. 207 6. 1. Der Schullehrer, ſtellt am lezten Tage jeden Monats , oder, auf beſondere Anweiſung des Bürgermeiſters, eines kürzeren Zeitraumes (8, 17), die Verſäumnißliſte nach dem anliegenden Schema doppelt auf, bemerkt darin, welche Entſchuldigungs- gründe (8. 6) ihm befannt geworden ſind, und legt dieſelbe binnen längſtens 3 Tagen dem Bürgermeiſter und dem Pfarrer vor, und zwar dem leßteren perſönlich, ſofern nicht etwa der Landrath wegen beſonderer Verhältniſſe eine ſchriftliche Einreichung geſtattet hat. Wenn keine Verſäumniſſe vorgekommen ſind, ſo iſt darüber dem Bürgermeiſter und dem Pfarrer binnen gleicher Friſt ſchriftliche Anzeige zu machen. 6. 2. Der Pfarrer prüft, geeigneten Falles unter Zuziehung anderer Mitglieder des Schulvorſtandes, die Liſte und theilt ſie innerhalb 8 Tagen mit den ihm nöthig ſchei- nenden Bemerkungen dem Bürgermeiſter mit, S. 3. Nachdem dieſe Mittheilung erfolgt oder die dafür beſtimmte Friſt abgelaufen it, läßt der Bürgermeiſter die Väter oder Vormünder der Kinder , deren Verſäumniſſe nach ſeiner Ueberzeugung zufolge 8. 6 nicht entſchuldigt find, mit mindeſtens 2 Tagen Friſt bis ſpäteſtens zum 15. Tage des auf die Verſäumniß folgenden Monats zur Ver- nehmung und zur Anhörung des Urtheils auf das Bürgermeiſterei -Büreau oder auf ein näher gelegenes Gemeindelocal ſchriftlich vorladen. 6. 4. Wer nicht erſcheint, wird in contumaciam verurtheilt und der Bürgermeiſter läßt ihm den Urtheilsauszug binnen 2 Tagen durch den Polizeidiener, den Schöffen oder den Feldſchüßen zuſtellen. S. 6, Wer erſcheint, wird mit ſeinen Entſ<huldigungsgründen mündlich vernommen:; dieſelben werden in der Verſäumnißliſte kurz vermerkt. Thatſachen müſſen durch mit zur Stelle gebrachte Zeugen oder Urkunden erwieſen und muß demnach der Vorzuladende in der Vorladung aufgefordert werden , die zu ſeiner Nechtfertigung dienenden Beweismittel zu dem Termine ſelbſt mitzubringen, unter der Verwarnung, daß auf dieſelben ſonſt keine Rücſicht werde genommen werden. Der Bürgermeiſter ſpricht, vermerkt und unterzeichnet ſogleich das Urtheil und publi- cirt es dem Beſchuldigten. S. 6. Sculverſäumniſſe können nur entſchuldigt werden : 14) dur< ſchriftlichen Urlaub des Pfarrers. Wenn ein Pfarrer einem Schulkinde mehr als 3 Tage Urlaub ertheilt, ſo hat der Bürgermeiſter ſol<es durc< Vermittelung des Schulinſpectors dem Landrathe anzuzeigen und der letztere nach Befinden ſich die Genehmigung zu längeren Urlaubs- bewilligungen vorzubehalten. 2) Durc< Kranfheit des Schulkindes, 3) Für Sculkinder, die über Land zur Schule gehen müſſen, durch ein Unwetter, welches nah vernünftigem Ermeſſen den Schulbeſuch unmöglich macht. S. 7. Erkenntniſſe, welche aus andern als den im 8. 6 bezeichneten Gründen eine Verſäumniß für entſchuldigt erklären , bedürfen der Beſtätigung des Landraths , welcher dieſelbe nur aus beſonders erheblichen Billigkeitsgründen ertheilen darf. Die Beſtätigung wird vom Bürgermeiſter unter Erreichung eines Auszuges der Verſäumnißliſte nac<geſu<t. Wird dieſelbe nicht ertheilt, ſo ſpricht der Landrath die geſeßliche Strafe aus und theilt dem Bürgermeiſter das Erkenntniß zur Zuſtellung mit, S. 8. Statt der Geldſtrafe (1 Sgr. vis 1 Thlr. ) iſt für den Fall der Zahlungs- unfähigkeit auf Gefängnißſtrafe zu erkennen, und zwar 1) principaliter , wenn der Straffällige aus öffentlihen Armenfonds Unterſtüßung empfängt ; ' 2) ſubſidiariſch , wenn die Zahlungsunfähigkeit zweifelhaft iſt,