Bei der Besprechung der folgenden Sätze wurden weitere Kn- regungen für die Neubearbeitung der Leitsätze gegeben, u. a. auch: Die heimschaffenden Kräfte der Frau müssen durch die Berufsausbildung geweckt werden. — Die Religionswissenschaft ist in die Rusbildung einzubeziehen. - Die praktische Rusbildung soll auch Kenntnis ver- Mitteln über die Arbeit an der einklassigen Schule. - Statt: „Vas Studium eines wissenschaftlichen Hauptfaches neben der Pädagogik ist abzulehnen" möge es heißen: „Als wissenschaftlicher Hauptfach gilt die Pädagogik". Vas Material wird dem Ausschuß zur Verfügung gestellt. (Er besteht aus Fräulein Schmitz, Badenberg, Pfennings, hüsemann, Dr. Teichmann, Unterlöhner, Beyerle, Kruthaup und Herrn Prä- laten Mausbach. Des Zusammenhangs wegen folgen schon hier die neuen Leitsätze, welche in der dritten Mitgliederversammlung verlesen und ange nommen wurden. Der Vorschlag des Ausschusses stellte die Rur- führung des einen Teils der auf der Hauptversammlung zu Hamburg angenommenen Leitsätze dar, die neue Fassung vereinigt beide. Leitsätze zur Berufsausbildung der volksschullehrer und -lehrerinnen. Im Hinblick auf unsere katholischen Bildungs- und Lrziehungs- ideale muß der konfessionelle Lharakter der Lehrer- und Lehrerinnen- bildung in vollem Umfange gefordert worden. Die Allgemeinbildung ist von der Berufsbildung zu trennen. A. Allgemeinbildung. Die Allgemeinbildung erfolgt in höheren Lehranstalten mit dem Siel des Reifezeugnisses; für Lehrerinnen in höheren Anstalten für die weibliche Jugend. B. Berufsbildung. 1. Die Berufsausbildung umfaßt mindestens zwei Jahre. Dazu tritt eine einjährige Probezeit. 2. Die berufliche Ausbildung erfolgt an konfessionellen päd agogischen Hochschulen, die tunlichst mit einer Universität oder ähnlichen Hochschulen in Verbindung stehen. Um die Verwirklichung der weiblichen BUdungsideale zu sichern, sind für Lehrerinnen eigene pädagogische Hochschulen oder wenigstens gesonderte Einrichtungen zu fordern. Die Verbindung mit der Universität kann auf folgende weise hergestellt werden: a) Universitäts-Professoren halten Vorlesungen und Übungen in der pädagogischen Hochschule; d) ein Teil der wissenschaftlichen Ausbildung erfolgt durch diese Hochschule und ihre entsprechenden Einrichtungen. 3. Aufgaben der pädagogischen Hochschule sind die theo retische und praktische Berufsausbildung. Die theoretische Ausbildung erstreckt sich auf allgemeine Unterrichts, und Lrziehunglehre mit ihren Hilfswissenschaften (Psycho logie, Logik, Erkenntnistheorie, Ästhetik, Soziologie, Hygiene) sowie auf ihre religiösen und sittlichen Grundlagen; außerdem auf Geschichte der Pädagogik und Philosophie, Schulrecht, Schulkunde und die Methodik sämtlicher Volksschulfächer. Die praktische Ausbildung erfolgt in steter Verbindung mit den theoretischen in eigenen Übungsschulen. (Volksschulen in ihren verschiedenen Formen.) Für die Ausbildung der Lehrerinnen sind reine Mädchenschulen zu fordern, (hospitieren an gemischten und Knabenschulen.) Die Unterrichtsübungen erfolgen unter Leitung von wissenschaft lich befähigten und pädagogisch bewährten Lehrkräften. Jeder Studierende soll in einem Hauptfach selbständig, mindestens drei Monate lang und in mehreren anderen Unterrichtsfächern kürzere Zeit, insgesamt mindestens ein Jahr unterrichten, wobei die ver- schiedenen Altersstufen zu berücksichtigen sind. Oer Studierende soll möglichst Gelegenheit erhalten, auch andere Schularten, die Besonderheiten aufweisen: Hilfsschulen, Schulen für blinde oder taubstumme Kinder und andere durch hospitieren kennen zu lernen. Sowohl bei der theoretischen als auch der praktischen Ausbildung soll die besondere Berufsidee der Lehrerin in möglichst voll kommener Weise gewahrt und ausgeprägt werden. ^ - Die Einführung in di« wissenschaftliche Arbeitsweise . m geschieht innerhalb der genannten pädgogischen Fächer. Vas Studium eines wissenschaftlichen Hauptfaches neben der Pädagogik ist abzulehnen. Die weiterblldung in einem wisienschaftlichen, künstlerischen oder technischen Fach als Nebenfach ist zu empfehlen. Die Abschlußprüfung umfaßt 1. eine wisienschaftliche Arbeit aus dem Gebiete der Pädagogik (Volksschulpädagogik) und eine kleinere Arbeit aus der Unter- richtslehre, 2. eine mündliche Prüfung. 