halten. Da ſich aber der Vorſtand nach ſeiner Erklärung nicht ſo eingenommen zeigt und die Mitwirkung anderer Vereinsmitglieder nicht verſchmähen will, unternehme ich es auf. dieſe Weiſe, meiner - Meinung über die Sache und den Verlauf zum Ausdruck zu bringen. Nach meinem Dafürhalten war es bei ſo langer Verhandlungs- zeit möglich, die beiden vorhandenen Parteien ohne Anrufung der Vereinsdiſziplin innerlich einander näher zu bringen. Kollege Beck- Dresden wies mit Recht in der Debatte darauf hin, daß ſich die beiden Neferenten gar nicht ſo fern ſtänden. Hätten ſie, wie es die beiwen Referenten Dr Schiller und Schuldirektor Eberth Dresden in der Diſziplinargeſeß- Angelegenheit getan haben, vorher perſönliche Ausſprache gepflogen, ſo wären viele unnötigen Angriffe und Wieder- holungen weggeblieben und die ſpringenden Punkte konnten ſchärfer beleuchtet werden; der rhetoriſche Erfolg hät'e dadurch wohl etwas Einbuße erleiden können, ;aber die Klarheit hätte ſicher gewonnen. Der Vortrag des Referenten Pöniß-Leipzig war ſehr intereſſant, geiſtreich, humoriſtiſch und lebendig, aber Bräutigam-Reichenbach hielt ſich enger und beſtimmter an den Gegenſtand, zeigte ebenfalls Gewand- heit, Schlagfertigkeit und Witz, ließ ſich aber zu Übertreibungen nicht ſo ſehr hinreißen. - Sachlich ſtand ich den Theſen von Pönitz näher, aber er verſäumte, ausführlicher auf die Erſaßmitrel einzugehen, was zur Beruhigung der Gegner viel beigetragen 'hätte. Auf die Vor- ſchläge, die ich in dieſer Hinſicht zu machen gedachte, brauche ich hier nicht einzugehen, da das weiter hinten erfolgen ſoll Ausführliche Berichte über beide Vorträge nebſt. der ſich anſchließenden Debatte finden ſich in der Sächſ. Schulzeitung Nr. 44 und 45 von 1907 und in der Leipziger Lehrerzeitung. Ehe ich in die Beurteilung der Sache ſelbſt eingehe, folge ich dem Gedanfengange des Korreferenten Bräutigam, der zunächſt erflärte, daß auch er den geiſtreichen Worten des Vorredners leb- haften Beifall gezollt habe. Er ſtehe in vieler Beziehung auf dem- jelben Standpunkte, ſei auch ebenſo entſchieden gegen die Lernſchläge. Wenn er in dieſer Friedenskonferenz mit dem helltönenden, loekenden Rufe: „Die Waffen nieder!“ abweichende Bemerkungen machen müſſe, ſo dürfe man nicht befürchten, daß er im Jahrhundert des Kindes das Wort Peſtalozzis: „Das Kind braucht Liebe" in ſein inhumanes Gegenteil verkehren wolle. Auch er wünſche dem Stocke eine geſegnete Emeritierung und freue fich der Zeit, wo der ſchmerzloſe Unterricht zur Tat geworden ſein wird. Er empfinde es bitter, daß ev nackte Tatſachen der grauen Wirklichkeit aufzählen müſſe, anſtatt mit Begeiſterung für die Verwirklichung von Jdealen kämpfen zu können, wenn ſie auch noch ſo hoch an den Sternen hingen. Er wandte ſich nun für ſeinen Standpunkt mit viel Geſchick der Frage zu: „Wie kommt es, daß gerade jetzt die Frage der .k. Z. bei der ſächſiſchen Lehrerſchaft ſo aktuell geworden iſt?“ 4 Er fragte: ' „Sind in der lezten Zeit Überſchreitungen des geſeß- lich gewährleiſteten Züchtigungsrechtes ſo kraſſer Art und ſo zahlreich