zur Behandlung die Volksschulfragen: Unsere Forderungen zur Umgestaltung der volrrfchullehrerlnnenbNdnvg. Fräulein Schmitz berichtet über die vorarbeiten: 3ur Bearbeitung der Lehrerbildungsfrage sind zwei Rurschüffe gebildet worden, von denen einer in Berlin, der andere in Loblenz seinen Sitz hat. In Berlin sollten die Fragen der Organisation der LehrerbUdung, in Loblenz die Frage des Bildungsstoffes bearbeitet werden. Rts Ergebnis der Berliner Russchußarbeiten liegen die in der Wochenschrift vom 5. Mal veröffentlichten Leitsätze vor. Sie sollen zunächst jetzt in der Haupt- Versammlung und dann in den Bezirksvereinen besprochen werden. Bis zum 1. Rugust mögen der Hauptgeschäftsstelle Meinung« äuße. rungen zugesandt werden. Rn diesem Zeitpunkt gelten die Richt- linien als angenommen, wenn sich kein beachtenswerter Widerspruch erhoben hat, andernfalls werden die Leitsätze einer erneuten Prüfung unterzogen. Dann tritt die Versammlung in die Besprechung der Leitsätze ein. 1. Dauer der Berufsausbildung. Es ergibt sich eine Meinungsverschiedenheit darüber, ob die Berufsausbildung zwei oder drei Jahre dauern soll. Nach kurzer Besprechung wird die Rb- stimmung über diesen Satz bis zum Schluß ausgesetzt. 2. Grt der Rusbildung. Der vorgeschlagene Leitsatz lautet: „Für die Berufsausbildung sind konfessionelle pädagogische Uni- versitätrfakultäten zu erstreben. Solange und wo diese nicht zu erreichen sind, erfolgt sie an selbständigen, konfessionellen, pädago gischen Hochschulen, die tunlichst mit einer anderen Hochschule in Verbindung stehen." - In der Debatte wurden Bedenken geäußert, den ersten Satz in die Leitsätze aufzunehmen, da gegnerische Rreise daraus wohl die Forde rung der Universitätsbildung, nicht aber die des konfessionellen, pädagogischen Charakters der Lehrerbildung herauslesen würden. Fräulein Schmitz und andere weisen daraus hin, daß der erste Satz Grundsätzliches enthalte und wir den Mut haben müßten, gründ, sätzliche Forderungen auch ohne Rücksicht auf sofortige praktische vurchführungsmöglichkeiten aufzustellen. Es gehen aus der Versammlung Abänderungsvorschläge ein, die den ersten Satz etwa folgendermaßen fassen wollen: „Solange wir keine konfessionellen, pädagogischen Universitätr. fakultäten haben, erfolgt die Berufsausbildung an selbständigen, Kon. fessionellen pädagogischen Hochschulen, die tunlichst mit einer anderen Hochschule in Verbindung stehen." von einer Seite wird festgestellt, daß die Idealforderung der deutschen Ratholiken die katholische Universität sein müffe, nicht einzelne Universttätsfakultäten. von anderer Seite wird unterstrichen: als oberster Grundsatz in unseren Leitsätzen gilt die konfessionelle pädagogische Rusbildung. weiter geht der Rntrag ein: „Weltanschauungsprofessuren für Pädagogik sind zu erstreben." Nach dieser Kursprache wird beantragt, nur noch das in der Versammlung zu besprechen, was von den Hamburger Leitsätzen zur Lehrerinnenbildung abweicht, dann die Leitsätze einem Russchuß zur etwaigen Umbildung zu überweisen unter 3ugrundelegung des in der Besprechung gewonnenen Materials und die neue Fassung den Mitgliedern in der letzten Mitgliederversammlung vorzulegen. Der Rntrag wird angenommen und der Ausschuß gebildet. » Ver Wortlaut folgt in eiUer der nächsten Nummern.