3. eine Unterrichtsprobe. Die Probezeit ist verbindlich für die Erlangung der Anftellungs- fähigkeit. Sie besteht 1. in einer wetteren Übung im Unterrichten, die möglichst <m mehrklassigen Schulen geschieht [sofern der (die) Kandidat(in) keine Schulstelle verwaltet, wird er (sie) einer anderen Lehrkraft als hospttant(in) zugewiesen). 2. in der pädagogischen Fortbildung. Diese kann unter anderen auch durch Teilnahme an einer Arbeitsgemeinschaft nachgewiesen werden. Die Anstellungsfähigkeil wird auf Grund einer Revision und einer Aussprache über pädagogische Fragen erteilt. Konrektorat. Es liegen folgende Anträge vor: Achter Antrag. ver hauptvorstand wolle beim preußischen Kultusminister beantragen, daß — bei Aufrechterhaltung der Ministerialerlasses U lll E Nr. 1479 U Ul A U UI C vom 12. Gkt. 1922 - die Konrektorstellen als „Beförderungsstellen" abgeschafft werden, und daß für die Ausrückung nur das Vienstaller matz- gebend lei. Die Bezirksvereine Beuthen, Cosel, Gleiwitz, hindenburg, Leobschütz. Neiße, Neustadt. Gppeln und Ratibor. 3. fl.: Maria Labryga. Zehnter Antrag. Antrag um Aufhebung der preußischen Konrektoratr in seiner gegen- wSrtigen Gestalt und statt dessen die Einführung von Bestimmungen, welche die Ausrückung der Lehrpersonen nach einer bestimmten Zahl von Dienst- jahren in Gruppe 3 (Kl. 9) herbeiführen. Begründung: Altere Lehrpersonen, die jahrelang an einem System tätig gewesen, werden an eine Schule versetzt, die von ihrer Wohnung weit entfernt liegt. Es wird ihnen schwer, sich in neue Verhältnisse einzuarbeiten und bei der jetzigen Wohnungsnot eine andere Wohnung zu bekommen, vie wetten Wege bei jeglicher Witterung schaden ihrer Gesundheit und fordern, wenn Fahrgelegenheit benutzt werden kann, oft einen so großen Kostenaufwand, daß die Erhöhung der Besoldung bedeutend herabgesetzt wird. Lehrpersonen an einklassigen Schulen, die sich besonders dem Dienste der Jugendpflege gewidmet haben, können nie Konrektor(in) werden. ver Bezirksverein Osnabrück. 3. ft: M. Sack. Die Leiterin der Versammlung führt dazu aus, daß ein zweiter Altersaufstieg im Rahmen des heurigen Besoldungsgesetzes unzulässig sei, und stellt daher folgenden Abänderungsantrag: „weil in der preußischen Beamtenbesoldung der zweite Aufstieg nach dem Visnstalter nicht möglich ist, möge der verein bei den zuständigen Behörden geeignete Schritte tun, damit die Lehrerinnen im Rahmen der bestehenden Möglichkeit die ihrer Arbeitsleistung, ihrer Stellenzahl und ihrem Dienstalter entsprechende Za'yl von Konrektorinnenstellen erhalten." Der Abänderungsantrag wird angenommen. Zahl der Lehrerinnenstellen. Elfter Antrag. vie Hauptversammlung wolle eine Eingabe an das preußische Ministerium für w., K. u. v. beschließen zwecks Abänderung des Ministerialerlasses vom 13. 6. 1916. Begründung: ver Erlaß vom 13. 6. 16 sollte eine Begünstigung der Lehrerinnen sein. Für den Osten des Staates, wo wenig Lehrerinnen wirkten, war er dar auch. Für den Westen aber bedeutet er eine Schädigung, da sich dort mancherorts die Zahl der Lehrer- und Lehrerinnenstellen nach altem Rechte wie 1:1 verhält. Der Bezirksverein Osnabrück. 3. A: M. Sack. Der Volksschulausschutz wird beauftragt, diesen Antrag zu prüfen, eine Eingabe mit den einschlägigen Einzrlforderungen auszuarbeiten und weiterzugeben. Schulleiterinnen. Fünfunddreißigster Antrag. ver verein möge bei den zuständigen Landesbehörden die notwendigen Schritt« tun, um die Einführung der weiblichen Leitung an Volks- und Mittelschulen der Mädchen in erhöhtem Maße durchzuführen. der Ausschuß für volkrschulangelegenhetten. 3. A.: E. Stoffels. Der Antrag wird angenommen. (Fortsetzung folgt.)