Serualpädagogik für Mädchen 9 die Ausführungen von Prof. Dr. Hoffmann gelten ſelbſtverſtändlid) weitgehend aud) = f“r die ſexuelle Erziehung der weiblichen Jugend ; ſie ſind zum großen Teil vom Verfaſſer ſelbſt jo gemeint und können aud) von mir nur beſtätigt werden, ohne ſie nod) einmal zu wiederholen. Darüber hinaus bekommen die Sragen aber nod) ein beſonderes Geſicht, wenn man ſie vom Standpunkt des Mäddens und der Srau anſieht. Das Auffällige dabei iſt zunächſt nicht der Unterſchied zwiſchen Unaben und Mädchen --- die Reſultate der differentiellen Geſchlechterpſychologie ſind höchſt fragwürdig und berüdſichtigen nod) längſt nicht genug den Einfluß einer veränderten Lebensführung --; das Auffällige liegt vielmehr im Unter- ſchied der Auffaſſung und Haltung des heutigen weiblichen Geſchlechts ſelbſt im Dergleich zu früheren Zeiten, mindeſtens im Verglei) zu einem beſtimmten „Bild“, das man ſid) von der weiblichen Haltung zu machen gewohnt war. Es hat ſid) faſt innerhalb einer Generation eine ſo ſtarke Veränderung vollzogen, daß Maßſtäbe und Beurteilungen ſrüherer Generationen, ja au gerade derjenigen, die heute nod) lebt und naturgemäß zur Sührung berufen wäre, verſagen. Cine ſachliche Behanolung ſolcher grundlegenden Menſchheitsfrage, wie es die vorliegende iſt, wird niemals eine Zeiterſcheinung oder eine „Kriſis" als endgültig richtunggebend anſehen dürfen; eine Pädagogik wird ſid) weder von hyſteriſcher Angſt in lähmende Unſicherheit verſeßen laſſen, nod) in blinder Huldigung ihre Uorm daraus ſchöpfen. Aber anderſeits gleicht alle die Pädagogik einem Schlag ins Waſſer, die nicht klar und ohne Illuſionen rechnet mit der unmittelbaren Wirkungsbaſis ihrer Zeit. So kommt es gar nicht ſo ſehr auf die hiſtoriſche Bedeutung einer gegenwärtigen Erſcheinung an, ſondern lediglic) auf ihre Tatjählichkeit --- ſogar ſchon auf das, was als öffentliche Meinung von ihr gilt. Soldhe öffentliche Meinung fann viel mehr laut ſein als richtig; und do) iſt ſie beherrſchend, vor allem für die Jugend. Die Veränderung iſt beſonders einſchneidend in der bürgerlichen Geſellſchaft. Alle feſten Umgrenzungen ſind gefallen, die bis vor kurzem jedem jungen Mädchen den Bli in die Wirklichkeit des Lebens, den Bli> vor allem in das Sexualleben, vor ihrer eigenen Ehe einengten auf einen kleinen zufälligen Ausſchnitt. Die mühſam erkämpfte Grenz- überſchreitung der erſten berufstätigen Srauen iſt dem jungen Geſchlecht ſelbſiverſtänd- liches Recht geworden, ohne ſeinen Willen, ohne irgend eine Entſcheidung der eigenen Verantwortung für dieſe Sreiheit. Faſt ſcheint die Weite in den eigentümlichen Derhält- niſſen wie ein Danaergeſchenk, weil nun eine Enge droht, die lebenstötender iſt als die Enge der vier Wände: die Einſeitigkeit einer völligen Gleichgewichtsverlagerung der dynamiſchen Kräfte, einer Verſtimmung der Lebensbetonung. Cinealles überſchwemmende Panſexualität beanſprucht ein Maß von Intereſſe, das wohl geeignet iſt, alle Vielgeſtaltig- keit in der Entwieklung abzudroſſeln. Dazu kommt, daß die Zeit für die tieſſten Eigenſchaften der Srau --- Liebe, Mütterlichkeit und hingabe -- ſo gut wie gar keine Verwendung hat. Daneben ſieht, den einen lächerlid) und verächtlich, den andern als eine Laſt, die nur vorübergehend und möglichſt unbeſchwerlid) getragen wird, den dritten als wichtigſter