122 Sehlerbekämpfung nung an ſauberes und ſorgſältiges Arbeiten, an Genauigkeit und Schärfe des Aus*" druds, an folgerichtiges Denken, jede gewiſſenhafte Einprägung und gründliche Wieder- holung unentbehrlichen Wiſſensſtoffes trägt zur Sehlervermeidung bei, Gleichwohl wollen wir auch in dieſer Hinſicht die zufällige Hilfe des täglichen Unter- richts unberüdſichtigt laſſen und uns lieber fragen, welche Kräfte denn eigentlid) im Zögling beſonders wachgerufen werden müſſen, damit er Falſches vermeiden lernt, Sie ſind vor allem zu ſuchen im bewußten Willen zum Richtigen und in der kritiſchen Stellungnahme zum Selbſtgeleiſteten. Beides wächſt nur allmählich im jugendlichen Menſc<hen heran. Es findet ſeine ſtärkſte Stüße in der Kritik der Rlaſſengemeinſchaft und in der Lehrerkorrektur. Von andern muß alſo in der Regel die erſte Kritik kommen, wenn der Menſc< zur Selbſtkritik erzogen werden ſoll. Da dieſe Kritik vornehmlid) an den Mängeln einer Leiſtung haftet, ſo ergibt ſid) daraus die wichtige Folgerung, daß den Ausgangspunkft der Erziehung zur Selbſtkritik des Zöglings ſeine eigenen Fehler bilden. Von dieſer Erkenntnis ausgehend, gewinnen wir erſt die richtige Einſtellung zur Behandlung bereits gemachter Sevpler. Man hatte für dieſe Arbeit bisher die Be- zeichnung Aorrektur oder FSehlerverbeſſerung, eine durchaus unzulängliche Bezeichnung, unter der ein meiſt ebenſo unzulängliches Verfahren beliebt war. Die Korrektur war viele Jahrhunderte hindurch nur eine Uorrektur durc) den Lehrer; ſie beſtand auch lange Zeit hindurd) nur in dem, was der Uame beſagt, in der Richtigſtellung des Zalſchen. Es ſagten und zeigten alſo auch hier wieder andere dem Derfehler das Richtige ſtatt des Salſchen, genau wie es heute die erwähnten Schulreformer wollen, nur mit dem Unter- ſchiede, daß die Richtigſtellung erſt erfolgte, nachdem der Fehler bereits gemacht war und das Schidjal ſeines Urhebers im Prädikat entſchieden hatte. Das Unpädagogiſche des Verfahrens lag aljo auch hier wieder in der Tatſache, daß die Arbeit, die der Zög- ling ſelber leiſten ſollte, von anderen geleiſtet wurde. Im Zeitalter des Arbeitsunterrichts ſollte ein ſoldes Derfahren ein für allemal ab- getan ſein. Wir ſollten nicht mehr von Korrektur und Sehlerverbeſſerung ſpreden, ſondern von FSehlerbehandlung, um ſchon mit dem Uamen anzudeuten, daß uns der Weg wichtiger iſt als das Ziel. Dieſer Weg muß der Weg der Selbſttätigkeit ſein. Der Schüler muß lernen, ſeine Sehler ſelber zu ſuchen, ſelber zu finden und ſelber zu berichtigen. Die Hilfe, die von außen kommt, darf nur die der Anregung ſein, und dieſe Anregung muß aus der Geſamtheit der Klaſſe kommen, I Wir wollen verſuchen, dieſen Weg in Kürze anzudeuten. Man unterſcheidet in der Negel je nach der Leiſtungsart mündliche und ſchriftliche Sehler. Die mündlidh) ge- machten Sehler ſind der Zahl nach die häufigeren. Sie werden vor dem Forum der ganzen Klaſſe laut und fordern ſchon dadurd) die Kufmerkſamkeit und die Kritik aller heraus. Man ſollte ſich dieſen Dorteil nicht entgehen laſſen. Wenn eine Klaſſenge- meinſchaſt weiß, daß ſie zur Kritik einer Leiſtung berufen iſt, dann ſtellen ſic ihre Glieder entſprechend darauf ein. Die erfreulichſte Begleiterſcheinung dieſes Vorgangs iſt die Erzielung allgemeiner Aufmerkſamkeit. Man erreicht ihre dauernde Anſpannung, wenn man die Schüler daran gewöhnt, nicht ſofort beim Lautwerden eines Sehlers mit der Kritik einzufallen, ſondern zu warten, bis die ganze Leiſtung oder bei Leiſtungen von größerem Umfange ein natürlicher Teilabſchnitt derſelben beendigt iſt. Crſt dann