42 Geſezen zuwider wäre ; der Major aber hätte in dem betreffenden Freiwilligen uicht die Studirenden beleidigt, ſondern nur dieſen auf den Anſtand aufmerkſam gemacht. Dieſe Aeußerungen goſſen nur noc< Oel in die Flamme , der Lärm wurde immer unbändiger und als der Profeſſor erklärte, er werde, falls man auf der Forderung beſtehe , das Collegium für immer ſchließen, und darauf die Frage an die Studirenden richtete, ob er den Vortrag beginnen ſollte, wurde ihm ein donnerndes Nein! entgegengerufen. Er wiederholte dieſelbe Frage noch einige Mal, aber mit gleichem Erfolg, und verließ endlich den Saal unter allgemeinem Lärmen. Nun kehrte ſich das donnernde „Hinaus!“ mit größerer Wuth gegen die anweſenden Officiere; es erſchien aber no< zur rechten Zeit der Pedell und forderte die Studirenden im Namen des Senats auf, ſofort den Saal zu verlaſſen , was auch geſchah. Bonn. Das Miniſterium hat endlich den ſeit Windiſchmann's Tode erledigten Lehr- ſtuhl für Philoſophie wieder beſeßt und ſomit die auf dem rheiniſchen Provinzial - Land- tage laut gewordenen Klagen über Nichtbeſezung dieſes Lehrſtuhles (zu dem ein Katho- lik gewählt werden muß). endlicg zum Schweigen gebra<t. Mit der getroffenen Wahl, die auf einen Dr. Knoodt aus Boppard , früher Religionslehrer am Gymnaſium zu Trier, gefallen, iſt die katholiſche Partei wenig zufrieden. == Curioſe Leute, die der Negierung zumuthen , ſie ſolle Lehrer auſtellen , die den Katholiken gefallen. Da die Regierung einmal das Schulregiment in den Händen hat, ſo ſtellt ſie ſolche Leute an, wie ſie ſie gebrauchen kann. Bonn. Wie tief die Spaltung am Nhein in alle Verhältniſſe eingreift, zeigt ein vor Kurzem zwiſchen Profeſſor Bauerband und dem Kölner Advocaten Dr. Thesmax (jener katholiſch , dieſer evangeliſch) geführter Federkrie3, in dem ſich auch der Preußiſche Beobachter am Rhein (Rh. Beob.) blamirte, Wir berichten über den Streit ſelbſt, der an ſich ganz geringfügig war, nicht näher, und erwähnen ſeiner nur , weil ſich bei ihm wieder zeigte, wie ſtark die Spannung iſt. Wenn zwei Menſchen, von denen der Gine Katholik , der Andere Proteſtant, in die geringſte Differenz gerathen, etwa über die Frage , ob die Rheinhöhe 9 oder 11 Fuß betrage, ſo wird der Streit gleich confeſſionell. So weit hätte man es glücklicherweiſe gebracht. Der Rh. Beob. blamirte ſich, indem er, als davon die Rede war, Profeſſor Bauerband werde den Freiherrn von Los vor dem Zuchtpolizeigerichte (in dem bekannten Preßproceſſe) vertheidigen , in einem aus Köln vom 17. Nov, datirten Artikel (Nr. 322, 18. Nov.) für die Meinung des Dr. Thesmar auftrat, welcher eine Stelle in dem faiſerlichen Decret vom 14. Dec. 1810; La profession d'avocat est incompätible ..... 49 avec les emplois ä gages , dahin erflärte , daß ein Profeſſor der Rechte nicht als Advocat auftreten dürfe ; der Rh. Beob. ſetzte ſic dabei auf das hohe Pferd und meinte, das Dictionnaire de 'Academie in der Hand, Prof. Bauerband kenne gewiß das rheiniſche Necht beſſer als die franzöſiſche Sprache. Ref, weiß nic<t, was dermalen am preußiſchen Rhein Rechtens iſt, denn das iſt eine verwickelte Sache , er kennt aber die Bedeutung der franzöſiſchen Wörter , weiß auch, was in Frankreich in dieſem Falle Rechtens iſt, Wer nun Franzöſiſch verſteht, der ſubſumirt eine Profeſſur nicht unter die emplois a gages, und wer Frankreich kennt, der weiß , daß dort in den facultss de droit mehrere Profeſſoren zugleich Advocaten ſind. Bonn. Auch der Profeſſor der Cameralwiſſenſchaften, Herr Kaufmann , der bisher zugleich Landwirthſchaft lehrte und zu dem Ende ein kleines der Univerſität zugehöriges Landgut in Poppelsdorf zu verwalten hatte , hat ſich auf die katholiſche Seite geſchlagen und iſt mit den proteſtantiſchen Mitgliedern des rheiniſchen landwirthſc<haftlichen Vereiues in Streit gerathen. Wie es heißt, beabſichtigt das Miniſterium , dem beſagteu Landgut