Wie iſt die Ausbildung der Lehrerinnen für den Dienſt an der Fortbildungsſchule zu geſtalten ? Mit Hinweis auf die Lehrerinnenkurſe dex Piktoria-Fortbildungsſchule zu Berlin.?) Von Margarete Henſchke. Auf der Höhe der Harzberge, auf einſamen Herbſtwanderungen habe ich an dieſe Stunde gedacht und an das, was ich Ihnen heute ſagen ſoll. Und während mein Weg mich durc< die endloſen Wälder führte, hier an einer Schonung vorbei mit ſorgſam gehegten Tannenkindern, dort durch jchlank aufgeſchoſſenen jugendlichen Tannen- Nachwuchs, da ſtanden die Kinder und die Jugend unſeres Volkes vor meiner Seele, und ich hätte dieiem koſtbarſten jugendlichen Nachwuchs dieſelbe ſorgfältige Beobachtung, dieſelbe Pflege wünſchen mögen, wie ſie der gewiſſenhafte Forſtmann ſeinen Schuß- befohlenen im Walde zu teil werden läßt. Von dem Bergwinde umbrauſt, den Bli auf die blauenden Höhen gerichtet, erſcheint einem ſreilich das eigene tägliche Thun ſehr winzig und unbedeutend. Und doch ſoll ic<h verſuchen, Sie für dies unſer beſcheidenes Thun zu erwärmen, zu werben. Denn Sie wiſſen es ja, um zu werben bin ich heute hier, um Sie zu werben als Mitarbeiterinnen an dem Werke der weiblichen Jugenderziehung, das in weit umfaſſenderem Maße als bisher in die Hand der deutſchen Lehrerinnen gelegt werden muß. Aber der Bergwind und der Bli> auf die freien Höhen ſtärkt und erfriſcht uns auch; er giebt uns neue Kraft für die alte, liebe Arbeit, neuen Mut und neue Hoffnung. Und dieſe Hoffnung richtet ſich vor allem auf Sie. Möchte es mir gelingen, auch Jhnen dieſe Arbeit ans Herz zu legen und Sie mit der ſreudigen Thatkraſt zu erfüllen, die die Bürgſchaft für den Erfolg ſchon in ſich ſelbſt trägt. Auch iſt meine Hoffnung um ſo größer, als ic mich mit den führenden Geiſtern unter den deutſchen Volksſchullehrerinnen in den letzten Zielen eins weiß. Ja, die beiden Petitionen, die der Landes8verein preußiſcher Volks3- ſchullehrerinnen in dieſem Sommer an den Herrn Handelsminiſtex und den Herrn Kultusminiſter gerichtet hat, ſind uns ein deutlicher Beweis dafür, daß wir mit unſerer Arbeit nicht mehr vereinzelt daſtehen, daß unſere Ge- danken in weiten Kreiſen der deutſchen Lehrerinnenſc<haft bereits Wurzel geſchlagen haben. Früher freilich war das anders. Lange Jahre hindurch war das Intereſſe an der Fortbildungsſchule nur in ganz anderen Kreiſen lebendig. Es waren nicht Lehrer, ſondern Männer der Wiſſenſchaft und des öffent- lichen Lebens, von denen in erſter Linie die Gründung von Fortbildungs- ſchulen für Knaben aus8gegangen war; es waren nicht Lehrexinnen, ſondern die Führerinnen und Veteraninnen der Frauenbewegung überhaupt, die den Impuls zur Gründung der erſten Mädchen-Fortbildungsſchulen gaben; es ?) Vortrag, gehalten in den beiden Volksſchullehrerinnenvereinen zu Berlin. Die Lehrerin. KYUJ, Jahrgang. Heft 2. 4