Dreſſur; Strafe 509 ausgeſprochenen Herausforderungen) nicht geſtraft wird. Die Entſcheidung über die richtige Behandlung liegt beim einzelnen Erzieher; objektiv gibt es nur die eine ſehr dehnbare Grenze, die im Schuß der Mitmenſchen und der grundlegendſten Notwendig- keiten des Zuſammenlebens auf einem meiſt ſehr engen Platz liegt. Wo zwiſchen ge- dankenloſer Energie und nachgiebiger Schwädhe die geforderte Haltung liegt, kann man immer nur im Einzelfall ſagen. Oft iſt ruhiges Darüberweggehen das. Richtige, meiſt ge- nügt die Abwehr ſtatt der Strafe. Beides kann zur Iſolierung des Zöglings führen, die nicht in bloßer Einſperrung beſtehen darf, ſondern die Möglichkeit zur Beſinnung geben muß, deren Wirkung dur Ausſprachen vertieft werden kann (herrmann, Bondy). Oft genügt ſtatt deſſen die Verſetzung in einen abgelegenen Arbeitsbetrieb, wo der Zögling allein mit einem Erwachſenen arbeitet und Zeit zu ruhiger Beſinnung findet, während gleichzeitig unter den anderen Zöglingen eine Erregung raſcher abklingt, als wenn der Miſſetäter eingeſperrt wäre. Eine Zeit der Nichtbeachtung kann nüßen, wo ſchon ſold)e Mittel anſprecjen; es kann zu einer Entziehung von Vertrauensſtellen oder Sreiheiten kommen -- ähnlidy) der Verſetzung in eine niedere Progreſſionsſtufe; doh wird bei Abnormen eine generelle, leicht ſchematiſche Seſtlegung beſſer vermieden. Auf keinen Fall darf die bloße Arbeit als Strafe oder Strafverſchärfung dienen: das wäre das ſicherſte Mittel, jede Arbeitsfreude zu erſtiden. Körperliche Züchtigung darf bei abnormen Rindern auf keinen ZSall zu den regelmäßigen Erziehungsmitteln gehören. Uicht nur pädagogiſche, ſondern aud) ärztliche Gründe verbieten ſie bei beſtimmten Gruppen ganz. Späteſtens vom Beginn der Pubertät an ſollte jie völlig ausgeſchaltet werden. Wer die Verhältniſſe kennt oder aud) nur den für die Prügelſtrafe eintretenden Ausführungen (etwa von Redes- penning) folgt, kann ſid) ſagen, welche Wirkungen ſie auf den Beſtraften, auf alle Mitzöglinge und aud) auf die Erzieher und den Geiſt des Heimes hat. Wenn es aud) Aus- nahmefälle gibt, wo die Wirkungen auf den Beſtraften unbedenklich ſein mögen, gilt dod) gerade für Anſtalten für abnorme Kinder und Jugendliche die Seſtſtellung B on - dvs: „Gute Erziehungsheime haben nicht nur die Aufgabe, ihre eigenen Zöglinge gut zu erziehen; ſie ſollen auch für alle anderen Anſtalten vorbildli) wirken. . . . Das wird jedoch nur dann der Fall ſein können, wenn ſie die Prügelſtrafe, deren maßloſe Hinwendung alle einſichtigen Pädagogen ablehnen, aus der Reihe ihrer Erziehungs- mittel grundſäßlid) ſtreichen. Es ſcheint mir daher nötig, daß auc jene Heime, in denen ſchon jetzt die Prügelſtrafe nur in ſeltenen Ausnahmefällen zur Anwendung gelangt, im Intereſſe dieſer vorbildlichen Wirkung von dieſem Strafmittel völlig abſehen." -- Gegen die bisherige Darſtellung der Heilpädagogik bleibt ein wichtiger Einwand zu erheben: Kommt in dieſer bewußt völlig individuell geſtalteten Erziehung die Gemeinſchaft nict zu kurz? -- Man wird dieſe FSrage ſtellen dürfen, au) wenn man einen grundſäßlicen Gegenſatz zwiſchen Individual- und Sozialpädagogik nicht anerkennt. Beim abnormen Kind wird ſtets eine Reihe von Sondermaßnahmen nötig ſein, um ſeine „Sozialiſierung“ ſicher zu ſtellen. Gewiß muß aud) das abnorme Kind in einer Gemeinſdaft erzogen wer- den. Aber es kommt faſt ſtets in Sondererziehung, weil es in dem bisherigen Rreiſe -- der Familie, der Schule oder Arbeitsſtelle -- ſich nicht einfügen konnte. Im Heim iſt zwar alles auf dieſe Schwierigkeiten eingeſtellt, und man bemüht ſich, dem Kind Mut und Vertrauen zu ſich und ſeiner Umgebung einzuflößen, aber es braucht in der Regel einen engeren, einen wärmeren Kreis, die Erziehungsgruppe. Ihre Zuſammen-